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CONTRACTING:
Branche erwartet "verhaltenen" Markt trotz immensem Preisdruck
Die Contracting-Unternehmen melden Zuwächse bei den Verträgen sowie den Umsätzen. Sie erwarten für die nächsten Monate allerdings einen „verhaltenen“ Markt.
 
Der Markt für Contracting-Dienstleistungen zeigt sich von der Corona-Pandemie wenig beeinflusst. Daher verzeichnet die Contracting-Branche auch währenddessen ein kontinuierliches Wachstum. Bei der diesjährigen Marktumfrage – die jährlich vom Verband für Energiedienstleistungen, Effizienz und Contracting (Vedec) unter seinen Mitgliedern erhoben wird – befürchten die Befragten allerdings, dass die riesigen Preissprünge und Verwerfungen am Energiemarkt sich negativ auf den Markt auswirken könnten.

Insgesamt zeigte sich der Markt für Contracting-Dienstleistungen bislang robust. Im Jahr 2021 stiegen die Umsätze um 10,9 % auf knapp 4,29 Mrd. Euro. Ein Jahr zuvor lag das Plus bei 4,5 %. Die Anzahl der abgeschlossenen Verträge ist um 11,9 % auf 74.466 gestiegen.
  • 82 % der Verträge fallen unters Energieliefer-Contracting,
  • 10 % unter das Energiespar-Contracting (ESC),
  • und die restlichen 8 % verteilen sich unter verschiedene Modelle.
Das könnte sich ändern: Jedenfalls erwarten Branchenkenner laut der Umfrage eine „verhaltene“ Entwicklung in den nächsten Monaten. Dies sei aber nicht nur auf die gestiegenen Preise und sich daraus ergebene Unsicherheiten zurückzuführen, sagte Vedec-Geschäftsführer Tobias Dworschak am 21. September bei der Präsentation der neuesten Marktanalyse auf dem Jahreskongress des Verbands.

Hohe Preise und wechselnder Rechtsrahmen machen zu schaffen

Auch fehlende Novellen seien große Bremsklötze. Beispiele seien die Verordnung über die Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Fernwärme (AVBFernwärmeV) oder die Wärmelieferversordnung. Hier warte die Branche seit Monaten auf die Umsetzung. Insgesamt seien wechselhafte Rahmenbedienungen problematisch für einen Markt, der meist auf langfristige Verträge setzt.

Lange Lieferzeiten für Material machen ebenfalls Probleme, äußerten Umfrage-Teilnehmende. Die Erhebung habe gezeigt, dass neben dem Preisanstieg der schwierige Rahmen, besonders im Wohngebäude-Bestand, die Durchführung klimafreundlicher Lösungen erschweren, sagte der Vedec-Chef.

Die Kundschaft der Contracting-Dienstleister fragt nach mehr Maßnahmen, um das eigene Unternehmen oder den Gebäudebestand klimaneutral zu bekommen - auch das ein Umfrageergebnis. Konkret werden vor allem Möglichkeiten erfragt, um weniger abhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Auch Themen wie klimaneutrale Wärme, die Installation von PV-Anlagen und Ladesäulen sowie Beratungen zu CO2-Vermeidungsstrategien sehen die Kundinnen und Kunden für wichtig an und fragen bei Contracting-Unternehmen nach.

Was bei dieser Analyse wieder zum Vorschein gekommen ist: Immer noch scheint der Informationsbedarf groß zu sein. Was Contracting ist und welche Vorteile sich daraus ergeben, scheint vor allem Kommunen sowie der Politik noch immer nicht klar zu sein. Hier müsse die Branche noch mehr Aufklärungs- und Informationsarbeit leisten, so Dworschak.

Kommunen könnten von Contracting besonders profitieren

Kommunen könnten im besonderen Maße von Contracting-Modellen profitieren, das Einsparpotenzial in ihren Liegenschaften sei riesig, sagte zum Beispiel Ursel Weißleder, Senior-Expertin der Deutschen Energie-Agentur (Dena). Sie stellte das Modellvorhaben „Co2ntracting: build the future!“ vor. Zwölf kommunale Modellprojekte werden hier mittlerweile über die Dena begleitet und beraten, um in einem ESC ihre Liegenschaften zu sanieren. Rund 100 könnte die Dena schaffen. Es sei also noch viel Luft nach oben, sagte Weißleder.

Aber auch hier gibt es laut der Expertin einige Hemmnisse abzubauen, wie zum Beispiel, dass das Vergaberecht mit dem Verwaltungsrecht kollidiere, oder auch der Flickenteppich auf Länderebene bei den Förderungen. Auch die langen Abstimmungs- und Entscheidungswege in den Rathäusern seien ein Problem. Hinzu komme derzeit, dass aufgrund der Preisexplosionen viele Planungen regelrecht kollabieren.

Die Expertin der Dena empfiehlt daher, Wissen lokal zu bündeln. Was teilweise mit Kompetenzzentren bereits geschieht. Aber es brauche auch mehr Anreize und verbindliche Zielvorgaben für Kommunen. Auch Weißleder sieht noch viel Informationsbedarf: „Energiesparcontracting ist sinnvoll, aber immer noch wenig bekannt.“ Contractoren würden das notwendige Know-how für eine hocheffiziente Umsetzung mitbringen und damit zugleich das knappe kommunale Personal sowie die vielerorts klammen Kassen entlasten.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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