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Enerige & Management > Niedersachsen - Biogas könnte schnell 20 % Erdgas ersetzen
Quelle: Fotolia / fotolium
NIEDERSACHSEN:
Biogas könnte schnell 20 % Erdgas ersetzen
Schneller und kostengünstiger als Flüssigerdgas (LNG) könnte laut LEE Biogas bis zu 20 % des aktuellen Erdgasbedarfs in Niedersachsen ersetzen, wenn Vorschriften vereinfacht würden.
 
Der Landesverband Erneuerbare Energien (LEE) Niedersachsen-Bremen reagierte mit Unverständnis auf die Milliarden Euro und extrem beschleunigte Genehmigungsverfahren für LNG-Terminals an der niedersächsischen Küste. Statt Flüssigerdgas könnte heimisches Biogas ohne staatliche Subventionen und Investitionen bis zu 20 % des aktuellen Erdgasimports aus Russland ersetzen, so die Branche. Statt sich auf die Einfuhr fossiler Energieträger zu fokussieren, sollte mit erleichterten Genehmigungen und dem Wegfall unnützer Vorschriften das Potenzial heimischer und erneuerbarer Bioenergie schnell freigesetzt werden, forderte der LEE am 7. Juni vor der Presse in Hannover.

Thorsten Kruse, LEE-Vorstand und Biogasanlagenbetreiber, erklärte: "Wir könnten unsere Anlage sofort hochfahren und die Energiemenge steigern, wenn die Politik die rechtlichen Rand- und Rahmenbedingungen herstellt." Bioenergie werde als speicherbare Energie für Zeiten ohne Wind und Sonne ein großer Eckpfeiler der künftigen Energieversorgung sein. "Ohne eine deutliche Ausweitung der Bioenergiekapazitäten wird die Energiewende nicht gelingen", mahnte Kruse zugleich. Besonders im Wärmebereich sei sie unverzichtbar.

Abbau von regulatorischen Hemmnissen nötig

"Wenn Genehmigungshemmnisse konsequent abgebaut werden, könnten wir durch unsere flexiblen Kraftwerke in Niedersachsen den Einsatz von Erdgaskraftwerken überflüssig machen", sagte Henrik Borgmeyer, Geschäftsführer der Bio Construct GmbH. Die Engpässe bei Sonnen- und Windstrom träten in der Regel im Winter auf, wenn die Biogasverstromung durch die Kopplung an Wärmelieferung besonders hohe Wirkungsgrade erzielen könnte. Dafür müsste aber die Flexibilisierung der Anlagen und der verwendeten Rohstoffe erleichtert werden.

Für Oliver Moje, parteiloser Bürgermeister Samtgemeinde Tarmstedt, Landkreis Rotenburg, spielt das Thema "Regionale Wertschöpfung" eine zentrale Rolle: "Über die geleisteten Gewerbesteuern stellen Biogasanlagen einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor für viele Gemeinden dar", erläuterte er. Zudem sicherten sie eine günstige, nachhaltige und sichere Wärmeversorgung für öffentliche Einrichtungen und private Haushalte. Inzwischen sei Biogas auch preislich wettbewerbsfähig.
 
Setzen sich für mehr Biogas ein (von links): Henrik Borgmeyer (Geschäftsführer BioConstruct), Oliver Moje (Bürgermeister Samtgemeinde Tarmstedt), Thorsten Kruse (Vorstand LEE)
Quelle: LEE Niedersachsen-Bremen

In einem Eckpunktepapier legte der LEE dar, welche kurzfristigen Möglichkeiten zur Leistungserhöhung und damit zur Marktstabilisierung noch in diesem Jahr möglich sind. Anlagen mit Wärmeauskopplung sollten nur nachrangig vom Netz genommen werden. Zurzeit werden bei Überlastung des Stromnetzes auch Anlagen mit Wärmenetzen abgeregelt. In aller Regel müsse dann mit fossilen Brennstoffen ausgeholfen werden. Mit Blick auf die Wärmenetz müssten bestehende Anlagen in ihrem Betrieb gesichert werden, um die bestehenden dezentralen Wärmenetze zu stärken, zu erweitern und neue auszubauen.

Grundsätzlich müsse der Zugang zum Gasnetz vereinfacht werden und der Aufbau der Infrastruktur genauso wie bei LNG-Terminals über die Netzentgelte mitfinanziert werden, fordert der LEE. Biomethan-Einspeiseanlagen könnten ihre Leistung sofort erhöhen. Auch mit Blick auf die Verstromung könnte die Leistung der Anlagen sofort erhöht werden, was Erdgas zur Stromgewinnung einsparen würde. Wie eine Studie des Bundesverbandes Erneuerbare Energien (BEE) zeige, wirkt sich der Einsatz von Biogas auch in finanzieller Hinsicht positiv aus, denn Biogas wirkt schon heute strompreissenkend und wird bei besserer Nutzung der Flexibilisierungsoptionen noch wichtiger.

Landwirtschaft in Energiewirtschaft transformieren

Der LEE drängt darauf, die umfangreichen genehmigungsrechtlichen Voraussetzungen auf Praktikabilität zu überprüfen und zu entschlacken. Das häufig gegen den Einsatz von Biogas vorgebrachte Argument, dass der Anbau von Biogassubstraten den Lebensmittelanbau verdrängt, ist aus Sicht des LEE nicht zutreffend. "Gülle und Mist liegen in den Ställen. Stattdessen überlegen wir, nach Borkum zu gehen und nach Erdgas zu bohren", kritisierte Borgmeyer mit Blick auf die vor der Nordseeinsel geplante Förderung.

Zum einen greife die Landwirtschaft aktuell aufgrund der sehr guten letztjährigen Ernte auf gefüllte Lagerkapazitäten zu. Zum anderen besteht ein sehr hohes Potenzial an Reststoffen und ungenutzter Biomasse von Stilllegungs- und Naturschutzflächen. Außerdem sei der Anbau der unterschiedlicher Energiepflanzen wichtig für vielfältige Fruchtfolgen. "So lange wir ein Drittel der Lebensmittel wegwerfen, sollten wir sie wenigstens energetisch nutzen", appellierte Kruse.

Das Papier "Die Rolle der Biogasanlagen im Rahmen der aktuellen Situation der niedersächsischen Energieversorgung"  stellt der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen-Bremen auf seiner Internetseite als PDF zum Download bereit.

 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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