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Energie & Management > Studien - CCS in der Nordsee: Der Speicherplatz wird knapp
Quelle: Fotolia / alphaspirit
Studien

CCS in der Nordsee: Der Speicherplatz wird knapp

Umweltverträglichkeit, Raumkonflikte, gesellschaftliche Akzeptanz:  Der Speicherung von CO2 unter der Nordsee sind nach einer Studie des Öko-Instituts klare Grenzen gesetzt.
Carbon Capture and Storage (CCS) stößt in der Nordsee laut einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes auf begrenzte nutzbare Speicherpotenziale. Zudem schränken andere Meeresnutzungen CCS ein. Das neue Papier enthält „Anforderungen an Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO2-Speicher“.

Geologisch weist die deutsche Nordsee ein großes Speicherpotenzial auf, schreiben die Autoren. Doch ein erheblicher Teil der Flächen steht jedoch bereits für andere Zwecke zur Verfügung, darunter Naturschutz, Offshore-Windenergie und militärische Nutzung. „Es zeichnet sich immer mehr ab, dass ernstzunehmende Nutzungskonflikte bestehen. Der Meeresschutz muss weiterhin unantastbar sein. Werden keine Vereinbarkeiten und Konzepte zur Mehrfachnutzung von Flächen der Windenergie und der Verteidigung gefunden, wird die geologische Speicherung von CO2 in der deutschen Nordsee überhaupt nur schwer umsetzbar sein“, so Florian Krob, CCS-Experte am Öko-Institut.

Neben der räumlichen Konkurrenz verweisen die Wissenschaftler auf technische Unsicherheiten bei der Bewertung möglicher Speicher. Theoretische Speicherpotenziale könnten sich im Zuge von Erkundung und Betrieb als geringer oder weniger geeignet erweisen. „Bislang erfolgen rein theoretische Abschätzungen von Speicherpotenzialen“, erklärt Krob. „Die Politik muss damit rechnen, dass am Ende nur ein Bruchteil dieser Potenziale tatsächlich nutzbar sein könnte.“

Nach Ansicht des Öko-Instituts sollte CCS deshalb auf technisch unvermeidbare Restemissionen beschränkt bleiben. Dazu zählt die Studie beispielsweise bestimmte Industrieemissionen. Daneben könne CCS für die dauerhafte Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eingesetzt werden.

Experten: Möglichst wenige, dafür aber große Speicher

Für die Standortauswahl empfehlen die Autoren Ausschlusskriterien und verbindliche Mindestanforderungen, die bereits vor der Erkundung potenzieller Speicher greifen. Das Ende 2025 beschlossene Gesetz zur dauerhaften Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid (KSpTG) setze zu spät an, da es eine vertiefte Prüfung der Speicher erst nach Geländeuntersuchungen durch die Betreiber vorsehe, kritisieren die Forschenden.

Zu den grundlegenden Voraussetzungen zählen sie eine ausreichend große Speicherkapazität. Speicherstrukturen mit einem sogenannten P50-Wert (Median) von weniger als 5 Millionen Tonnen CO2 sehen sie als unzureichend an. Im Sinne der Umweltverträglichkeit müsse Ziel sein, „möglichst wenige CO2-Speicher zu erschließen und sich daher frühzeitig auf Speicherformationen mit ausreichend großem Speichervolumen zu konzentrieren“, so das Öko-Institut. 

Als Mindesttiefe des Reservoirs nennen die Autoren aus Gründen der Speichersicherheit 800 Meter, als Spanne empfehlen sie 1000 bis 2.500 Meter. Grundlegend seien überdies die Injektivität, sprich eine gute Porosität und Permeabilität sowie geeignete Druckverhältnisse. Die geologische Deckschicht sollte mindestens 20 Meter mächtig sein, und es dürfe keine Anzeichen geben, dass die Barriere über einen langen Zeitraum ihre Funktion verliert.

Neben technischen und räumlichen Kriterien hebt die Studienautoren die Beteiligung der Öffentlichkeit hervor. „Erfahrungen aus anderen Ländern wie Dänemark zeigen, dass frühzeitige, systematische und transparente Verfahren die Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von CCS deutlich erhöhen können“, schildert Krob. „Raum ist ein sensibles und knappes Gut, an dem die Öffentlichkeit intensiv Anteil nimmt – wie die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle zeigt.“

Die Studie steht auf der Website des Umweltbundesamtes als Download bereit: „Anforderungen an Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO2-Speicher“ (mf)

Freitag, 18.09.2026, 16:07 Uhr
Manfred Fischer
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Studien
CCS in der Nordsee: Der Speicherplatz wird knapp
Umweltverträglichkeit, Raumkonflikte, gesellschaftliche Akzeptanz:  Der Speicherung von CO2 unter der Nordsee sind nach einer Studie des Öko-Instituts klare Grenzen gesetzt.
Carbon Capture and Storage (CCS) stößt in der Nordsee laut einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Umweltbundesamtes auf begrenzte nutzbare Speicherpotenziale. Zudem schränken andere Meeresnutzungen CCS ein. Das neue Papier enthält „Anforderungen an Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO2-Speicher“.

