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Enerige & Management > Elektrofahrzeuge - Berlins ehrgeizige E-Bus-Pläne - Frankfurt stellt allmählich um
Bild: scharfsinn86 / Fotolia
ELEKTROFAHRZEUGE:
Berlins ehrgeizige E-Bus-Pläne - Frankfurt stellt allmählich um
Frankfurt will beim Umstellen der Busflotte auf E-Antriebe nicht länger die Rücklichter Berlins und anderer Großstädte sehen. Mit 36 neuen Stromern holt die Mainmetropole 2021 auf.
 
Die Zahl erscheint verschwindend klein: 676 Omnibusse mit Elektroantrieben – 29 davon als Hybridvariante mit Verbrennungsmotor – waren im Jahr 2020 auf den Straßen in Deutschland unterwegs. Bei 50.000 Bussen insgesamt stellen umweltfreundliche Fahrzeuge lediglich einen Anteil von 1,4 %. Diese Zahlen stammen aus dem vierten E-Bus-Radar der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (Pwc). Die Analyse zeigt aber auch einen sprunghaften Anstieg: 357 neue E-Busse im Jahr 2020 bedeuten mehr als eine Verdopplung der bisherigen E-Flotte.

Verbrannter Hausmüll bringt Frankfurter E-Busse in Bewegung

Auch die Stadt Frankfurt trägt daran einen Anteil. Die erste Buslinie wurde 2018 auf Elektroantrieb umgestellt, im Dezember 2020 folgte die Metrobus-Linie M60, mit der das private Mobilitätsunternehmen Transdev beauftragt ist. In diesem Frühjahr werden Elektro-Busse auf zwei weiteren Linien im Betrieb der städtischen In-der-City Bus GmbH und bis bis zum Ende des Jahres 2021 auch auf einer fünften Linie fahren.

Für 34 der 36 Neuanschaffungen schießt der Bund mehr als 7,56 Mio. Euro zu, bei beiden weiteren Bussen kommt das Land Hessen für die Mehrkosten gegenüber einem herkömmlichen Dieselbus auf. Zur Besonderheit in Frankfurt zählt, dass die Busse ihren Strom aus Müll beziehen. Das örtliche Müllheizkraftwerk produziert die Energie durch das Verbrennen von Hausmüll. Die Mainmetropole sieht Busse als ergänzendes Fortbewegungsmittel zu den bereits elektrisch fahrenden S-, U- und Straßenbahnen und kündigt weitere Zukäufe – auch von 13 Bussen mit Brennstoffzelle (Wasserstoff) Mitte 2022 – an.

Nordrhein-Westfalen mit 177 E-Bussen im Ländervergleich vorn

Damit erreicht die Stadt in der Rangliste der geplanten E-Bus-Anschaffungen mit insgesamt 158 den fünften Rang, stellt allerdings nur etwa ein Zehntel des angekündigten Ausbaus von Berlin (Zielzahl: 1.454). Auch Hamburg (703), Kiel (250) und Nürnberg (159) wollen laut Pwc-Radar mehr rein elektrische Busse anschaffen als Frankfurt. Bis Mitte des Jahrzehnts sollen 3.100 zusätzliche E-Busse im Personennahverkehr zum Einsatz kommen, so die Analyse. Davon entfallen 215 Bestellungen auf Modelle mit Wasserstofftechnik. Maximilian Rohs, Senior Manager Infrastructure & Mobility bei Pwc Deutschland, bewertet die Gesamtzahl als „Bestellschub“, der längerfristig sogar auf 4.800 neue E-Busse hinauslaufe.

In der Bundeshauptstadt fahren aktuell mit 137 E-Bussen die meisten dieser Gattung, auf den Plätzen folgen Hamburg (55) und Köln (45). Im Ländervergleich kommt Berlin hinter Nordrhein-Westfalen (177 E-Busse) auf Rang zwei, vor Baden-Württemberg (76), Niedersachsen (62) und Hessen (61).

Auch wenn die Elektrifizierung der Busflotten voran kommt, sind die von der EU für 2025 vorgegebenen Mindestquoten an umweltfreundlichen Fahrzeugen in Gefahr. „Die Beschaffungsplanungen der ÖPNV-Unternehmen reichen derzeit noch nicht aus“, sagt Hansjörg Arnold, Partner Infrastructure & Mobility bei Pwc. „Wir rechnen daher kurz- bis mittelfristig mit einer weiteren deutlichen Ausweitung der Planungen zur Elektrifizierung der Busflotten.“

Bei der Art, batterieelektrische Busse mit neuer Energie zu versorgen, lässt sich noch kein Trend ablesen. Mit 56 % wird die Mehrheit der aktuell eingesetzten Fahrzeuge über Nacht im Depot geladen. Der Rest (44 %) tankt während des Pendelverkehrs an Ladestationen entlang der Linien auf. Bei knapp zwei von drei Bussen kommt eine Plug-in-Technik beim Laden zum Einsatz, 38 % docken an ein Ladesystem an.

Der E-Bus-Radar von PricewaterhouseCoopers ist hier im Internet   abrufbar.
 

Volker Stephan
© 2021 Energie & Management GmbH
Dienstag, 02.03.2021, 14:49 Uhr

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