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Enerige & Management > Wasserstoff - Bielefelder Verkehrswende schreitet voran
Quelle: Zukunft Gas / Ilja C. Hendel
WASSERSTOFF:
Bielefelder Verkehrswende schreitet voran
Die Pläne der Stadtwerke Bielefeld für einen Wasserstoff-Innovationspark auf dem Gelände der Müllverbrennungsanlage im Bielefelder Stadtteil Heepen nehmen weiter Form an.
 
Bis zum Jahr 2035 und damit zehn Jahre früher als Deutschland will die ostwestfälische Stadt Bielefeld vollständig klimaneutral sein. Ein wichtiges Zünglein an der Waage ist dabei die Verkehrswende vor Ort. Hierfür planen die Stadtwerke Bielefeld in Kooperation mit ihrer Verkehrstochter Mobiel und der Müllverbrennungsanlage Bielefeld-Herford GmbH (MVA) den "Innovationspark Sektorenkopplung". 

Wie bereits Ende Oktober vergangenen Jahres bekannt geworden ist, plant der Energieversorger auf einem 6.600 m2 großen Areal der MVA eine Abstellhalle für Brennstoffzellenbusse, Wasserstofftanks sowie Tankvorrichtungen. Letztere nehmen immer deutlichere Formen an, wie die Stadtwerke Gruppe Anfang Dezember mitteilte. Die vier bestellten Busse sind bereits in Bielefeld angekommen und auch die Planungen für die Herstellung von eigenem grünen Wasserstoff konkretisieren sich, wie es heißt.

Strom für Elektrolyseur aus biogenen Abfällen

Die Partner wollen mit dem Projekt sektorenübergreifend öffentlichen Personennahverkehr, Energiewirtschaft und Abfallwirtschaft miteinander koppeln. So soll der Wasserstoff mithilfe eines Elektrolyseurs direkt auf dem Gelände gewonnen werden. 

Der Strom für den Elektrolyseur soll aus der Müllverbrennungsanlage stammen und damit mit zu über 50 % aus biogenen Quellen wie etwa Holz, Papier oder Pflanzen- und Speisereste. Die Wasserstoff-Tanks auf dem Gelände sollen generell für 1.000 Kilogramm Wasserstoff ausgelegt sein. Zunächst, so heißt es, soll es dort möglich sein, etwa 100 Kilogramm Wasserstoff pro Tag zu tanken, später soll das Betankungsvolumen auf 400 Kilogramm pro Tag anwachsen. Zum Vergleich: Eine normale, öffentliche Wasserstofftankstelle gibt laut den Stadtwerken zurzeit etwa fünf Kilogramm pro Tag ab. Bis der Elektrolyseur in Betrieb ist, soll die Wasserstofftankstelle im Innovationspark mit Tanklastwagen versorgt werden.

Vorteile gegenüber der Elektromobilität

In der ersten Jahreshälfte 2022 sollen die Brennstoffzellenbusse im Linienverkehr auf einer Probestrecke zwischen Baderbach und Schildhof unterwegs sein. Deren Anschaffung ist für die Stadtwerke Bielefeld der "logische nächste Schritt für mehr Nachhaltigkeit und Klimaschutz", wie Jens Julkowski-Keppler anführt. Bereits heute verfügen alle Busse des Fuhrparks über die Euro-6-Abgasnorm und damit die höchste Abgasnorm für mehr saubere Luft in Bielefeld, erklärt der Aufsichtsrastvorsitzende der Stadtwerketochter Mobiel. 40 % seien bereits Hybridbusse.

Die vier jüngst gelieferten wasserstoffbetriebenen Busse kommen vom portugiesischen Hersteller Caetano, der seit einigen Monaten zum Toyota-Konzern gehört. Die zwölf Meter langen Fahrzeuge vom Typ "H2 City Gold" sind laut Mobiel erst seit etwa einem Jahr in Deutschland auf dem Markt. Für ihre Reichweite von jeweils etwa 350 bis 400 Kilometer sorgen je fünf Wasserstofftanks, die 37,5 Kilogramm Wasserstoff aufnehmen können. "Die Reichweite entspricht in etwa dem, was unsere Busse am Tag schaffen müssen“, versichert Mobiel-Projektleiter Gerhard Sawatzky.
 
Einer der vier Brennstoffzellenbusse, die ab kommendem Frühjahr im Bielefelder Linienverkehr Fahrgäste transportieren soll
Quelle: Stadtwerke Bielefeld

Das sei ein großer Vorteil gegenüber batterie-elektrischen Bussen. Denn die vier Busse könnten so den ganzen Tag auf der 7,6 Kilometer langen Linie 29 im Einsatz sein, ohne dass sie zwischendurch betankt werden müssen. In der Brennstoffzelle der Busse reagiert der Wasserstoff mit Sauerstoff und erzeugt so während der Fahrt permanent elektrische Energie. Diese wird in der Batterie auf dem Fahrzeugdach gespeichert oder treibt direkt den 245 PS starken Elektromotor an. Die zweitürigen Niederflur-Fahrzeuge haben 37 Sitzplätze und bieten den Fahrgästen damit ähnlich viel Platz wie die Dieselbusse.

Auch beim Tanken sehen die Partner deutliche Vorteile gegenüber batterie-elektrischen Bussen. Ein Ladevorgang werde nur knapp zehn Minuten dauern, wie es aus Bielefeld heißt. 

Wie die Stadtwerke mitteilen, sei das Projekt aktuell noch nicht wirtschaftlich. Allein die Anschaffung der vier Brennstoffzellenbusse und der Tankstelleninfrastruktur sei nur dank der Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen möglich gewesen. Die Treibstoffkosten der vier Brennstoffzellenbusse liegen nach eigenen Angaben pro Jahr um rund 15.000 Euro über denen von Dieselbussen. Die Kosten für die Tankstelle werden laut den Stadtwerken zu 90 % gefördert.

Wie die Stadtwerke weiter mitteilen, liegt mittlerweile auch vom Bundesverkehrsministerium eine Förderzusage vor. 45 % der Kosten für den Elektrolyseur könnten mit dieser gestemmt werden. Insgesamt geben die Partner die Kosten für die erste Ausbaustufe des Innovationsparks in Höhe von rund 13,5 Mio. Euro an. 
 

Davina Spohn
Redakteurin
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Montag, 06.12.2021, 15:57 Uhr

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