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Enerige & Management > Stromnetz - Bestandsnetze besser auslasten
Quelle: Transnet BW
STROMNETZ:
Bestandsnetze besser auslasten
Die bestehenden Netze können mit Speichern und smarter Technik besser ausgelastet werden. Was dafür nötig ist, hat das Forschungsprojekt "InnoSys2030" erarbeitet.
 
Stellen Sie sich vor, Sie stehen mit Ihrem Wagen auf einer Autobahn im Stau. Es gibt aber weder eine nahe Bundesstraße, auf die die Fahrzeuge schnell ausweichen könnten, noch der Standstreifen ist befahrbar. So stellt sich, vereinfacht ausgedrückt, die Lage bei den Stromnetzen dar. Mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien und mehr Elektrofahrzeugen werden sich die Engpässe im Netz aber deutlich erhöhen. Noch mehr Abregelungen und höhere Redispatch-Kosten wären die Folge.

Daher müssen auch die bestehenden Netze künftig besser ausgelastet werden. Wie das gelingen kann, hat das Forschungsprojekt Innosys in den vergangenen drei Jahren erarbeitet. Die ersten Ergebnisse wurde am 9. Februar in einer virtuellen Pressekonferenz von Tennet, als Konsortialführer, gemeinsam mit der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen) vorgestellt.

Innosys steht für "Innovationen in der Systemführung". An dem Projekt haben 17 Partner gearbeitet: die vier Übertragungs- sowie mehrere Verteilnetzbetreiber, Forschungsinstitute und Leitsystemhersteller. "Mit Innosys 2030 zeigen wir Konzepte und Möglichkeiten auf, wie die Bestandsnetze besser genutzt werden können", sagte Peter Hoffmann, Leiter Energiesystemplanung bei Tennet sowie Innosys-Vorsitzende, bei der virtuellen Vorstellung.

Neue Tools und Assistenzsysteme erforderlich 

Die Expertinnen und Experten haben sogenannte "kurative Systemführungskonzepte" entwickelt. Als kurative Maßnahmen werden Handlungen bezeichnet, die im Fehlerfall schnell erfolgen, um die Auswirkungen einer Störung zu begrenzen. Damit diese Konzepte umgesetzt werden und gleichzeitig die wachsende Komplexität in der Systemführung beherrschbar bleibt, brauche es aber auch neue Tools und Assistenzsysteme für die Systemführung; Automatisierung, Digitalisierung und modernste Leittechnik seien hier entscheidend.

Zu den möglichen Maßnahmen zählen beispielsweise der Aufbau von Großspeichern als Pilotanlagen, erläuterte Hoffmann. Die Realisierung der Netzbooster sei ein erster wesentlicher Schritt, weitere werden dann folgen. Mit den Großspeichern soll bei Störungen schneller reagiert werden können.

Als weiteres Beispiel, das genannt wurde, sollen zusätzliche Phasenschieber-Transformatoren errichtet werden. Diese werden bereits "erfolgreich an den Landesgrenzen eingesetzt", sagte Hoffmann. Künftig sollen solche Phasenschieber auch im Inland die Lastflüsse mit ausgleichen. Der Einsatz solcher "leistungsflusssteuernden Betriebsmittel" machen nach den Ergebnissen von Innosys eine höhere Auslastung des Netzes möglich. Derzeit seien 20 % der Kapazität als Reserve im Netz, diese soll künftig geringer werden – ohne dass die Netzstabilität leidet.

Bessere Auslastung der Netze ersetzt nicht den weiteren Ausbau

Am besten lasse sich die Idee, so Hoffmann, mit der Standspur vergleichen: So wie das Stromnetz Kapazitäten für Störungsfälle bereithalte, werde auch auf den meisten deutschen Autobahnen ein Sicherheitsstreifen nicht genutzt. Ereignet sich ein Unfall, kann der Verkehr unter Ausnutzung des Standstreifens weiter aufrechterhalten werden. Wenn eine sehr schnelle Bergung von Unfallfahrzeugen zur Verfügung steht, kann der "Standstreifen" bei einer hohen Verkehrsdichte abschnittsweise zur Befahrung freigegeben werden. So ähnlich ist das auch im Stromnetz denkbar: vorgehaltene Übertragungsreserven können genutzt werden, um Engpässe zu vermeiden. Treten Störungen auf, werden sie im laufenden Betrieb durch Echtzeiteingriffe entschärft.

Hoffmann betonte jedoch auch, dass eine höhere Auslastung bestehender Netze den weiter dringend benötigten Netzausbau nicht ersetze, sondern lediglich sinnvoll ergänzen könne. Den Innosys-Untersuchungen zufolge können Redispatch-Mengen eingespart und die Kosten für die Engpassbereinigung reduziert werden. Prof. Albert Moser, Lehrstuhlinhaber Übertragungsnetze und Energiewirtschaft an der RWTH Aachen, sprach bei der Vorstellung der Ergebnisse von möglichen Einsparungen zwischen 15 und 40 %.

Nach Projektabschluss muss nun die Umsetzung in die Praxis starten. Dies soll in drei Stufen geschehen: Zunächst die Pilotierung und Erprobung der erarbeiteten Maßnahmen, dann sollen die ersten Potenziale gehoben werden und schließlich soll das Werkzeug-Set als Bestandteil der Systemführung zum standardisierten Einsatz kommen. Dies entwickelten Vorschläge sollen dabei nicht nur auf den Spannungsebenen des Transportnetzes umgesetzt werden, sondern auch im Zusammenspiel mit den Verteilnetzbetreibern – etwa die Nutzung dezentraler Flexibilitäten.

Der detaillierte Endbericht von Innosys beziehungsweise die Roadmap sollen im Sommer 2022 veröffentlicht werden. Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) hat das Projekt mit 10 Mio. Euro gefördert und wird auch den Innosys-Roadmap-Prozess begleiten. 

Weitere Informationen finden Interessierte auf der Internetseite des Projektes Innosys .
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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Mittwoch, 09.02.2022, 15:07 Uhr

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