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Enerige & Management > Kohlekraftwerk - Blockade bei Vattenfall
Bild: Vattenfall
KOHLEKRAFTWERK:
Blockade bei Vattenfall
Braunkohlegegner blockierten am Wochenende die Kohlezufuhr und legten damit zwei Blöcke des Vattenfall-Kraftwerks Schwarze Pumpe lahm. Für den Ausgleich sorgten Wind- und Solarstrom.
 
Die Warnungen von Vattenfall im Vorfeld der Aktion hatten nichts genützt: Von Pfingstsamstag bis Pfingstsonntag (14./15. Mai) blockierten Aktivisten des Protestbündnisses „Ende Gelände“ die Geleise, auf denen die Braunkohle aus dem Vattenfall-Tagebau Welzow-Süd in Brandenburg in das Kraftwerk Schwarze Pumpe transportiert wird. Zwei der drei Blöcke mussten daraufhin mangels Rohstoff abgeschaltet werden, laut den Angaben fielen dadurch 1 600 MW aus. Nach Angaben des Aktionsbündnisses lieferte das Kraftwerk während der Blockade nur noch 20 % seiner Kapazität.

Für die Braunkohlegegner ein Erfolg, für Vattenfall „ein Eingriff in die deutsche Energieversorgung“, weshalb das Unternehmen Anzeige erstattet hat. „Es war nur ein Glücksfall, dass Wind und Sonne die fehlende Kapazität des Kraftwerks Schwarze Pumpe aufgefangen haben“, sagte Konzernsprecher Toralf Schirmer der Deutschen Presseagentur. „Wenn es windstill gewesen wäre, hätte die Situation kritisch werden können.“ 

Vattenfall sieht gewaltsamen Eingriff

Vattenfall wirft den Aktivisten Nötigung und Gewalt vor. Das Bündnis habe radikale Aktivisten angelockt und die „Büchse der Pandora“ geöffnet. Hunderte Braunkohlegegner hatten Teile des Zauns des Kraftwerks Schwarze Pumpe niedergerissen. Die Polizei nahm 130 Menschen fest. Demgegenüber sehen die Braunkohlegegner ihren Protest als berechtigt an: „Die Büchse, die wir geöffnet haben, ist die Debatte über Kohle“, betont „Ende Gelände“-Sprecherin Hannah Eichberger. Die Aktion in der Lausitz war Teil eines weltweiten Aktionstages: Auch in Brasilien, Großbritannien, Australien und der Türkei blockierten Anti-Kohle-Initiativen die Kohleindustrie, um auf die Notwendigkeit des Kohleausstiegs für die Begrenzung der Erderwärmung hinzuweisen.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber sprach von „illegalen Aktionen in Form einer anmaßenden Form von Selbstjustiz“. Ministerpräsident Dietmar Woidke kritisierte, die Besetzer hätten die Stromversorgung für viele tausend Menschen gefährdet. Viele Bewohner der Lausitz sehen ihre wirtschaftliche Existenz durch einen möglichen Braunkohle-Ausstieg gefährdet, was sie am 14. Mai abends durch eine spontane Gegendemonstration mit nach Polizeiangaben rund 2 000 Teilnehmern dokumentierten.

Oppositionspolitiker fordern sozial abgefederten Braunkohle-Ausstieg

Die Grünen-Bundesvorsitzende Simone Peter erneuerte die Forderung nach einem Ausstiegsplan, der den Sorgen der Menschen in der Braunkohleregion Rechnung trägt. „Wir wollen den Kohleausstieg so organisieren, dass die Arbeitnehmer hier in einem verantwortlichen Strukturwandel mitgenommen werden“, so Peter. "Bis spätestens 2035, 2040 muss der Kohleausstieg organisiert sein, aber er muss erst einmal eingeleitet werden“, erklärte sie mit Blick auf den Klimaschutz. Ähnlich äußerte sich die Linken-Umweltpolitikerin Eva Bullling-Schröter. „Für die Erfüllung des Pariser Klimaabkommens und das Erreichen der deutschen Klimaschutzziele müssen Kohletagebaue und Kohlemeiler bis spätestens 2035 der Vergangenheit angehören. (…) Der Bund muss Mittel für einen Strukturfonds zur Verfügung stellen, damit in den betroffenen Regionen neue zukunftssichere Arbeitsplätze geschaffen werden können."

Begonnen hatten die Proteste in der Lausitz am 13. Mai, da hatten mehr als 1 600 Aktivisten den Tagebau Welzow-Süd besetzt. Die Aktion wurde am Pfingstsonntagnachmittag für beendet erklärt. In der Nacht zu Pfingstmontag drangen noch vereinzelt Aktivisten in den Tagebau ein, am Vormittag waren laut Vattenfall aber keine Kohlegegner mehr auf dem Gelände. Vattenfall wollte die Geräte und technischen Anlagen auf Beschädigungen und Funktionalität prüfen und schnellstmöglich notwendige Reparaturen vornehmen. Ziel sei, den Tagebau Welzow-Süd so bald wie möglich wieder vollständig in Betrieb nehmen zu können, hieß es dazu.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 17.05.2016, 12:57 Uhr

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