Geologisch weist die deutsche Nordsee ein großes Speicherpotenzial auf, schreiben die Autoren. Doch ein erheblicher Teil der Flächen steht jedoch bereits für andere Zwecke zur Verfügung, darunter Naturschutz, Offshore-Windenergie und militärische Nutzung. „Es zeichnet sich immer mehr ab, dass ernstzunehmende Nutzungskonflikte bestehen. Der Meeresschutz muss weiterhin unantastbar sein. Werden keine Vereinbarkeiten und Konzepte zur Mehrfachnutzung von Flächen der Windenergie und der Verteidigung gefunden, wird die geologische Speicherung von CO2 in der deutschen Nordsee überhaupt nur schwer umsetzbar sein“, so Florian Krob, CCS-Experte am Öko-Institut.

Neben der räumlichen Konkurrenz verweisen die Wissenschaftler auf technische Unsicherheiten bei der Bewertung möglicher Speicher. Theoretische Speicherpotenziale könnten sich im Zuge von Erkundung und Betrieb als geringer oder weniger geeignet erweisen. „Bislang erfolgen rein theoretische Abschätzungen von Speicherpotenzialen“, erklärt Krob. „Die Politik muss damit rechnen, dass am Ende nur ein Bruchteil dieser Potenziale tatsächlich nutzbar sein könnte.“

Nach Ansicht des Öko-Instituts sollte CCS deshalb auf technisch unvermeidbare Restemissionen beschränkt bleiben. Dazu zählt die Studie beispielsweise bestimmte Industrieemissionen. Daneben könne CCS für die dauerhafte Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre eingesetzt werden.

Experten: Möglichst wenige, dafür aber große Speicher

Für die Standortauswahl empfehlen die Autoren Ausschlusskriterien und verbindliche Mindestanforderungen, die bereits vor der Erkundung potenzieller Speicher greifen. Das Ende 2025 beschlossene Gesetz zur dauerhaften Speicherung und zum Transport von Kohlendioxid (KSpTG) setze zu spät an, da es eine vertiefte Prüfung der Speicher erst nach Geländeuntersuchungen durch die Betreiber vorsehe, kritisieren die Forschenden.

Zu den grundlegenden Voraussetzungen zählen sie eine ausreichend große Speicherkapazität. Speicherstrukturen mit einem sogenannten P50-Wert (Median) von weniger als 5 Millionen Tonnen CO2 sehen sie als unzureichend an. Im Sinne der Umweltverträglichkeit müsse Ziel sein, „möglichst wenige CO2-Speicher zu erschließen und sich daher frühzeitig auf Speicherformationen mit ausreichend großem Speichervolumen zu konzentrieren“, so das Öko-Institut. 

Als Mindesttiefe des Reservoirs nennen die Autoren aus Gründen der Speichersicherheit 800 Meter, als Spanne empfehlen sie 1000 bis 2.500 Meter. Grundlegend seien überdies die Injektivität, sprich eine gute Porosität und Permeabilität sowie geeignete Druckverhältnisse. Die geologische Deckschicht sollte mindestens 20 Meter mächtig sein, und es dürfe keine Anzeichen geben, dass die Barriere über einen langen Zeitraum ihre Funktion verliert.

Neben technischen und räumlichen Kriterien hebt die Studienautoren die Beteiligung der Öffentlichkeit hervor. „Erfahrungen aus anderen Ländern wie Dänemark zeigen, dass frühzeitige, systematische und transparente Verfahren die Umweltverträglichkeit und gesellschaftliche Akzeptanz von CCS deutlich erhöhen können“, schildert Krob. „Raum ist ein sensibles und knappes Gut, an dem die Öffentlichkeit intensiv Anteil nimmt – wie die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle zeigt.“

Die Studie steht auf der Website des Umweltbundesamtes als Download bereit: „Anforderungen an Verfahren zur Identifikation umweltverträglicher CO2-Speicher“ (mf)

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