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Enerige & Management > Studien - BEE entwirft Strommarktdesign für Klimaneutralität
Quelle: Fotolia / Minerva Studio
STUDIEN:
BEE entwirft Strommarktdesign für Klimaneutralität
In einer aktuellen Studie entwirft der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ein Marktdesign, dass es ermöglichen soll, Deutschland klimaneutral und sicher mit Strom zu versorgen.
 
Die aktuelle Verteilung von Kosten und Risiken für den Ausbau der erneuerbaren
Energien stoße zusehends an ihre Grenzen. Deshalb entwarf der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) ein Marktdesign, das die sinkenden Stromgestehungskosten der erneuerbaren Energieerzeugung an die Verbraucher weitergibt.

„Mit diesem Vorschlagpapier zeigen wir kurzfristige energiepolitische Maßnahmen auf, welche die Differenzkosten und somit die EEG-Umlage begrenzen“, heißt es in der Studie. Die Umlage wird nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 20 Jahre lang als Aufpreis auf den erzeugten Strom aus Wind und Sonne gezahlt, um die Anlagen zu refinanzieren.

Eigentlich sei eine Reduzierung des Stromverbrauchs unter Gesichtspunkten der Energieeffizienz ein Klimaschutzziel. Doch die sinkende Energienachfrage in
der Corona-Pandemie habe stattdessen zu steigenden Stromkosten geführt. Dies lag laut BEE am Design des Strommarktes, das dringend reformiert werden solle. „Für den Fortgang der Energiewende kann das spotmarktpreiszentrierte Strommarktsystem mittel- bis langfristig dem weiteren notwendigen Ausbau der erneuerbaren Energien bis zur Vollversorgung nicht den notwendigen Rahmen geben“, sagte Matthias Stark, Leiter Fachbereich Erneuerbare Energiesysteme des BEE.

Stabile Erlöse für erneuerbare Erzeugung

Die dargebotsabhängige Erzeugung von Wind- und Photovoltaikstrom erziele im derzeitigen Strommarktdesign nicht ausreichend Erlöse, um eine Refinanzierung der zu tätigen Investitionen angemessen am heutigen Strommarkt sicherzustellen. Hier gelte es eine Lösung zu finden, die einen ungeordneten Rückbau von Kapazitäten vermeidet und eine Stabilisierung der Energiewende als Ganzes erreicht. Nur so wären die Klimaschutzziele der Bundesregierung zu erreichen, mahnt der Verband.
 
Der BEE schlägt vor, die EEG-Umlage zu senken, das Stromsystem zu flexibilisieren und die Markterlöse von EE-Anlagen zu stabilisieren. Diese Maßnahmen können und sollten kurzfristig umgesetzt werden. Die Vorschläge wurden gemeinsam von den Instituten IZES, enervis, Energy Brainpool und IKEM entwickelt und intensiv mit den Mitgliedsverbänden sowie Mitgliedsunternehmen des BEE diskutiert und ausgewählt. Auch die vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Tennet, TransnetBW und Amprion sowie die Strombörsen EEX und EPEX beteiligten sich.
 
Präsidentin Simone Peter und Fachbereichsleiter Matthias Stark (BEE) bei der Studienpräsentation
Quelle: BEE

Die BEE-Präsidentin Simone Peter sagte: „Das bisher auf fossile Energieträger ausgerichtete System muss sich auf hohe Mengen aus fluktuierenden Energien wie Sonne und Wind einstellen.“ Anders als ähnliche Untersuchungen beziehe die BEE Studie betriebs- und volkswirtschaftliche Aspekte ein, um Versorgungssicherheit, Finanzierung der erneuerbaren Energien und Umsetzung der Sektorenkopplung zu gewährleisten. Gleichzeitig zeigten die Berechnungen, dass die mit umfassender heimischer Wertschöpfung organisierte Energiewende nahezu ohne Importe umgesetzt werden könnten.

Durch eine dezentrale, bürgernahe erneuerbare Erzeugung sowie mit erzeugungsnaher Wasserstoffproduktion, welche auf die Residuallast ausgerichtet ist, könnten langfristig erhebliche Einsparungen im Netzbetrieb entstehen. Das sollte mit flexiblem Verbrauch kombiniert werden, rät die Studie. Die Marktfähigkeit der volatilen erneuerbaren Energien sei mithilfe von marktstabilisierenden Faktoren der Sektorenkopplung wie Nutzung von Überschussstrom für Wärme oder Gaserzeugung bereits ab 2040 möglich.

Studienergebnisse kompakt

Der Kohleausstieg könne bei gleichbleibender Versorgungssicherheit wie im heutigen Rahmen zum Jahr 2030 vorgezogen werden. Aufgrund flexibel eingesetzter Bioenergie und mit Kopplung an die Gasspeicher sowie des Einsatzes elektrischer Speicher könnte fast vollständig auf den Einsatz von Wasserstoff-Gasturbinen verzichtet werden. Dies reduziere den benötigten Transformationsrahmen der deutschen Energielandschaft und ermögliche die Verlagerung des dort ansonsten eingesetzten Wasserstoffs in andere Bereiche.

Über die getroffenen Maßnahmen im Reformszenario sei es möglich, die Marktwerte der erneuerbaren Energien deutlich zu erhöhen und negative Strompreise vollständig zu verhindern. Das werde die Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien innerhalb der Förderung und somit deren klimapolitisch notwendigen Ausbau sicherstellen, schreiben die Autoren. Dazu sollten die heutigen Industrieprivilegien über Steuereinnahmen finanziert werden, die Stromsteuer auf bis zu 2 Ct/kWh sinken, und der Ausbau erneuerbarer Anlagen über Einnahmen aus der CO2-Steuer finanziert werden.

Die Strommarktstudie   steht auf der Website des BEE bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Freitag, 14.01.2022, 15:30 Uhr

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