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Enerige & Management > BHKW - Bürgermeister begrüßt BHKW Beate
Bild: E&M
BHKW:
Bürgermeister begrüßt BHKW Beate
Die Berliner Energieagentur wirbt weiter für KWK als klimaverträgliche Energieerzeugungsoption für Städte und hat in einem Berliner Krankenhaus ihr 68stes und bisher größtes BHKW in Betrieb genommen.
 
Für Michael Müller, den seit Dezember 2014 amtierenden Regierenden Bürgermeister Berlins, war die Inbetriebnahme des neuen Blockheizkraftwerks (BHKW) für die Energieversorgung des St. Joseph Krankenhauses (SJK) im Stadtteil Tempelhof Ende Januar etwas ganz Besonderes.

Der neue Regierungschef ist selbst in der Geburtsklinik auf die Welt gekommen, wohnt immer noch ganz in der Nähe und bewertet den jetzt abgeschlossenen Umbau der dortigen Energieversorgung als „für das Land Berlin ganz wichtig“. KWK sei ein zentraler Baustein der Energie- und Klimapolitik der Stadt, die bis 2050 klimaneutral werden will. „Daher werden wir uns auch auf Bundesebene bei der anstehenden Novellierung des KWK-Gesetzes für die ausreichende Förderung dieser Effizienztechnologie stark machen“, versprach Müller.

Auch Michael Geißler, Geschäftsführer der Berliner Energieagentur (BEA), brach noch einmal eine Lanze für die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die seiner Meinung nach auch in einer zunehmend erneuerbaren Energiewelt in dicht besiedelten Städten, wo es wenig Platz für Wind- und Solarkraftwerke gibt, für die Erzeugung von Strom und Wärme gebraucht wird. Geißler zeigte sich verwundert über „die merkwürdige Diskussion“, die kleine BHKW und Erneuerbare in Konkurrenz zueinander bringt. Künftig nur noch bestehende KWK-Anlagen zu fördern, wie es auf politischer Ebene erwogen wird, hält er für falsch. „Neue Anlagen brauchen weiter einen Anreiz“, fordert der BEA-Chef.

Günstiger Eigenstrom für das Krankenhaus

Das neue, „Beate“ getaufte Krankenhaus-Blockheizkraftwerk, bei dem die BEA sozusagen als Geburtshelferin und Namenspatin fungierte, ersetzt eine alte mit Öl gefeuerte Kesselanlage, in der die Klinik bislang nur Wärme erzeugte. Das BHKW (Typ SES-HPC 600 N vom Berliner Hersteller SES Energiesysteme) wird mit Erdgas betrieben und leistet 600 kW elektrisch und 654 kW thermisch.

Die Anlage soll pro Jahr rund 2,5 Mio. kWh Strom produzieren und damit etwa 45 Prozent des Bedarfs im St. Joseph Krankenhaus decken. Der Rest des benötigten Stroms kommt aus dem Netz. Angebunden ist die Klinik über einen Netzanschluss auf der Mittelspannungsebene, was günstige Strompriese ermöglicht.

Die Wärme aus dem BHKW deckt den Bedarf der Klinik zu etwa 55 Prozent. Das reicht aus, um die Grundlast für Heizung und Warmwasser in den Gebäuden abzudecken. Die erforderliche Restwärme liefern zwei Spitzenlastkessel, die die BEA von Öl- auf Erdgasbetrieb umgestellt hat. Dabei wurde die gesamte Wärmeversorgung optimiert. Erdgaslieferant ist die Gasag.

Zentraler Beweggrund für die Umrüstung der Energieversorgung war der wirtschaftliche Vorteil, der dem Krankenhaus mehr finanziellen Spielraum für anstehende Modernisierungen verschafft, wie SJK-Geschäftsführer Tobias Dreißigacker erklärte. Das neue BHKW reduziert die Energiekosten für das 485-Betten-Haus um rund 23 Prozent oder 350 000 Euro pro Jahr. Die Berliner Energieagentur, die dafür rund 900 000 Euro investierte, wird die Anlage über einen Zeitraum von 13 Jahren betreiben.

Gekoppelte Erzeugung verringert Treibhausgasemissionen

Grundlage dieser Dienstleistung ist jedoch nicht ein klassischer Contractingvertrag, sondern ein Technikprovidervertrag, wie ihn Geißler nennt. Hauptvorteil dieser Lösung: Sie ermöglicht der Klinik die kostengünstige Eigenerzeugung und -nutzung des Stroms. Weil das BHKW noch unter den Bedingungen des alten Erneuerbare-Energien-Gesetzes errichtet wurde, wird auch keine EEG-Umlage für den selbst verbrauchten Strom fällig. Die BEA ist für den effizienten Betrieb der Anlage verantwortlich. Dieser ist stromgeführt auf mindestens 5 200 Volllaststunden ausgelegt, wie Geißler erläuterte.

Die neue KWK-Anlage bringt jedoch nicht nur finanzielle Vorteile, sie hilft auch beim Klimaschutz. Nach Angaben der BEA verringert die gekoppelte Erzeugung von Strom und Wärme den CO2-Ausstoß der Klinik gegenüber der bisherigen Situation um 1 000 t pro Jahr. Allein die Brennstoffumstellung von Öl auf Gas trägt zu dieser CO2-Reduzierung etwa zwei Drittel bei. SJK-Geschäftsführer Dreißigacker sprach von einem „signifikanten Beitrag zum Umweltschutz“.

Für BEA-Chef Geißler beweist das St. Joseph Krankenhaus einmal mehr, „dass es für dezentrale Energieversorgungslösungen und damit für erhebliche Energie- und Kosteneinsparungen noch viele ungenutzte Potenziale gibt – gerade in einer Metropole wie Berlin.“ Er ist der Auffassung, dass man bis 2020 fast 2 000 BHKW in der Hauptstadt bauen könnte. Bis heute sind es etwa 800, davon betreibt die BEA 68.
 

Peter Focht
Redakteur
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Dienstag, 27.01.2015, 15:24 Uhr

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