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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Bund stützt Windturbinen-Hersteller
Quelle: Fotolia / Felix brönnimann
WINDKRAFT ONSHORE:
Bund stützt Windturbinen-Hersteller
Der deutsche Windenergieanlagen-Bauer Enercon bekommt eine halbe Milliarde Euro staatlichen Corona-Kredit. Er ist damit einer der größten Fälle des Wirtschaftsstabilisierungsfonds.
 
Der ostfriesische Windenergieanlagen-Hersteller Enercon wird aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) des Bundes ein Nachrangdarlehen von 500 Mio. Euro bekommen, um seine Liquidität zu stabilisieren, die wegen der Corona-Folgen gestört ist. Das geht übereinstimmend aus einer Mitteilung des Auricher Unternehmens und einer Liste des Bundeswirtschaftsministeriums hervor.

Demnach hat der interministerielle WSF-Ausschuss diese Stabilisierungsmaßnahme freigegeben. Die Pandemie habe bei Enercon zu "erheblichen Störungen und unerwarteten Mehrkosten bei Material, Komponenten, Transport und Logistik und in der Folge zu Verzögerungen wichtiger Projekte" geführt, teilte das Unternehmen mit.

Fast alle europäischen Windturbinen-Hersteller, so jedenfalls Siemens Gamesa und Nordex mit deutschen Werken, haben derzeit kommerzielle Probleme: Sie befinden sich, nachdem mehrere Staaten ihr Fördersystem von garantierten Strompreisen auf wettbewerbliche Ausschreibungen mit erheblichem zeitlichem Nachlauf in der Projektierung umgestellt haben, in einer Sandwich-Position: Sie stehen zwischen den Windpark-Projektierern auf der einen Seite, die ihre niedrigen Gebote bei Ausschreibungen weiterreichen, und gestiegenen Zulieferer-Preisen auf der anderen Seite.

Enercon hatte schon im letzten Vor-Corona-Jahr massive Probleme und stand im ersten Corona-Jahr blendend da, schreibt die Wirtschaftswoche: 2019 erlitten die Ostfriesen angesichts des Fadenrisses im deutschen Windkraft-Ausbau an Land und auf See Umsatzeinbrüche und fast einen Milliardenverlust, während sie 2020 mit einem auf 4 Mrd. Euro gestiegenen Umsatz wieder 406 Mio. Euro Gewinn erwirtschafteten. Der Abschluss 2021 ist noch nicht veröffentlicht.

Im Hinblick auf das Kreditvolumen reiht sich Enercon in die großen Fälle des WSF ein, wie Lufthansa, Tui, Karstadt-Kaufhof, die Georgsmarienhütte oder die Modekette Adler.

Strenge Vorgaben für die Verwendung

Offizieller Kreditnehmer ist die UEE Holding in Aurich. Laut einer Verpflichtungserklärung gegenüber dem WSF ist die Verwendung des Kredits während der Laufzeit unter anderem folgendermaßen eingeschränkt:
  • Enercon darf das Darlehen nur verwenden, um Liquiditätsengpässe zu überwinden und Betriebsmittel zu erwerben oder um Investitionen zu tätigen, die nötig sind, um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten. 
  • Töchter "in Schwierigkeiten" dürfen daraus kein Geld bekommen und müssen getrennt Buch führen.
  • Enercon darf sich nicht mit mehr als 10 % an Wettbewerbern beteiligen, bevor 75 % der Darlehenssumme zurückgezahlt oder sonstwie erledigt sind.
  • Der Hersteller darf auch nicht "aggressiv" seinen Marktanteil steigern. Er darf aber Beteiligungen an bestimmten, in einem Rahmenvertrag mit dem WSF näher definierten Windpark-Gesellschaften aufstocken, wenn er diese "in einem überschaubaren Zeitraum" ganz verkaufen will. In der Regel sind dies zwei Monate.
  • Die Chefs − Jürgen Zeschky, Michael Jaxy, Ulrich Schulze Südhoff, Frederic Maenhaut, Jost Backhaus, Jörg Scholle und Martin Prillmann − dürfen gegenüber Ende 2019 keine Gehaltserhöhungen bekommen, bevor 75 % des Kredits erledigt sind. Und variable Gehaltsbestandteile sowie Prämien dürfen bis dahin weder in Aussicht gestellt noch gezahlt werden. Dies gilt auch für die Geschäftsführer von Töchtern. In der zweiten Führungsebene dürfen die Boni nicht erhöht werden.
  • Enercon darf nichts an den Gesellschafter Aloys-Wobben-Stiftung oder künftige Gesellschafter ausschütten, was das Unternehmen nicht schon rechtlich schuldet.
 

Georg Eble
Redakteur
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Dienstag, 05.07.2022, 12:50 Uhr

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