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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Bergolin beschichtet künftig auch offshore
Quelle: Pixabay / Peter Dargatz
WINDKRAFT ONSHORE:
Bergolin beschichtet künftig auch offshore
Der Lackierungsspezialist Bergolin war 2020 während der deutschen Windkraft-Delle ein Sanierungsfall. Seitdem internationalisiert er sich und entwickelt Pakete übers Rotorblatt hinaus.
 
Der Beschichtungsspezialist Bergolin aus dem Raum Bremen wird 2023 erstmals für einen ungenannten Windturbinen-Hersteller auch Offshore-Rotorblätter lackieren, und zwar in der europäischen See. Matthias Otting, der im Februar 2020 zu dem Traditionsunternehmen als Sanierungs-Geschäftsführer geholt worden war, kündigte auf der Messe Wind Energy gegenüber unserer Redaktion darüber hinaus an, neben Rotorblättern auch Coating-Pakete für alle zu lackierenden Komponenten von Windenergieanlagen zu liefern, etwa auch für den Turm und die Gondel.

Mit bisher mehr als 100.000 beschichteten Rotorblättern gehört Bergolin zu den führenden Lacklieferanten für Windturbinen(OEM)- und Rotorblatt-Hersteller, ist aber auch für die Chemieindustrie und für Verbundstoff-Hersteller tätig. Vor zwei Jahren war das Unternehmen noch ein Sanierungsfall: Die EEG-Kürzungen brachten seine damals ausschließlich norddeutsche Kundschaft in Schwierigkeiten und wurden an Bergolin durchgereicht. Dabei realisierten sich Klumpenrisiken. Für Matthias Otting war klar: "Wir können nicht noch 100 Jahre das Traditionsunternehmen sein, das nur zwischen Elbe und Weser jedes Rotorblatt beschichtet. Auch Portugal und Spanien sind zwar wichtig, aber das Wachstum findet anderswo statt."

Wo, das lässt sich an den bisherigen Ergebnissen seiner Internationalisierungs-Strategie ablesen: Während weiter nur in Osterholz-Scharmbeck produziert werden soll, hat Bergolin im zweiten Halbjahr 2022 weitere vertrieblich oder technisch orientierte Niederlassungen in Indien und den USA gegründet, zusätzlich zu Deutschland und Polen. Mehr als 70 % des Umsatzes werden mittlerweile im Export generiert. Die größten Wachstumsmärkte sind für Bergolin die Iberische Halbinsel, Brasilien, Mexiko, Marokko und die Türkei.
 
Matthias Otting zeigt am Bergolin-Stand auf das Beschichtungsmodell eines Rotorblatts. Der Kantenschutz (Leading Edge Protection) muss bei Fahrtwinden von bis zu 300 km/h vor Erosion schützen
Quelle EuM Georg Eble

In Indien folgt man dem Trend der OEM, dort zu produzieren - erst zur Jahresmitte hatte Nordex als letzter deutscher Hersteller sein Rotorblattwerk in Rostock geschlossen; es bleiben Werke in Spanien sowie in Indien und in weiteren Schwellenländern übrig. In den USA geht es Bergolin vorrangig um Reparaturlackierungen. 2021 hat sich der Umsatz, der in absoluten Zahlen nicht ausgewiesen wird, laut Geschäftsbericht um 31 % erhöht. Das Jahr schloss mit 1 Mio. Euro Gewinn ab, nach einer schwarzen Null 2020.

​Womit Bergolin punkten will

Der Wettbewerb um die Beschichtung von Rotorblättern ist laut Otting in den jüngsten Jahren schärfer geworden, sowohl im Hinblick auf die Anzahl der Player, bei denen Bergolin im früheren nationalen Rahmen nur zwei ernstzunehmende sah, als auch auf den Preisdruck.

Hier will Bergolin mit seiner raschen Lieferfähigkeit von einer Woche und seinem Out-of-the-box-Denken bei Beschichtungstechnologien und seinem Erfahrungswissen um die Produktionsprozesse bei den Herstellern punkten. Matthias Otting wirbt in seinen Gesprächen mit OEM und Rotorblatt-Herstellern auf der Wind Energy für einen Blick auf die gesamten Prozesskosten statt der reinen Lackpreise. Es spare Zeit und Geld, wenn Lackierung und Spachtel nur einmal aufgetragen werden müssten und rasch trockneten. Dies gelte auch für Reparaturlackierungen, die die Standzeiten eines Windrades verkürzten. Otting fasst zusammen: "Das neue Selbstverständnis ist, den Marktstandard von Beschichtungssystemen immer wieder herauszufordern und eingeschliffene Produktionsprozesse mit neuen Produkten in Frage zu stellen."
 

Georg Eble
Redakteur
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Donnerstag, 29.09.2022, 14:55 Uhr

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