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Enerige & Management > Stromnetz - Booster soll mehr Leistung in die Leitung bringen
Aus hunderten Batterieeinheiten besteht der in Kupferzell geplante Netzbooster Visualisierung: Transnet BW
STROMNETZ:
Booster soll mehr Leistung in die Leitung bringen
Der Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW ist seinem Plan, in Baden-Württemberg einen 250-MW-Netzbooster zu bauen, näher gekommen. Er soll mehr Übertragungsleistung ermöglichen.
 
Nachdem das Oberlandesgericht Düsseldorf den Antrag der Gemeinde Kupferzell, das Projekt aus dem Netzentwicklungsplan herauszunehmen, abgewiesen hatte, will die Kommune auch auf weitere Rechtsmittel verzichten. Als Begründung erklärte Bürgermeister Christoph Spieles gegenüber der Heilbronner Stimme, ein Rechtsexperte hätte erklärt, es sei nicht zu erwarten, dass höhere Instanzen anders entscheiden würden. Gleichzeitig kündigte er an, die Netzstabilisierungsanlage in Zusammenarbeit mit Bürgern, Rat und Transnet weiter kritisch zu begleiten. Bei einer öffentlichen Tagung soll es demnächst um Standortvarianten gehen.

Schon kurz nach der Bekanntgabe der Pläne zum Bau des riesigen Batteriespeichers, hatte sich eine Bürgerinitiative gegen das Projekt formiert und vor allem massive Bedenken wegen eventueller Brand- und Explosionsgefahren ins Feld geführt, die in der Vermutung gipfelten, es könne zu einer ähnlichen Katastrophe kommen wie 2020 im Hafen von Beirut.

Das Vorhaben Netzbooster in Kupferzell ist von der Bundesnetzagentur im Dezember 2019 bestätigt worden. Allerdings in abgespeckter Form: Ursprünglich waren 500 MW vorgesehen. Die Anlage soll knapp 200 Mio. Euro kosten und dazu beitragen, die Stromübertragung auf den 380-kV-Leitungen zu erhöhen. Bisher lasten die Netzbetreiber ihre Trassen nur teilweise aus. Und zwar so, dass beim Ausfall einer Leitung diese Energie beispielsweise auf zwei andere verteilt werden kann. Das führt allerdings dazu, dass die Netze im Normalfall nicht die Strommenge transportieren, die eigentlich möglich wäre, weil sozusagen immer Platz für den Notfall frei gehalten wird.

Entlastung für den Stromverbraucher

Der Netzbooster, so das Konzept, könnte bei einer Störung die fehlende Energie am anderen Ende kurzfristig zur Verfügung stellen, bis Gegenmaßnahmen getroffen sind, zum Beispiel durch Zuschalten von Kraftwerken. Damit könnte man auf die Leitungsreserve verzichten. Es gibt Berechnungen der Bundesnetzagentur, dass sich so pro Jahr 15 Mio. Euro an Redispatchkosten sparen lassen, was direkt den Verbrauchern zugutekommen würde. (Siehe Kasten)

Konkret geht es bei dem Projekt in Kupferzell um eine 380-kV-Trasse, die aus Grafenrheinfeld bei Schweinfurt (Bayern) Strom aus dem Norden nach Süden bringt. Sie ist schon heute stark gefordert, vor allem durch Windenergie, die in den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird. Die Leitungen könnten mit dem Booster, der bei Störungen sozusagen als Airbag dienen kann, höher ausgelastet werden und letztlich auch dafür sorgen, dass kein zusätzlicher Netzausbau notwendig ist.

Zum Stand des Genehmigungsverfahrens teilte Transnet auf Anfrage der Redaktion mit, man sei aktuell dabei, die Antragsunterlagen für die Planfeststellung auszuarbeiten. Im kommenden Jahr sollen sie bei der Genehmigungsbehörde eingereicht werden, die sie dann prüft. Danach kann die formale Öffentlichkeitsbeteiligung beginnen. Transnet rechnet damit frühestens Ende 2022. Nach dem Planfeststellungsbeschluss soll mit dem Bau begonnen werden. Dafür ist das Jahr 2024 vorgesehen, der Probebetrieb könnte 2025 starten.

1,4 Milliarden Euro für Redispatch

Redispatchmaßnahmen werden bei Engpässen im Stromnetz nötig. Sie entstehen, wenn zum Beispiel im Norden der Republik viel Windenergie erzeugt und im Süden viel Strom verbraucht wird. Dafür sind die Netze (noch) nicht ausreichend ausgebaut. Um eine Überlastung der Leitungen zu vermeiden, muss dann Erzeugungsleistung vor dem Engpass vermindert und gleichzeitig Erzeugungsleistung hinter dem Engpass erhöht werden. Was in der Praxis bedeutet, dass erneuerbare Energie im Norden abgeregelt wird und im Süden Kraftwerke angeworfen werden. Falls die am Markt agierenden Kraftwerke dafür nicht ausreichen, dürfen auch die Reservekraftwerke ran. Für den Ausfall auf der einen und den Aufwand auf der anderen Seite, müssen sowohl die Windmüller als auch die Kraftwerksbetreiber entschädigt werden. Im Jahr 2020 schlug das mit 1,4 Mrd. Euro zu Buche. Der Betrag wird auf die Verbraucher umgelegt. Neue Nord-Süd-Leitungen oder das Bereithalten von Netzboostern würden die Redispatchkosten reduzieren.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Montag, 25.10.2021, 08:43 Uhr

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