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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Behörde: Meeresgrund eignet sich für nächstes Gigawatt
Quelle: Shutterstock / Paul Biryukov
WINDKRAFT OFFSHORE:
Behörde: Meeresgrund eignet sich für nächstes Gigawatt
Kaum hat die Netzagentur die nächsten 980 MW Nordsee-Windenergie ausgeschrieben, könnte sie dies mit dem nächsten Gigawatt auch tun - und das wäre noch wenig für die neuen Ausbauziele.
 
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) hat weiteren zwei Nordseeflächen die Eignung für insgesamt 900 MW Offshorewind-Zubau bescheinigt. Dies geht aus einer Mitteilung der obersten maritimen Behörde Deutschlands vom 25. Februar hervor. 

 
Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee in Betrieb, in Bau und in Planung
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Quelle: Wab

Die "N-3.5" und "N-3.6" genannten Flächen, die zusammen annähernd ein Dreieck bilden, liegen demnach 30 bis 40 km nördlich von Juist und haben mindestens 30 m Wassertiefe. Sie grenzen nördlich und westlich an die produzierenden Windparks "Nordsee One" von einem Joint Venture aus Northland Power und RWE Renewables sowie "Gode Wind" 1 und 2 von Oersted. 

Nordöstlich von N-3.5 ist seit 2021 das Gebiet N-3.8 an ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen aus Northland und RWE vergeben. Dieses trat damals in alte Rechte ein und verdrängte damit den ursprünglichen Vergabegewinner EDF Renewables. "Nordsee Two" mit 443 MW wäre der erste deutsche Offshore-Windpark für die französische EDF gewesen.

Östlich von Gode Wind" 1 und 2 hatte RWE 2021 für die Fläche N-3.7 einen Zuschlag erhalten, östlich davon entwickelt wiederum Oersted "Gode Wind 3".

Überholte Ein-Gigawatt-Taktung

N-3.5 und N-3.6 sollen laut dem bisherigen nationalen Ausbaupfad, wonach jedes Jahr grob 1.000 MW Offshore-Windkraft dazukommen, am 1. September 2023 vergeben werden. Als Fazit des BSH aus seiner Voruntersuchung ist eine Ausbeute von 980 MW realistisch, der Baugrund eignet sich geologisch und tektonisch, in Bezug auf die Wetterverhältnisse und die Meeresumwelt, und die Auswirkungen auf die Schifffahrt, deren Rinnen die Flächen kreuzen, bewegen sich in einem machbaren Rahmen.

Ob frühere Entwickler der Flächen aus der Zeit vor dem Ausschreibungs-Regime Eintrittsrechte in den Auktionszuschlag haben, wird die Bundesnetzagentur erst prüfen, wenn sie die Ausschreibung vorbereitet, und zusammen mit der Ausschreibung bekanntgeben. Dies teilte die Behörde auf Anfrage mit.

Die Taktung von einem Gigawatt Zubau pro Jahr kommt den ehrgeizigeren Zielen der Ampelkoalition nicht hinterher. Diese hatte allein für 2030 eine installierte Leistung von mindestens 30.000 MW vereinbart. Derzeit stagniert der Ausbau bei 7.700 MW. Das heißt, es müssten vom laufenden Jahr bis dahin jährlich knapp 2.500 MW neu ans Netz gehen, um das Mindestziel zu erreichen. In diesem Jahr sollen aber laut Weltverband WFO gerade mal die Offshore-Bauarbeiten des 247-MW-Ostseewindparks "Arcadis Ost 1" beginnen - das am weitesten fortgeschrittene Projekt.

Bei nächster Auktion gibt es Eintrittsrecht

Das BSH hatte ebenfalls Ende Januar die Fläche N-7.2 weiter nordwestlich für geeignet erklärt, und die Bundesnetzagentur veröffentlichte daraufhin die Ausschreibung der Fläche für den 1. September 2022 (wir berichteten). Auf dem Areal direkt südlich des EnBW-Vorhabens "He dreiht" und zweier weiterer, bereits produzierender EnBW-Windparks sollen 980 MW entstehen.

Generell dürften Projektentwickler mit Vorhaben oder Parks in der direkten Nähe Kostenvorteile haben, die sie in den Ausschreibungen ausspielen können. Allerdings hat der Vattenfall-Konzern Eintrittsrechte in den Auktionszuschlag für N-7.2, teilt die Netzagentur auf Anfrage mit. Vattenfall hatte in den Jahren 2016 und 2017 die Projektgesellschaften "Erste Nordsee-Offshore-Holding GmbH" und „PNE Wind Atlantis I GmbH“ erworben, deren Entwicklungstätigkeit weit fortgeschritten war, bevor das Zuschlagsystem wechselte. Die eine Gesellschaft war bis zum Verkauf ein Gemeinschaftsunternehmen von Strabag und Etanax, die andere gehörte dem Projektentwickler PNE aus Cuxhaven. 

Inhaber von Eintrittsrechten müssen diese jeweils bis Anfang November ausüben, indem sie vor allem ihre Bereitschaft erklären, sich mit dem kWh-Preis des Zuschlags an den wettbewerblichen Bieter zufrieden zu geben. Dann nehmen sie ihm den Zuschlag ab. Diese Altrechte wurden bisher stets in Anspruch genommen.
 

Georg Eble
Redakteur
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Montag, 28.02.2022, 16:11 Uhr

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