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Enerige & Management > Unternehmen - Brückmann: "Ich bin Leuten auf die Füße getreten"
Bild: EWE
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Brückmann: "Ich bin Leuten auf die Füße getreten"
Der entlassene EWE-Vorstandschef Matthias Brückmann hat sich in einem Interview zu den Vorwürfen geäußert. Er stellt sich als Opfer eines Konzerns mit verhärteten Strukturen dar.
 
In einem Interview mit dem Handelsblatt vom 24. Februar gibt sich Brückmann zuversichtlich, dass sein Rauswurf bei dem Energieversorger EWE unrechtmäßig sei. Der bisherige Chef des Oldenburger Energieanbieters EWE ist unter anderem über eine Spende von 253 000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko gestürzt, wie E&M berichtete. Nach einer einstimmigen Entscheidung des Aufsichtsrates wurde er mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt und dem Unternehmen entlassen, wie EWE nach der Aufsichtsratssitzung am späten Abend des 22. Februar mitteilte. Die Entscheidung basiert auf dem Bericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Brückmann wird eine „Vielzahl diverser grober Verfehlungen“ angelastet.

Brückmann selbst hält sämtliche Anschuldigungen für schlichtweg falsch, er sei sich keiner einzigen Pflichtverletzung bewusst. „Die Dinge die hier breitgetreten werden, sind normale Geschäftsvorgänge, und zwar eher im kleineren Umfang. Das sind Ausschnitte, die völlig falsch dargestellt werden, um mir einen Strick daraus zu drehen“, betont Brückmann im Handelsblatt-Interview.

Zugleich räumt er Fehler ein. Er habe die Unternehmenskultur des Versorgers falsch eingeschätzt. Brückmann: „Ich war unbequem, habe Leute überfordert. Ich bin Leuten auf die Füße getreten. Ich habe insgesamt das Verharrungsvermögen des Unternehmens, seiner Gremien und der Politik unterschätzt.“ Und weist darauf hin, dass er den Konzern gern weiter vorangebracht hätte. In diesem Zusammenhang sagte er im Interview auch, dass der Konzern die inzwischen öffentlich bekannt gewordenen Korruptionsvorwürfe ernst nimmt: „Ich habe eine umfängliche Untersuchung angeordnet, als sich das noch konnte.“ Der ehemalige Vorstandschef spielt dabei auf die Vorwürfe bei der Netztochter an.

Konzernrevision prüft Korruptionsvorwürfe

Denn parallel muss sich der EWE-Konzern mit Korruptionsvorwürfen bei der EWE Netz GmbH beschäftigen. Zuvor hatte es in den Medien bereits Mutmaßungen gegeben, dass Brückmann nicht über die Spende gestolpert sei, sondern weil er aufklären wollte, ob es Korruptionswirtschaft im Unternehmen gebe. EWE weist diesen Zusammenhang zurück. Brückmann habe weder die Initiative ergriffen, noch die Prüfung angestoßen, sagte ein Konzernsprecher zu E&M.

Der Konzern prüfe gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft KPMG die EWE Netz. Die Vorwürfe will der Versorger „rückhaltlos aufklären“. Die Konzernrevision hat laut dem EWE-Sprecher für die Konzerntochter bereits seit Ende Oktober 2016 eine reguläre Prüfung im Jahr 2017 geplant. „Auslöser hierfür sind Unregelmäßigkeiten mit einem für EWE Netz tätigen Tiefbauunternehmen, die im Spätsommer 2016 zutage getreten sind. Die Zusammenarbeit mit dem Tiefbauunternehmen wurde daraufhin im Oktober 2016 komplett eingestellt“, teilte EWE auf E&M-Nachfrage mit.

Aufgrund kurz darauf eingegangener externer Hinweise auf angebliche weitere Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit anderen Partnerunternehmen von EWE Netz sei die Konzernrevision Anfang Dezember damit beauftragt worden, umfangreicher zu prüfen. Dies geschieht seit Ende Januar mit Unterstützung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG. Wie lange die Auswertung insgesamt dauern werde, sei noch offen. Mit der Personalie Brückmann hat das laut EWE aber nichts zu tun.

Vakante Vorstandsposten sollen zügig neu besetzt werden

Nach der fristlosen Kündigung von Brückmann sind momentan nur zwei der fünf Vorstandsposten besetzt. Im Amt sind derzeit Marktvorstand Michael Heidkamp, der im November 2015 zum Unternehmen stieß, sowie Finanzvorstand Wolfgang Mücher. Zuvor trat im September 2016 Nikolaus Behr (Personal & IT) zurück. Der ausgeschiedene Vorstand war auf Grundlage EWE-interner Ermittlungen beurlaubt worden. Den Unternehmensangaben nach hatte der Personalvorstand die Überwachung eines ehemaligen Angestellten verantwortet, mit dem sich EWE in einem Rechtsstreit befindet. Ines Kolmsee (Technik) schied aus eigenem Wunsch als Vorstandsmitglied Ende 2016 aus.

Die Neubesetzung der offenen Vorstandsposten Technik sowie Personal & IT soll in einer der kommenden Sitzungen erfolgen: „Wir haben ein großes Interesse daran, diese beiden Personalien möglichst kurzfristig zu klären und sind mit zwei Kandidaten weiter im Gespräch“, äußerte sich Stephan-Andreas Kaulvers, Vorsitzender des EWE-Aufsichtsrates.
 

Heidi Roider
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Freitag, 24.02.2017, 14:49 Uhr

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