• Alle Trends zeigen aufwärts
  • Fortum und Uniper teilen Aufgaben auf
  • Kerstin Abraham bleibt im Vorstand der SWK
  • Wohnquartier mit 700 Ladepunkten geplant
  • Landstromanlage der Superlative in Warnemünde
  • 38.441 öffentliche Ladepunkte
  • Neues Institut erforscht CO2-arme Produktion
  • EnBW Q1: Schlechte Windverhältnisse drücken Ergebnis
  • KWK-Index: Grundlaststrom deutlich teurer
  • OMV: Gerüchte um Seele-Nachfolge
Enerige & Management > Wasserstoff - Bessere Verknüpfung im Energiesystem nötig
Bild: Fotolia
WASSERSTOFF:
Bessere Verknüpfung im Energiesystem nötig
Wenn die Produktion von Wasserstoff durch Elektrolyse nicht mit der Entwicklung der erneuerbaren Stromproduktion gekoppelt wird, wird Wasserstoff teilweise aus Kohlestrom erzeugt.
 
Die aktuellen Wasserstoffpläne der Bundesregierung erschweren das Erreichen des politisch gesetzten Ziels, bis 2030 65 % des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu gewinnen. Zu diesem Schluss kommt das mit Energieanalysen befasste Institut Aurora Energy Research.

Grund für die Einschätzung ist, dass die in der nationalen Wasserstoffstrategie geplante Produktion von Wasserstoff mittels Elektrolyse den Strombedarf steigen lässt. Zumindest bis zum Jahr 2030 hält der Ausbau der erneuerbaren Energieträger mit dem Bedarfszuwachs nicht Schritt. Die Konsequenz: Wasserstoff wird dann teilweise aus Kohlestrom erzeugt, heißt es in der Studie.

Damit würde die Erzeugung von Wasserstoff die Treibhausgasemissionen zunächst sogar steigen lassen. „Der Erneuerbaren-Anteil am Strommix steigt nicht schnell genug“, sagt Jan-Lukas Bunsen, Projektleiter im Berliner Büro von Aurora Energy Research. „Das heißt, dass für die Elektrolyse auch Kohlestrom zum Einsatz kommt und der so produzierte Wasserstoff somit zunächst klimaschädlicher ist als der aus Erdgas gewonnene so genannte graue Wasserstoff.“

Dennoch sei es richtig, jetzt auf das Thema Wasserstoff zu setzen, der etwa auch in der Stahl- oder Chemieindustrie für eine emissionsärmere Produktion sorgen kann. Allerdings müssen dazu die Wasserstoffwirtschaft und der Ausbau der Erneuerbaren als Gesamtpaket betrachtet und aufeinander abgestimmt werden. Nur durch diese Kopplung lasse sich erreichen, dass der mit Elektrolyse hergestellte Wasserstoff auch tatsächlich kohlenstoffärmer sei als der aus Erdgas erzeugte, betont Bunsen.

Zum Gesamtpaket gehören auch der Ausbau der Stromnetze und der Umbau der Industrieproduktion

Zum Gesamtpaket des Umbaus der Energieversorgung gehört auch der nötige Ausbau der Stromnetze. Die Studie kalkuliert mit mindestens 11.000 km neuen Leitungen bis 2030, unter anderem auch für die Anbindung vieler neuer Windkraftanlagen auf dem Meer. Außerdem müsse zugleich die Infrastruktur für den Transport und die Speicherung des Wasserstoffs geschaffen werden. Zudem müssen die industriellen Anwender rechtzeitig mit dem Umbau ihrer Anlagen beginnen, wenn sie Wasserstoff statt der bisher genutzten Energiequellen einsetzen wollen.

Bei den Kosten hierfür kalkulieren die Autoren der Studie, dass die Umstellung von Infrastruktur und Industrieanlagen auf Wasserstoff zwei- bis viermal so viel kosten wird wie die nötigen Subventionen für die Wasserstofferzeugung aus erneuerbaren Energien. Sie empfehlen deswegen ein politisches Gesamtkonzept, das alle Aspekte der Wasserstoffwirtschaft und der Anwendung des neuen Energieträgers in der Industrie berücksichtigt. Dazu müsse etwa auch die Frage geklärt werden, wie beispielsweise Stahl- und Chemieunternehmen bei der Umstellung ihrer Anlagen auf Wasserstoffbetrieb unterstützt werden.

Richtig gemacht, könne ein durchdachtes Gesamtsystem die Nachfrage nach tatsächlich grünem Wasserstoff steigern und so den Ausbau der Erneuerbaren zusätzlich fördern. „Entscheidend ist, dass die Politik möglichst bald klare Rahmenbedingungen setzt, an denen sich die Marktteilnehmer orientieren und ihre Entscheidungen ausrichten können“, sagt Bunsen.
 

Armin Müller
Redakteur
+49 (0) 8152 9311 44
eMail
facebook
© 2021 Energie & Management GmbH
Montag, 09.11.2020, 11:33 Uhr

Mehr zum Thema