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Enerige & Management > Erdgas - Baustart für LNG-Terminal Brunsbüttel
LNG-Tanker Tristar-Ruby. Quelle: Tristar
ERDGAS:
Baustart für LNG-Terminal Brunsbüttel
In Brunsbüttel ist mit dem Bau einer Leitung begonnen worden, die das geplante Flüssigerdgas-Terminal ans Netz anschließen soll. Auch bei den anderen LNG-Projekten geht es zügig voran.
 
Die drei Kilometer lange Pipeline soll den Liegeplatz für die schwimmende Regasifizierungseinheit (Floating Storage an Regasification Unit, FSRU) im Industriegebiet von Brunsbüttel zunächst mit dem Gasverteilnetz verbinden, sodass über sie noch in diesem Jahr Flüssigerdgas fließen kann. Sie führt im Bereich Holstendamm (Kreis Dithmarschen) ins Verteilnetz der SH Netz und hat eine Transportleistung zwischen 3,5 und 5 Mrd. m3 im Jahr.

Als weiterer Schritt ist eine 54 Kilometer lange Leitung geplant, die bis Ende 2023 einen Anschluss ans europäische Ferngasnetz ermöglicht. Sie verläuft von Brunsbüttel nach Hetlingen (Kreis Pinneberg) und soll den Transport von 7,5 Mrd. m3 Gas jährlich ermöglichen.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Gasprojekten wurde in Brunsbüttel kein Planfeststellungsverfahren, sondern ein Plangenehmigungsverfahren durchgeführt. Das war möglich, weil die Bundesregierung mit dem LNG-Beschleunigungsgesetz verkürzte Verfahren für den Bau von Flüssigerdgas-Infrastruktur auf den Weg gebracht hatte.

Bei einem Plangenehmigungsverfahren findet – im Gegensatz zum Planfeststellungsverfahren – keine Öffentlichkeitsbeteiligung statt. Allerdings waren Träger öffentlicher Belange beteiligt worden, und es bestand die Möglichkeit für Umweltverbände, Stellung zu nehmen. Auch die Genehmigung der großen Leitung erfolgt nach diesem Verfahren. Hier sind vorbereitende Arbeiten bereits zugelassen.

Zum Baustart für die kleine Leitung waren Schleswig-Holsteins Energiewendeminister Tobias Goldschmidt, der Parlamentarische Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium Stefan Wenzel (beide Grüne) und Jens Schumann, Geschäftsführer des Ferngasnetzbetreibers Gasunie Deutschland, gekommen.
  „Starke Arbeit der Genehmigungsbehörden“

Auch bei den anderen LNG-Projekten im Land geht es voran. In dem Planfeststellungsverfahren für den Bau eines LNG-Anlegers in Stade, auch an der Elbmündung, wurde der vorzeitige Beginn von ersten Teilmaßnahmen zugelassen. In Stade soll ebenfalls eines der fünf vom Bund gecharterten FSRU festmachen und von Ende 2023 an Gas ins deutsche Netz einspeisen.

Niedersachsens Energieminister Olaf Lies (SPD) hatte in dem Zusammenhang die „starke Arbeit unserer Genehmigungsbehörden“ gewürdigt, die es ermögliche, unabhängig von russischem Gas zu werden und die Versorgungssicherheit zu garantieren. Die Infrastruktur, die hier geschaffen werde, sei außerdem dazu in der Lage, grünes Gas zu importieren. Die für Stade erteilte Zulassung gilt unter anderem für das Einrichten der Baustelle, die Errichtung der Spundwände und die Wasserbaggerung zur Herstellung der Schwimmtiefe.

In Lubmin ist nach dem Ferngasnetzbetreiber Gascade die Deutsche Regas mit Arbeiten an einem weiteren LNG-Terminal an den Start gegangen. Auch hier geht es zunächst um die Schaffung eines FSRU-Liegeplatzes. Gascade arbeitet unterdessen an einer 450 Meter langen Pipeline zum Hafen.

Wie weiter bekannt wurde, hat die Regas mit Macquarie einen wichtigen Investor für das Projekt gewonnen. Macquarie Capital, der Unternehmensberatungs-, Kapitalmarkt- und Hauptinvestitionszweig der Macquarie Group, bringt sich, so Regas, im Rahmen einer ersten Minderheitsbeteiligung in das Unternehmen ein.

LNG-Terminals sind in Deutschland neben Lubmin, Stade und Brunsbüttel auch in Wilhelmshaven geplant. Das erste von zwei Terminals dort soll ebenfalls bereits in diesem Winter seine Arbeit aufnehmen, die Gasleitungen zur Anbindung werden aktuell verlegt, ebenso die Transportleitung auf See. Von den Standorten Wilhelmshaven II und Stade soll vom Winter 2023 an Flüssigerdgas importiert werden können.

Die Versorgungsunternehmen Uniper, RWE und EnBW/VNG dürfen laut Bundeskartellamt die beiden LNG-Terminals in Brunsbüttel und Wilhelmshaven zunächst exklusiv und gemeinsam bewirtschaften. Stade soll von der Hanseatic Energy Hub GmbH betrieben werden.

Umwelthilfe klagt gegen Laufzeiten

Unterdessen geht die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegen die LNG-Pipeline in Wilhelmshaven vor. Sie will erreichen, dass fossiles Erdgas durch die Röhre nur bis zum Jahr 2033 fließen darf. Danach soll sie ausschließlich für grüne Gase genutzt werden. Dies soll ermöglichen, dass die im Klimaschutzgesetz festgelegten Emissionsminderungen erreichbar bleiben, hieß es seitens der DUH. Bundesgeschäftsführer Sascha Müller-Kraenner befürchtet, dass durch eine zeitlich unbefristete Genehmigung weltweit ein Anreiz entstehen könnte, neue Erdgasfelder zu erschließen.
 

Günter Drewnitzky
Redakteur
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Freitag, 23.09.2022, 16:19 Uhr

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