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Enerige & Management > Klimaschutz - Biogasunternehmen kritisieren Verkehrswende-Pläne
Bild: Fotolia, kav777
KLIMASCHUTZ:
Biogasunternehmen kritisieren Verkehrswende-Pläne
Massive Kritik am Gesetzentwurf des Bundesumweltministeriums zur Dekarbonisierung des Verkehrs wird nun auch von den Biogasunternehmen Weltec Biopower und Envitec Biogas laut.
 
Das Potenzial von Biokraftstoffen sei durch das Bundesumweltministerium weiter ausgebremst, Klimaziele würden damit in weite Ferne rücken. Diesen Befürchtungen haben sich Olaf von Lehmden, Geschäftsführer der Envitec Biogas AG und Jens Albartus, Geschäftsführer der Weltec Biopower GmbH in einer gemeinsamen Mitteilung am 5. November Luft gemacht. 

Zum Hintergrund: Bis Ende Juni 2021 muss Deutschland die europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) in Bundesrecht umgesetzt haben. Eine wesentliche Rolle nehmen darin die Treibhausgaseinsparungen im deutschen Kraftstoffmix für Kraftfahrzeuge ein. Diese werden mit der sogenannten „Treibhausgas-Minderungs-Quote“ (THG-Quote) festgelegt. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) hatte dazu Ende September den Referentenentwurf des BMU vorgelegt.

Forderung: Anhebung der THG-Quote bereits ab 2021

Demnach soll die THG-Quote bis zum Jahr 2025 bei aktuell geltenden 6 % bestehen bleiben und 2026 auf 7,25 % steigen. Das wäre eine massive Verfehlung des eigentlich Zwecks des Gesetzes, so die Biogasunternehmen. Sie fordern eine "engagierte, aber durchaus realistische Weiterentwicklung der THG-Quote" bereits ab kommendem Jahr.

Wie Albertus erklärt, könnte so der im Jahr 2030 für den Klimaschutz notwendige 20-Prozent-Anteil an erneuerbaren Energien im Verkehrssektor erreicht werden. „Es reicht nicht aus, dass Deutschland auf dem europäischen Mindestziel von 14 % im Jahr 2030 verharrt“, so Albertus. Und selbst dieses Mindestziel stellt er in Anbetracht der fortschreitenden Erderwärmung infrage. 

Die Biogasunternehmen machen dem Bundesumweltministerium den Vorwurf, Elektromobilität als „alleinigen Heilsbringer“ zu sehen und prinzipiell alle weiteren Alternativen gezielt auszuschlagen. Olaf von Lehmden dazu: „Dieses Vorgehen steht aus unserer Sicht im diametralen Gegensatz zum Ansatz der Bundesregierung, die durchaus an einer ambitionierten Umsetzung der Quote interessiert ist“. Dies zeigte allein schon die Wasserstoffstrategie.

Viel wichtiger als eine „Monopolisierung der E-Mobilität“ sei es doch, alle verfügbaren Optionen zu betrachten und eine möglichst breite Strategie zur Umsetzung der Herkulesaufgabe Klimawandel zu wählen und sich nicht von vorneherein zu beschränken.

Kritik auf breiter Ebene

Weltec Biopower und Envitec Biogas schließen sich damit bereits vorgebrachter Bedenken aus der Verbandslandschaft an (E&M berichtete): 

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) etwa griff Mitte Oktober in einem Papier die geplante Umsetzung der europäischen Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED II) an. Er sprach von einem „völlig unzulänglichen Entwurf“ des Ministeriums, der steigenden Treibhausgasemissionen und weniger erneuerbaren Energien im Verkehr zur Folge haben werde. Das Ministerium spiele E-Mobilität und Biokraftstoffe gegeneinander aus, anstatt beide Optionen zu nutzen.

Auch der Verband Biogasrat bezeichnete Ende September den Entwurf als „mutlos“ und befürchtet empfindliche Strafzahlungen in Milliardenhöhe im Rahmen des europäischen Effort Sharings, wenn der Verkehr in Deutschland nicht klimafreundlicher werde. „Wir fordern daher im weiteren Gesetzgebungsverfahren eine ehrgeizige Weiterentwicklung der THG-Quote auf 20 Prozent im Jahr 2030, beginnend mit einer deutlichen Anhebung auf zehn Prozent ab 2021“, sagte Janet Hochi, Geschäftsführerin des Biogasrats damals. 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Freitag, 06.11.2020, 11:42 Uhr

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