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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Besser, aber nicht ausreichend
Bild: psdesign1 / Fotolia
WINDKRAFT ONSHORE:
Besser, aber nicht ausreichend
Die Fachagentur Windenergie an Land geht aktuell von einem Brutto-Windkraftausbau von etwa 1.500 MW für 2020 aus. Mehr als im Vorjahr, aber zu wenig, um die Klimaziele zu erreichen.
 
Besser, aber bei weitem nicht gut genug: Nach vorläufigen Zahlen sind in diesem Jahr bis zum 4. Advent laut einer Analyse der Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) 383 Windturbinen mit einer Brutto-Leistung von gut 1.295 MW in Betrieb gegangen.

„Zusammen mit den üblichen Nachmeldungen und den Anlagen, die noch bis zum Jahreswechsel ans Netz gehen, dürfte der Ausbau letztlich eine Größenordnung von rund 1.500 Megawatt erreichen“, schätzt FA Wind-Fachmann Jürgen Quentin, der seit Jahren das bei der Bundesnetzagentur geführte Marktstammdatenregister detailliert auswertet. Sein Fazit lautet deshalb: Ein Plus gegenüber dem Vorjahr, aber auf weiterhin zu geringem Niveau.

Gemessen an der von den Windenergieverbänden für 2019 vermeldeten Zubauleistung von 1.078 MW zeichnet sich für dieses Jahr zwar ein leichter Aufschwung beim Windkraftausbau an Land ab. „Das liegt alles weit von der Marke von 4.500 Megawatt entfernt, die nach Berechnungen von Energiewissenschaftlern erforderlich ist, um das nationale Klimaziel für 2030 zu erreichen“, so Quentin.

Etwas besser sieht es nach seinen Auswertungen für die nächste Zeit aus: Mittlerweile weist die Datenbank der Bonner Behörde für 2020 bereits Genehmigungen für neue 650 Windturbinen mit einer Brutto-Gesamtleitung von 2.760 MW aus. „Der Aufwärtstrend gewinnt anscheinend an Fahrt. Allerdings erfordert der Klimaschutz weitaus mehr neue Windkraft-Kapazitäten“, resümiert Quentin.

Absehbar ist, dass Nordrhein-Westfalen mit einer Leistung von annähernd 285 MW in diesem Jahr im Vergleich der 16 Bundesländer den größten Windkraftzubau verzeichnen wird. Danach folgen Brandenburg (206 MW) und Niedersachsen (152 MW). Unter den Flächenländern rangieren mit jeweils drei neu installierten Windturbinen das Saarland (9,0 MW) und Sachsen (8,1 MW) am Ende des Ausbau-Rankings.
 
In diesem Jahr sind wieder mehr Windparks in Betrieb gegangen
Foto: Juwi AG

Ob es mit dem Wegfall der EEG-Vergütung für mehrere tausend alte Windturbinen (die sogenannten Ü-20-Anlagen) zu einer größeren Abbauwelle kommt, lässt sich aus den Quentin'schen Zahlen noch nicht herauslesen. Die in diesem Jahr bislang abgebauten 142 Altanlagen mit einer Leistung von gut 170 MW liegen im üblichen Rahmen. Der FA Wind-Experte: „Solide Zahlen, wie viele dieser Pionieranlagen wirklich abgebaut werden, dürften erst im ersten Quartal vorliegen.“

Wenige Tage vor dem Silvesterfest ist auch noch nicht sicher, ob Enercon in diesem Jahr nach einjähriger Unterbrechung wieder die Nummer eins auf dem deutschen Windmarkt wird. Kurz vor Toresschluss lag der Marktanteil der ostfriesischen Windschmiede bei 33,04 %, der größte Konkurrent Vestas folgt mit 32,8 % nur knapp dahinter.

Die Windturbinen werden immer leistungsstärker: Bei 4,23 MW Leistung lag im Schnitt die Generatorgröße der in diesem Jahr genehmigten Maschinen. Jede fünfte genehmigte Anlage weist bereits eine Leistung von mindestens 5 MW auf. Auch für das erste Dutzend Windgeneratoren mit mehr als 6 MW Leistung haben die Behörden grünes Licht erteilt.

Keine Rolle haben in diesem Jahr die sogenannte Medium Size-Anlagen, sprich Windturbinen in der Größenordnung zwischen 100 und 750 kW Leistung, gespielt. In diesem Segment, das Fachleute als dezentrale Alternative als durchaus vielversprechend einschätzen, fiel der Zubau bis zum 4. Advent absolut ernüchternd aus: Das Marktdatenregister weist für diese Größenklasse nämlich eine Null aus.
 
 

Ralf Köpke
© 2021 Energie & Management GmbH
Dienstag, 22.12.2020, 11:20 Uhr

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