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Enerige & Management > Biogas - Biomethan erstmals wirtschaftlich
Quelle: Fotolia / Stephan Leyk
BIOGAS:
Biomethan erstmals wirtschaftlich
Die deutsche Biogaswirtschaft schrumpft laut einigen Indikatoren. Andere stimmen sie optimistisch. Besonders die Energiepreisrallye hat Biomethan sogar konkurrenzfähig gemacht.
 
Die deutsche Biogasbranche bleibt nach etlichen Indikatoren in diesem Jahr in ihrer seit neun Jahren anhaltenden Stagnation, einige andere zeigen ein schwaches Wachstum auf. Doch der Fachverband (FV) Biogas, der am 14. Oktober die Branchenstatistik für 2020 und die Prognose für das laufende Jahr veröffentlichte, fordert anstatt der bisherigen bundespolitischen Bestandsgarantie eine größere Rolle des grundlastfähigen und speicherbaren Energieträgers bei der Dekarbonisierung von Strom-, Wärme-, Kraftstoff- und Düngermarkt.

"Wir bieten dem deutschen Energiemarkt ein Potenzial von 300 Mrd. kWh (pro Jahr) an", erklärte FV-Präsident Horst Seide vor der Presse. "Fossiles Erdgas kommt derzeit auf 900 Mrd. kWh, das heißt, BIogas könnte ein Drittel des konventionellen Erdgases ersetzen." Die Anlagen vermieden gegenüber fossilen Energieträgern jährlich 20 Mio. Tonnen CO2.

Kraftstoff: "Diese Situation hat es noch nicht gegeben"

Allein im Kraftstoffbereich geben die 241 Biomethananlagen - sechs mehr als 2020 - mit Rohbiogas, das zu Erdgasqualität aufbereitet wird, ins Gasnetz 1 Mrd. kWh im Jahr ab. "Dieser Markt wächst stark", sagte Seide. Sein Potenzial liege allein bei 70 Mrd. kWh. Fossiles Erdgas sei seit September im Großhandel im Zuge seiner Preisrallye erstmals teurer als Biomethan für Pkw (Bio-CNG) oder Lkw (Bio-LNG) oder aber zum Heizen: "Diese Situation hat es noch nicht gegeben. Wir haben fast schon das Preisniveau von 100 Euro pro Megawattstunde erreicht, das eine Langfriststudie für das Bundeswirtschaftsministerium erst für 2050 vorhersah. Darauf kann es nur eine Antwort geben: grüne Gase." Die Rallye werde zwar "sicherlich" nicht von Dauer sein, aber: "Eine Veränderung des Preisniveaus nach oben werden wir sehen. Das ist sinnvoll und richtig", so der Präsident. Die Übermengen an Biomethan, die die Branche mit einem Tiefpunkt vor zwei Jahren mangels Nachfrage vor sich hergeschoben habe, weil die 25 %-Übertragquote im Gasnetz bereits erreicht war, habe sich seither komplett abgebaut.

Biogas-Strom als Preisdrücker

Der Schwerpunkt der Biogaswirtschaft liegt nach wie vor in der Strom- und Wärmeproduktion. 2020 kamen brutto knapp 100 Rohbiogasanlagen dazu und erhöhten die elektrische Gesamtleistung der dann 9632 Anlagen von 5.288 auf 5.666 MW. In der jüngsten Biogasanlagen-Ausschreibung vom 1. September gab es im mengengewichteten Durchschnitt Zuschläge für 17,48 Cent pro kWh. "Die Flexibilität der Stromerzeugung aus Biomasse lohnt sich jetzt. Der Markt fragt sie nach", sagte Horst Seide. 

Für dieses Jahr prognostiziert der FV einen ähnlich minimalen Anlagen-Zuwachs und 121 MWel mehr. Die tatsächliche elektrische Leistung verharrt seit 2018 auf knapp 3.800 MW, die erzeugte Strommenge bleibt bei jährlich gut 33 Mrd. kWh.
 
Biogas in Deutschland
 
  2020 2021 (Prognose)
Rohbiogas-Anlagen 9.632 9692
Biomethan-Anlagen 235 241
installierte elektrische Leistung in MW 5.666 5.787
Zubau relevant für Stromnetz in MWel (ohne Stilllegung) 10 9
Zubau durch "Überbauung" in MWel (ohne Stilllegung) 381 124
Stromproduktion brutto in Mrd. kWh 33 33
Stromversorgte Haushalte in Mio. 9,5 9,5
Wärmeversorgte Haushalte in Mio. (theoretisch) 1,1 1,1
CO2-Einsparung in Mio. t 20 20
Branchenumsatz 9,7 9,0
Arbeitsplätze 46.000 46.000

Mais unter einer Million

Ungeachtet der vielgescholtenen "Vermaisung" der Landschaft ist die Anbaufläche von Energiemais erstmals, wenn auch knapp, unter 1 Mio. Hektar gerutscht. Grassilage als Substrat mit dem zweitgrößten Flächenbedarf kommt auf 139.000 Hektar, insgesamt sind es knapp 1,4 Mio. Hektar, was gut 25 Mal der Fläche des Bodensees entspricht. Der Zuwachs finde 2021 "fast ausschließlich bei den Güllekleinanlagen" statt, so Seide. Gülle und Mist hätten ein Potenzial von 20 bis 25 Mrd. kWh, das man gerade beginne, zu heben.

Der gegenlaufende Schwund an Anlagen lasse sich im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur nicht genau ermitteln, der FV schätzt ihn aber auf 30 im vergangenen und gut 40 im laufenden Jahr. Die Gründe dafür, so FV-Hauptgeschäftsführer Claudius da Costa Gomez, seien neben dem Auslaufen der Erneuerbaren-Förderung individuell. Es könne sich unter anderem um die Aufgabe von Bauernhöfen mangels Nachfolger handeln.

An Wärme wurden 41 Mrd. kWh produziert. Nach Abzug des Eigenverbrauchs waren 30 Mrd. kWh theoretisch verfügbar. Vermarktet wurden davon 44 Prozent oder 12,7 Mrd. kWh, der Rest war Abwärme.

​Forderungen an Berlin und Brüssel

Regulatorisch fordert der FV Biogas von der neuen Bundesregierung, "Investitionshemmnisse" wie die Südquote und die endogene Mengensteuerung in den Biomasse-Ausschreibungen "unverzüglich zu beseitigen". Die 2021er-Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) habe für die Branche Verbesserungen bei der Honorierung flexibler Stromproduktion gebracht. Da man aber immer noch auf eine beihilferechtliche Klarstellung aus Brüssel warte, herrsche eine "unsichere Rechtslage".
 

Georg Eble
Redakteur
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Donnerstag, 14.10.2021, 16:08 Uhr

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