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Enerige & Management > E&M-Direktvermarktung - "Business as Usual" im ersten Halbjahr
Bild: Fotolia.com, Photo-K
E&M-DIREKTVERMARKTUNG:
"Business as Usual" im ersten Halbjahr
Die 10. E&M-Umfrage zur Direktvermarktung zeigt: Große Aufreger hat es in diesem Geschäftsfeld in den ersten sechs Monaten nicht gegeben.
 
Die E&M-Redaktion hat jüngst ein kleines Jubiläum gefeiert: Zum 10. Mal konnte Energie & Management die bundesweit geschätzte Umfrage zur Situation bei der Direktvermarktung abschließen. Diese Erhebung gilt längst als das Branchenbarometer, das seit 2013 das Auf und Ab im Direktvermarktungsgeschäft zuverlässig widerspiegelt.
 
Bei diesen Auf und Ab gibt es eine Konstante: Seit der Premiere lag stets die Statkraft Markets GmbH mit Sitz in Düsseldorf bei der E&M-Erhebung vorne. Die Deutschland-Dependance des norwegischen Energiekonzerns hat sich längst zum FC Bayern München der Direktvermarktung entwickelt, sprich zum Seriensieger.

Auch nach den ersten sechs Monaten des Jahres 2019 hat Statkraft das eigene Portfolio weiter, wenn auch leicht, auf 11 737 MW ausbauen können. „Wir sind in diesem Jahr gut aus den Startlöchern gekommen und deshalb auch gut auf die mittlerweile anlaufenden Verhandlungen für die nächsten Jahresverträge vorbereitet“, zeigt sich Andreas Bader, der die Abteilung Vertrieb und Produktentwicklung leitet, zufrieden.

Dass das Plus bei Statkrafts diesjähriger Sechsmonatsbilanz nur relativ übersichtlich ausfiel, dafür macht Bader vor allem die geringe Zahl neu angemeldeter EEG-Anlagen zur Direktvermarktung verantwortlich. Angesichts des Zubaudesasters bei der Windenergie an Land mit 287 MW brutto in der ersten Jahreshälfte fiel der bundesweite Zuwachs aller regenerativen Energieträger bei der Direktvermarktung in der Tat mit deutlich unter 2 000 MW im gleichen Zeitraum übersichtlich aus. „Das erhöht den Wettbewerbsdruck auf alle die Anlagen, die bereits unter Vertrag stehen“, konstatiert Bader. Umso mehr gelte es, „Mehrwerte“ für die eigenen Kunden zu schaffen.

Next Kraftwerke mit nennenswertem Plus

Das einzige Unternehmen, das das eigene Portfolio im ersten Halbjahr nennenswert ausbauen konnte, ist die Next Kraftwerke GmbH aus Köln. Die Rheinländer machten einen Sprung um gleich knapp 1 200 auf 5 262 MW. Dieses Wachstum basiert fast ausschließlich auf einem Plus von mehr als 1 100 MW im Photovoltaik-Sektor. Mit einer Leistung von mehr als 3 100 MW ist Next Kraftwerke nach wie vor der mit Abstand größte Solar-Direktvermarkter hierzulande und konnte seinen Vorsprung zur solaren Nummer zwei, Sunnic Lighthouse, noch vergrößern.

„Wir profitieren momentan von unserer Marktposition als führender Solarstromhändler in Deutschland und dem andauernden, robusten Zubau an solaren Kapazitäten“, sagt Jochen Schwill, einer der beiden Gründer und Geschäftsführer von Next Kraftwerke. Da der Solarausbau im Gegensatz zur Windenergie vorangeht, erwartet Schwill auch weiter steigende Vertragsabschlüsse für diesen Energieträger.

Dass im Direktvermarktungsgeschäft derzeit „Business as usual“ angesagt ist, bestätigt auch Matthias Lange, als Gründer und Geschäftsführer des Prognosedienstleister Energy & Meteo Systems GmbH Kenner der Szene: „Die Direktvermarktung ist im Alltag angekommen, weshalb viele Anbieter versuchen, ihre Prozesse und Kosten zu optimieren.“
 
Die fünf größten Zuwächse*
  Unternehmen MW
1 Next Kraftwerke 1 182
2 Trianel-Gruppe 300
3 Sunnic Lighthouse 300
4 Eon Energie Deutschland 261
5 Natgas 250
*Vergleich 1. Januar bis 1. Juli 2019


Einen Aufschwung wird nach Einschätzung von Branchenexperten das Geschäft mit den sogenannten Ü20-Anlagen bringen, sprich Wind- und Solarkraftwerke, die ab Anfang 2021 aus dem Vergütungsregime des Erneuerbare-Energien-Gesetzes fallen. Damit sind ganz neue Liefer- und Kundenbeziehungen möglich.

Dass auch bei der "ane.energy" (Arge Netz Energie) die Ü20-Anlagen deutlich in den Fokus gerückt sind, versteht sich von selbst: Mit Sitz im nordfriesischen Husum ist die Ane Energy im Windpionierland Schleswig-Holstein zu Hause, wo zwischen deutsch-dänischer Grenze und der Elbe viele Windturbinen aus der Gründergeneration in Betrieb sind. „Wir werden auf jeden Fall die anstehende Husum Wind Anfang September nutzen, um mit vielen Windmüllern zu reden und ihnen sagen, was sie von uns bei einem Weiterbetrieb zu erwarten haben“, sagt Geschäftsführer Ralf Höper.

Mit dem Verlauf des bisherigen Geschäftsjahrs und den akquirierten Vermarktungsverträgen mit einem Volumen von 1 550 MW zeigt sich Höper durchaus zufrieden: „Wir haben einen guten Start hingelegt und gleichzeitig unsere Prozesse optimiert.“ Im kommenden Jahr, so seine Prognose, werde Ane Energy nicht nur über neue Produkte, sondern auch über ein größeres Portfolio verfügen: „Da ist noch Luft nach oben.“

 
Die fünf führenden Anbieter*
  Unternehmen MW
1 Statkraft Markets 11 737
2 Quadra Energy 6 600
3 Vattenfall Energy Trading 5 760
4 Next Kraftwerke 5 262
5 Wind Energy Trading/BKW Energie 5 028
*Stichtag: 1. Juli 2019


Dabei dürfte der Ane Energy die Hanwha Q-Cells nicht in die Quere kommen. Nach dem Start als Ökostromlieferant Anfang April ist das Solarunternehmen wenig später in die Direktvermarktung eingestiegen. Als einziger Newcomer auf dem deutschen Markt für Direktvermarktung will sich das Unternehmen aus dem sachsen-anhaltinischen Bitterfeld-Wolfen auf Photovoltaikanlagen in der Größenklasse 100 bis 750 kW konzentrieren. „Das Interesse bei Kunden ist da, erste Verträge haben wir auch unterzeichnet“, lässt Sinah Satori, Head of Marketing EU bei Hanwha Q-Cells, durchblicken: „Zahlen über unser Portfolio gibt es dann im kommenden Jahr.“

Noch ein Wort zur Jubiläumsumfrage: Mit 54 vorliegenden Antworten war die Resonanz noch nie so groß gewesen - ein wirklich nettes Jubiläumsgeschenk.
 
Eine ausführliche Auswertung der 10. E&M-Direktvermarktungsumfrage zum ersten Halbjahr 2019 lesen Sie in der E&M-Printausgabe 15-16/2019 auf den Seiten 17 bis 19. Die Ausgabe erscheint am 15. August.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 15.08.2019, 13:04 Uhr

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