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EFFIZIENZ:
"Bürger müssen Akteure der Energiewende werden"
Energieeffizienz-Netzwerke setzen nicht nur Effizienz- und Ressourcenschutzprojekte um. Sie leisten mit ihrer Arbeit vor Ort auch einen wesentlichen Beitrag für mehr Akzeptanz.  
 
„Die Energieeffizienz-Netzwerke bringen die Energiewende in die Kommunen und in den vergangenen Jahren sind daraus hervorragende Projekte entstanden“, sagte Andrea Klug, Präsidentin der Ostbayerischen Technischen Hochschule, bei der Eröffnung der dritten „bayernweiten Netzwerkkonferenz“.

Vertreter von Unternehmen und Kommunen aus Bayern, die sich in Energieeffizienz-Netzwerken engagieren, haben sich am 15. Juli zur Netzwerkkonferenz getroffen – teils real an der OTH Amberg-Weiden (Oberpfalz) sowie virtuell. Mehr als 200 Teilnehmer haben an dem Austausch teilgenommen.

Die Frage, wie die Kommunen die Bürger bei Projekten mitnehmen können, war an dem Tag eines der wesentlichen Themen, die die Teilnehmer bei ihrer Klimaschutzarbeit vor Ort umtreiben. Denn gerade kommunale Projekte – auch wenn sie aus einem kommunalen Energieeffizienz-Netzwerk heraus umgesetzt werden – brauchen letztendlich die Akzeptanz der Bevölkerung. Ob es sich nun um eine neue Klärschlammverwertungsanlage handelt, um den Bau eines Wärmenetzes oder um Freiflächensolar- oder Windkraftanlagen. Projekte müssen die Akzeptanz der Bevölkerung genießen - sonst scheitern sie daran. Das wurde bei einer Podiumsdiskussion mit Bürgermeistern und Landräten, die sich in Energieeffizienz-Netzwerken engagieren, deutlich.

„Wir müssen die Menschen als Akteure mit einbinden“, sagte etwa Franz Löffler. Die Energiewende gelinge nur mit den Menschen. Dazu gehöre es auch, dass man der Bevölkerung das nötige Wissen vermittele, um Vertrauen zu schaffen. Zudem zeigte sich der Chamer Bezirkstagspräsident überzeugt, dass Bürgerbeteiligungen etwa über Energiegenossenschaften ein Schlüssel zum Erfolg sein können. „Die Akzeptanz ist wesentlich höher, wenn sich die Leute vor Ort als Akteure beweisen können“, so Löffler. Das erlebe er vor Ort immer wieder. Auch andere Netzwerkteilnehmer stimmten in diesem Punkt zu.

Für Robert Ilg, dem ersten Bürgermeister von Hersbruck, gehört zum Vertrauen außerdem, als Kommune immer mit gutem Beispiel voranzugehen. In Hersbruck entstand beispielsweise das Wärmekraftwerk Bürgerbräu - ein Nahwärmenetz mit einer Heizzentrale; parallel dazu wurde ein Arealstromnetz aufgebaut. Die Energiezentrale für das Nahwärmenetz steht mitten in der kleinen mittelfränkischen Stadt auf dem Gelände des Bürgerbräus, das auch einer der größten Abnehmer ist. Mit angeschlossen wurden auch öffentliche Liegenschaften wie das Rathaus.
 
Teilnehmer der Netzwerkkonferenz in Amberg (von lins nach rechts): Joachim Haller (1. Bürgermeister Markt Bodenmais), Cristina Pop (Werkleitung SER Straubing), Norbert Zösch (Stadtwerk Haßfurt GmbH), Dieter Möhring (1. Bürgermeister Gemeinde Aidausen), Prof. Dr. Raphael Lechner (Geschäftsführer des KoKWK), Prof. Dr.-Ing. Makrus Brautsch (Institutsleiter IfE), Andreas Meier (Landrat Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab), Robert Ilg (1. Bürgermeister Stadt Hersbruck), Albert Füracker (MdL, Staatsminister der Finanzen und für Heimat), Johannes Edmüller (Geschäftsführer der Schlagmann Poroton GmbH & Co. KG), Josef Beyer (IfE), Bernhard Schmidhammer (Technischer Leiter Schlagmann Poroton), Prof. Dr. Andrea Klug (Präsidentin der OTH Amberg-Weiden), Rainer Wagner, Betriebsleiter des Energieverbunds der Stadt Freilassing, Thomas Söder (1. Bürgermeister Stadt Hallstadt)
Quelle: Sandra Schecklmann

Albert Füracker, Schirmherr der Veranstaltung und Bayerns Finanzminister, lobte bei seiner Rede das Engagement der Netzwerke und der OTH Amberg. Klima- und Ressourcenschutz seien für ihn „Herzblut-Themen“. Die vielen Netzwerke schafften Synergieeffekte und leisteten so einen erheblichen Beitrag zum Klimaschutz. „Zielsetzung muss es sein, weniger fossile Rohstoffe zu verbrauchen und weniger CO2-Emissionen auszustoßen.“ Und Deutschland solle hier weltweit „Technologieführer“ werden. Dadurch ließen sich das Wissen und die Technologien im Ausland vermarkten und auch Geld verdienen.

Wie Füracker weiter betonte, habe sich Bayern ambitionierte Ziele gesetzt. So will das Bundesland bereits bis 2040 klimaneutral sein. Im Klimaschutzgesetz wurde das Ziel 2045 angesetzt und damit fünf Jahre später. Hier würden die Netzwerke einen wichtigen Beitrag leisten, da gerade die Effizienzmaßnahmen eine essenzielle Rolle im Klimaschutz spielen.

Die Initiative Energieeffizienz-Netzwerke wurde im Dezember 2014 auf Bundesebene ins Leben gerufen. Bis heute wurden im Rahmen der Initiative 285 Netzwerke gegründet. Bis zu 350 Netzwerke sollen bis Ende 2025 etwa 6 Mio. Tonnen Treibhausgasemissionen einsparen. Dazu tragen auch die mehr als 20 Netzwerke bei, die in den vergangenen Jahren mithilfe des Instituts für Energietechnik IfE GmbH an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Amberg-Weiden entstanden sind.
 

Heidi Roider
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