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Enerige & Management > Politik - "Biomethan muss im KWKG bleiben"
Quelle: Shutterstock / nitpicker
POLITIK:
"Biomethan muss im KWKG bleiben"
Mehrere Verbände appellieren in einem Schreiben an die Politik, die Streichung der Biomethanförderung aus dem KWKG nicht umzusetzen. Dies schade der Energiewende.
 
"Biomethan muss im KWKG bleiben", steht auf einem Schreiben, das mehrere Verbände − darunter der DVGW, Zukunft Gas, Deneff, der AGFW sowie der B.KWK − am 20. April an Politikerinnen und Politiker versandt haben, um nochmals für einen Erhalt der Biomethanförderung im Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) zu plädieren. Das Schreiben liegt der Redaktion vor.

Die Bundesregierung plant, Biomethan künftig nur noch in hochflexiblen Spitzenlastkraftwerken durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) fördern zu lassen. Es soll aus dem Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) als förderwürdiger Brennstoff gestrichen werden. So ist es derzeit im Osterpaket geplant. Mit dem Entwurf verschiebt sich die Biomethanvergütung damit vom KWKG ins EEG, also weg von der Wärme hin zur Ökostromerzeugung. Verbände kritisieren dies scharf. Auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) setzt sich dafür ein, dass Biomethan auch künftig als erneuerbarer Brennstoff weiterhin im KWKG förderfähig sein soll. Auch der Vedec sowie die Bioenergieverbände sprechen sich für eine Beibehaltung aus.

Die Bioenergieverbände fürchten, dass mit der vorgeschlagenen einseitigen Fokussierung der Vergütung auf Biomethan-Spitzenlastkraftwerke der bestehende Park an dezentralen Holzheizkraftwerken und flexiblen Biogasanlagen sowie deren erneuerbare Nah- und Fernwärmeversorgung auf dem Spiel stehen. Für die Grundlastdeckung in grünen Quartierskonzepten sei dieser Energieträger unerlässlich, so Claus-Heinrich Stahl, Präsident des Bundesverbandes Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK): "In Quartieren und Kommunen sorgt die KWK vor allem im Winter zuverlässig für klimaneutrale Wärme aus Biomethan." Die Verwendung von Biomethan für die rein stromorientierte Anlagenfahrweise im EEG bedeute eine massive Einschränkung der Technologieneutralität.

Die aktuellen Ausschreibungsergebnisse der Biomasseanlagen sieht der B.KWK gar als Warnung. Bei einem ausgeschriebenen Volumen von circa 275 MW wurden kürzlich lediglich 56 Gebote mit der Menge von knapp 68 MW bezuschlagt. Ein gewichtiger Grund hierfür dürften nach Ansicht vom B.KWK die Gebote sein, die aufgrund knapper Biomethan-Ressourcen zurückgezogen wurden. Enorm volatile Preise beim derzeitigen Biomethan-Bezug werden für Anlagenbetreiber ebenfalls gegen die Teilnahme an der EEG-Ausschreibung gesprochen haben.

Biomethanbetriebene Anlagen werden im EEG mit Biomethan aus Deutschland aus nachwachsenden Rohstoffen betrieben, so der KWK-Branchenverband weiter. Abfall- und Reststoff-Biomethan aus dem Europäischen Wirtschaftsraum für Anlagen, die nach KWKG gefördert werden, verspricht diese Bremse der Strom- und Wärmedekarbonisierung zu lösen. "Doch will sich die Bundesregierung mit der Streichung des Biomethans aus dem KWKG diesen Ausweg jetzt selbst versperren, obwohl es zentralen Forderungen aus dem Koalitionsvertrag widerspricht", kritisiert der B.KWK.

Wärmenetzausbau könnte zum Erliegen kommen

Die Entfernung von Biomethan aus dem KWKG werde so weder den dezentralen Ausbau erneuerbarer Energien stärken noch werde dies dazu beitragen, eine Wärmeversorgung zu erreichen, die bis 2030 zur Hälfte klimaneutral erzeugt werden soll. Insbesondere der nötige Wärmenetzausbau in Ballungszentren würde zum Erliegen kommen, da ein hoher Anteil an erneuerbarer Wärme ohne Biomethan nicht machbar sei. Für Solarthermie etwa seien oftmals die dafür notwendigen Flächen schlichtweg nicht verfügbar. KWK-Anlagen, die mit Biomethan betrieben werden, würden nicht nur eine CO2-verminderte Wärmeversorgung sichern, sondern auch das "wertvolle Biomethan in Form von Ladestrom in den Verkehr" bringen, schreiben die Verbände.

Mit Biomethan betriebene KWK-Anlagen helfen, die Dekarbonisierungs-Ziele zügig zu erreichen, so die Verbände. Denn sie stehen für eine CO2-arme Wärmeversorgung in städtischen Quartieren und ländlichen Kommunen und sorgen für Stabilität auf Verteilernetzebene in Versorgungsschwerpunkten von Städten und Gemeinden. Wind- und Solarstrom wird das zukünftige Netz mit einem Mehr an Wärmepumpen und Ladestationen nicht robust halten können. Der Ausbau dezentraler Kraftwerksleistung durch das KWKG wird somit noch bedeutsamer.

Die erste Lesung des Osterpakets im Bundestag soll Mitte Mai erfolgen, die Verabschiedung ist für Ende Juni angedacht.

Einen ausführlichen Bericht zum Osterpaket finden Interessierte ebenfalls in der nächsten Printausgabe von Energie & Management, die am 1. Mai erscheint.
 

Heidi Roider
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