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Enerige & Management > Smart Meter - BEE macht sich für Alternativen zum Smart Meter Gateway stark
Quelle: Fotolia/unique3d
SMART METER:
BEE macht sich für Alternativen zum Smart Meter Gateway stark
Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) hält den Einsatz von Smart Meter Gateways nicht für alternativlos. Ein Positionspapier erläutert die Gründe für diese Annahme.
 
In seinem zehnseitigen Papier greift der BEE die aktuelle Diskussion um die Weiterentwicklung der Smart Meter Gateways und den weiteren Standardisierungsprozess auf, der im sogenannten Stufenmodell vorgezeichnet werden soll. Bei der Erweiterung des Funktionsumfangs der Geräte steht vor allem die Steuerung von Verbrauchs- und Erzeugungsanlagen im Fokus.

Aus Anlass der ersten Sitzung des Ausschusses Gateway-Standardisierung beim Bundeswirtschaftsministerium (BMWi) am 9. August betonte Wolfram Axthelm: „Der verpflichtende Einbau eines Smart Meter Gateways gefährdet die Wirtschaftlichkeit gerade kleinerer PV-Anlagen und sollte auf Neuanlagen nach Markterklärung durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschränkt werden.“ Für die sichere Fernsteuerung gebe es auf dem internationalen Markt ein breites Angebot an Lösungen, so der BEE-Geschäftsführer in einer Mitteilung des Verbands.

Um seine Bedenken zu unterstreichen, verweist der BEE auf die 2013 vom BMWi bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young in Auftrag gegebene Nutzen-Kosten-Analyse, deren Annahmen dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende zugrunde liegen. Damals wurden für den Einbau und den Betrieb eines intelligenten Messsystems ein jährlicher Betrag von 300 Euro und Kosten für die Datenübertragung von 10 bis 144 Euro angenommen. Das Messstellenbetriebsgesetz hatte dann für den Messstellenbetrieb bei Erzeugungsanlagen zwischen 7 und 15 kW eine Preisobergrenze von 100 Euro festgeschrieben.

"Smart Meter Gateway darf nicht zum Nadelöhr werden"

Der BEE hält die Bereitschaft der Anlagenbetreiber, neue Systeme verbauen zu lassen, für einen wesentlichen Erfolgsfaktor der Energiewende. Daher seien die Kosten für die Anlagenbetreiber so niedrig wie möglich zu halten und auch die Akzeptanz der Digitalisierung bei den Installateuren müsse berücksichtigt werden. Diese hält der Verband für umso ausgeprägter, je einfacher die Technik zu handhaben ist. Das Smart Meter Gateway dürfe „nicht zum Nadelöhr für digitale Innovationen im Rahmen der Energiewende werden“. Gleichzeitig müssten jederzeit leistungsfähige, wirtschaftliche Breitbandkanäle genutzt werden können, um bestehende Systeme weiter betreiben und weitere Innovationen auf den Weg bringen zu können.

In seinem Positionspapier betont der Verband, die Entscheidung für den Einsatz eines Smart Meter Gateways solle immer auf Grundlage einer jeweils aktuellen Kosten-Nutzen-Analyse getroffen werden. Denn die Optionen zur Fernsteuerung seien vielfältig. Die Anwendungen, die in der Entwicklung oder auch bereits im Einsatz seien, reichten von Direktsteuerungen über Fernwirktechnik mit Standardprotokollen bis zu Gateway-Lösungen in der Cloud. „Die IT-Sicherheit wird dabei durch internationale und nationale Standards an den relevanten Schnittstellen im Gesamtsystem gewährleistet“, heißt es weiter.

Insbesondere für Bestandsanlagen sieht der Verband nicht die Notwendigkeit, ein intelligentes Messsystem einzusetzen – weder aus Anlagen- noch aus Netzbetreibersicht. Als Indiz dafür führt der BEE die annähernde Halbierung der Netzausfallzeiten im Zeitraum zwischen 2006 und 2019 an, obwohl eine jährlich wachsende Zahl von Photovoltaikanlagen ans Netz gekommen ist. Schließlich sei auch die vom BMWi im Jahr 2013 für 2032 angenommene installierte PV-Leistung – eine der Grundlagen des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende – schon fast erreicht.

Im Bestand sind laut BEE bereits in der Praxis erprobte und allgemein akzeptierte Lösungen im Einsatz. Gleichwohl erkenne der BEE die aktuelle Gesetzeslage an und wolle sich an der Diskussion um eine sinnvolle Nutzung des Smart Meter Gateways für die Steuerung von Neuanlagen beteiligen. Die Steuerungsvorgaben müssten sich allerdings immer auf den Netzanschlusspunkt beziehen, sodass dahinter eine Optimierung des Stromflusses, etwa durch das Zusammenspiel von Erzeugungsanlagen, Ladeeinrichtungen und Speichern, möglich ist. Gleichzeitig solle bei der Kommunikation von netzwirtschaftlich relevanten Steuerbefehlen nach Kategorien von Anwendungsfallgruppen differenziert werden.
 

Fritz Wilhelm
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Dienstag, 10.08.2021, 16:45 Uhr

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