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Enerige & Management > Stadtwerke - Berliner Stadtwerke im Aufschwung
Bild: Fotolia.com, nmann77
STADTWERKE:
Berliner Stadtwerke im Aufschwung
Die Berliner Stadtwerke sollen nicht als x-beliebiger Stromhändler agieren, sondern die Energiewende in der Hauptstadt gestalten und zum maßgeblichen Photovoltaik-Stromerzeuger werden.
 
„Die Berliner Stadtwerke sollen nicht nur ein neuer Stromhändler sein“, sondern als innovativer Dienstleister die Energiewende voranbringen – so wünscht es sich Ramona Popp (Grüne), Wirtschaftssenatorin der Hauptstadt und Aufsichtsratsvorsitzende des kommunalen Versorgers.

Dabei seien sie bereits auf gutem Weg, sagt Jörg Simon, Vorstandsvorsitzender der Berliner Wasserbetriebe (BWB), als deren Tochterunternehmen die Stadtwerke 2014 vom Senat gegründet wurden. „Die Stadtwerke investieren in die Energiewende“, bekräftigte er bei der BWB-Jahrespressekonferenz am 28. April. Mit den 100 Mio. Euro Eigenkapital, mit denen der seit Ende 2016 amtierende rot-rot-grüne Senat das Unternehmen ausgestattet hat, ließen sich „mindestens 300 Mio. Euro für Investitionen hebeln“, erläuterte Simon. Das sei eine „gute finanzielle Ausstattung“ für die nächsten fünf bis sieben Jahre.

Beste Möglichkeiten sieht er vor allem für Investitionen in Photovoltaik (PV). Das Unternehmen habe jüngst einen Großauftrag der Berliner Immobilienmanagement GmbH für den Bau von Solarkraftwerken mit 4,7 MW Erzeugungsleistung auf 28 landeseigenen Immobilien erhalten – darunter Schulen, Feuerwachen, Polizeistationen, Bibliotheken und die Show-Bühne Friedrichstadt-Palast −, berichtete Simon. PV-Anlagen sollen aber auch im Rahmen weiterer Mieterstromprojekte entstehen, um die sich die Stadtwerke vor allem in Kooperation mit kommunalen Wohnungsbaugesellschaften und Genossenschaften, aber auch mit privaten Eigentümern kümmern wollen.

Bislang betreibt der Hauptstadtversorger 37 große Solaranlagen mit zusammen 3,3 MW Erzeugungsleistung, die überwiegend für Mieterstrommodelle errichtet wurden. Die Stadtwerke seien damit auf dem Weg zu einen „ganz maßgeblichen Player“ im PV-Bereich in der Hauptstadt, wie der BWB-Chef ankündigte.

In Vorbereitung sind laut Simon darüber hinaus neue Windparks auf Stadtgütern im brandenburgischen Umland, wobei er darauf hinwies, dass der Widerstand gegen Windturbinen in Brandenburg zunehme. Mit einem Windrad bei Bernau, nördlich von Berlin, das zum 1. Mai übernommen wird, verfügt der kommunale Versorger bereits über 16,3 MW Windleistung.

Auch in Marketing und Personal investieren

Mit ihrer Ökostromproduktion könnten die Berliner Stadtwerke bereits 27 000 Haushalte versorgen, momentan sind es aber erst 5 000. Ziel für die nächsten Jahre sind 100 000 Kunden. Simon kündigte für das dritte Quartal eine Imagekampagne und ein Marketingkonzept an, um das Unternehmen als attraktive Marke in der Hauptstadt zu positionieren.

Als weiteres Geschäftsfeld sehen Popp und Simon den Wärmemarkt. Die Senatorin kann sich dabei durchaus auch vorstellen, dass der kommunale Versorger zum Konkurrenten der Vattenfall wird, die bislang einen großen Teil der öffentlichen Gebäude mit Wärme versorgt. „Wärme ist ein großes Thema“, unterstrich auch der BWB-Chef. Die Senatorin erinnerte in diesem Zusammenhang an den „energetischen Sanierungsstau von über fünf Milliarden Euro in der Stadt“.

Die Berliner Stadtwerke GmbH hat im Geschäftsjahr 2016 rund 600 000 Euro Umsatz und ein negatives Ergebnis erwirtschaftet. Das Ergebnis werde auch in den nächsten fünf Jahren im negativen Bereich bleiben, rechnet Simon. Das sei bei einer Neugründung nicht anders zu erwarten.

Damit es aufwärtsgeht, wollen die Stadtwerke auch in den Personalaufbau investieren. Derzeit beschäftigt das Unternehmen elf Mitarbeiter. In zwei Jahren könnten es bereits 80 sein, stellte der BWB-Chef in Aussicht.

Doch nicht nur die Tochter, sondern auch die Wasserbetriebe selbst sind ein veritabler Akteur der Berliner Energieversorgung und zweitgrößter Stromproduzent in der Hauptstadt. Das Unternehmen produziert in Blockheizkraftwerken, Gasturbinenanlagen, Windkraftwerken und PV-Anlagen vor allem Strom für den eigenen Verbrauch der städtischen Wasser- und Abwasserreinigungswerke – im letzten Jahr 83 Mio. kWh. Das waren etwa 22 Prozent der insgesamt benötigten 383 Mio. kWh.

Die BWB verkauften 2016 rund 210 Mio. m³ Trinkwasser und reinigten 222 Mio. m³ Abwasser. Der Umsatz stieg um etwa 104 Mio. Euro auf 1,154 Mrd. Euro. Vom „guten Ergebnis“ vor Zinsen und Steuern in Höhe von knapp 293 Mio. Euro führt der Wasserversorger 92,1 Mio. Euro als Dividende an das Land Berlin als Gesellschafter ab. In den nächsten fünf Jahren will das Unternehmen mehr als 2 Mrd. Euro investieren, darunter 500 Mio. Euro in die Klärwerke, die allesamt mit einer vierten Reinigungsstufe aufgerüstet werden sollen.
 

Peter Focht
Redakteur
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Freitag, 28.04.2017, 17:21 Uhr

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