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Enerige & Management > Veranstaltung - Brüssel genehmigt Förderung kommunaler Wärmenetze
Quelle: Fotolia / Les Cunliffe
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Brüssel genehmigt Förderung kommunaler Wärmenetze
Am 12. und 13. Oktober gibt die Jahrestagung des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien (FVEE) in Berlin einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zur Wärmewende.
 
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler präsentieren im Berliner Umweltforum neue Strategien und Technologien, mit denen sich die Wärmewende technisch, wirtschaftlich und politisch erfolgreich umsetzen lässt. Bei der Eröffnung am 12. Oktober sagte Tagungsleiter Frank Baur, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Zukunftsenergie- und Stoffstromsysteme (Izes): „Die Zeitfenster für den Klimaschutz werden immer enger, zusätzlich erhöhen die verschärften politischen Bedingungen die Dringlichkeit für eine nachhaltige und sozial verträgliche Wärmeversorgung.“

Sein Kollege Michael Nelles, Ordinarius für Stoffstromwirtschaft an der Agrarwissenschaftlichen Fakultät der Universität Rostock, hat Anlass zur Zuversicht: „Das Wissen für die jetzt notwendigen Schritte steht bereit.“ Die Wärmewende könne zeitnah umgesetzt werden, so dass Klimaschutz und Versorgungssicherheit gewährleistet werden, sagte Nelles.

Serielles Sanieren entwickeln und umsetzen

In seinem Grußwort sagte Energie-Staatssekretär Patrick Graichen, es gelte, die Energiewende zu beschleunigen als Ausweg aus der Versorgungs-, Preis- und Klimakrise der fossilen Energieträger. Besonders im Wärmebereich müsse die Effizienz gesteigert werden. Dies könne durch Serielles Sanieren geschehen, um wenigstens 2 % Sanierungsrate zu erreichen.

Die mangelnde energetische Ertüchtigung sei aber kein Argument gegen den Einsatz von Wärmepumpen, sagte Graichen: „Auch in Schweden und Norwegen, wo viel mit Wärmepumpen geheizt wird, sind nicht alle Häuser saniert.“

Zum Fachkräftemangel in der Baubranche sagte er, es werde oft noch wie vor 50 Jahren gearbeitet. Hier müsse mit Digitalisierung und seriellen Lösungen für Beschleunigung gesorgt werden, forderte Graichen. In seinem Innovations-Förderaufruf von dieser Woche setze das Ministerium darauf, solche Lösungen zu entwickeln und zu verbreiten. Ordnungsrechtlich werde auch die Fernwärme irgendwann reguliert werden müssen, um die Klimaschutzziele zu erreichen.

Politik setzt auf kommunale Wärmenetze

Die Förderung kommunaler Wärmenetze sei jetzt von der EU in Brüssel genehmigt worden, begrüßte der Staatssekretär. Viel Forschungsarbeit sei hierfür nötig, weil Wärmenetze nur auf Basis erneuerbarer Anlagen ein kompliziertes System werden, mit verschiedenen Quellen und Abnehmern. Vielfältige Quellen statt einer Lösung seien die Zukunft. „Hier ist der Quantensprung nach vorn nötig und ein Neudenken der gewohnten Prozesse“, sagte Graichen. Daher werde sein Ministerium in Kürze auch die Geothermie stärker fördern.

„Es kann nicht sein, dass wir darauf warten, dass einzelne Stadtwerke hier ein Geschäftsmodell entdecken, wenn wir bis 2045 klimaneutral werden wollen“, sagte der Staatssekretär. Daher sollten Kommunen ihre Wärmeplanung und die Umsetzung auch ausschreiben und anderweitig vergeben können. 50 % klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2030 seien enorm herausfordernd vor allem vor dem Hintergrund der wegfallenden Erdgaslieferungen aus Russland. Das bedeute viel Arbeit, aber: „Das ist die Aufgabe unserer Generation, ich danke Ihnen, dass Sie dabei sind“, schloss Graichen.
 
Patrick Graichen (BMWK) und Ophelia Nick (BMEL) auf der Wärmewende-Tagung des FVEE 2022
Quelle: FVEE

Beitrag der Biomasse möglich

Von 2024 an müssen neue Heizungen zu 65 % erneuerbare Energie nutzen, so ein Gesetzentwurf. Ophelia Nick (Grüne), Parlamentarische Staatssekretärin beim Landwirtschaftsministerium (BMEL), sagte, Biomasse könne dafür nur einen kleinen Beitrag leisten, weil andere Flächennutzungen Vorrang haben. Es werde bei Reststoffen bleiben, um nicht neue Probleme zu schaffen. „Wir haben in den letzten Jahrzehnten die Fläche von Schleswig-Holstein versiegelt für Gebäude und Straßen, das müssen wir reduzieren, sonst reichen die Flächen nicht für Teller, Tank und Trog, geschweige denn für Energierohstoffe“, mahnte Nick.

Die EU werde von 2030 an Holz als Brennstoff nicht mehr fördern, um die Klimagas-Senken der Wälder zu fördern. Nick umriss die Aufgabe so: „Wir brauchen eine mehrfache Kaskadennutzung der Biomasse, zum Beispiel als Nahrungsmittel zum Futtermittel, zur Gülle und dann als letztes erst für die energetische Nutzung.“

Biomassenutzung dürfe nicht länger die Klimaerwärmung verschärfen, das sei das Ziel der neuen Biomasseverordnung. Langfristig verlässliche Rahmenbedingungen sollten eine klima- und naturverträgliche Entwicklung von Land-, Forst- und Bioenergiewirtschaft befördern. Die aktuelle Krise solle, so Nick, den „Schubs“ geben in eine effizientere und nachhaltigere Zukunft.

Lösungsbeiträge der Vortragsteams zur Wärmewende  stehen als PDF zum Download bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Mittwoch, 12.10.2022, 17:13 Uhr

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