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Enerige & Management > Verbände - B.KWK-Kongress: KWK als Lückenschließer
Quelle: Fotolia / Rawpixel
VERBÄNDE:
B.KWK-Kongress: KWK als Lückenschließer
Die Kraft-Wärme-Kopplung ist ein wesentlicher Teil bei der Lösung der Energiewende. Die Politik handelt aber nicht danach, so ein Kritikpunkt beim B.KWK-Jahreskongress in Berlin
 
Zum Auftakt des Jahreskongresses debattierte der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (B.KWK) bei einer energiepolitischen Podiumsdiskussion mit Politikern über aktuelle Herausforderungen der KWK. Bei der Debatte zeigte sich, dass die Politik weiß: Ohne KWK wird es nicht gehen. „Die KWK wird aber von der Politik aufgehalten“, sagte Christian Grotholt vom BHKW-Hersteller 2G Energy bei der Diskussion in Berlin am 26. September. B.KWK-Präsident Claus-Heinrich Stahl ergänzte: „Dabei können KWK-Anlagen einen wesentlichen Beitrag leisten, nicht nur um die CO2-Emissionen zu senken, sondern auch um die benötigte Residuallast bereitzustellen.“

KWK-Anlagen könnten bei Dunkelflauten – als Lückenschließer – heute schon flexibel zugeschaltet werden, wenn Wind und Sonne nicht genug Energie liefern. Sie würden zwar heute noch vor allem von Erdgas befeuert, könnten aber auch problemlos Biogas oder Wasserstoff verarbeiten, so der B.KWK-Präsident. Sie könnten auch zur dezentralen Energieversorgung eingesetzt werden und teuren Netzausbau vermeiden. Nicht zuletzt seien sie äußerst effizient sowohl zur Strom- als auch gleichzeitig zur Wärmegewinnung einsetzbar.

Allerdings müsste sich auch die KWK-Branche wandeln, betonten die beiden Podiumsgäste und Bundestagsabgeordneten Ralph Lenkert (Die Linke) sowie Bernhard Herrmann (Bündnis 90/Die Grünen) bei der abendlichen Auftaktveranstaltung zum Jahreskongress. Herrmann verwies darauf, dass die erneuerbaren Energien dringend schneller ausgebaut werden müssen.

Lenkert betonte in diesem Zusammenhang, dass dies zwar korrekt sei, aber die Regierung vergesse, dass es auch Dunkelflauten gebe und dafür in den nächsten Jahren immer mehr Residuallast benötigt werden. „Hier sollten sich KWK-Anlagen in Richtung Ersatzkraftwerke hinentwickeln – mit wenigen Stunden Laufzeit“, schlug Lenkert vor.

Die Kraft-Wärme-Kopplung brauche aber verlässliche Regeln und mehr Anreize, wenn sie zum Gelingen der Energiewende beitragen soll, betonte Stahl. Solange das nicht gewährleistet sei, werde nicht investiert. Dabei bräuchte Deutschland dringend mehr KWK-Anlagen, insbesondere für die Residuallastabdeckung. Derzeit sei das Gegenteil der Fall. Es würden Anlagen aufgrund der Gaskrise vom Netz genommen.

Dieser Residualbedarf werde bis 2050 im Umfang von 20.000 bis 40,000 MW aber weiter bestehen, so der B.KWK. Insgesamt steht laut Verband heute ein vom Wärmebedarf zeitlich entkoppeltes Stromerzeugungspotenzial für KWK von rund 24,5 Mio. kWh in Deutschland zur Verfügung. Damit biete sich die KWK insbesondere als Technologie zur Residuallastdeckung und Stromnetzsicherheit geradezu an.

KWK muss aus Erdgas aussteigen

Zu dieser geforderten Transformation gehört auch der Brennstoffwechsel, so der Tenor der Veranstaltung. Die KWK müsse aus dem Brennstoff Erdgas aussteigen. Hier zeigt sich ein Dilemma. Biogas oder Biomethan sind nur beschränkt verfügbar, Wasserstoff (noch) nicht ausreichend. Dies müsse gelöst werden, so Andreas Rimkus (SPD), Bundestagsabgeordneter sowie Stadtwerker aus Düsseldorf. Anhand des Gaskraftwerkes Fortuna der Stadtwerke Düsseldorf am Standort Lausward zeigte er wie: „Die Turbine wird derzeit H2-ready gemacht, um erst einmal rund 20 Prozent Wasserstoff verbrennen zu können. Ich bin aber überzeugt, dieses Kraftwerk läuft entweder 2045 mit 100 Prozent Wasserstoff oder ist dann nicht mehr am Netz“.

Ein weiterer Debattenpunkt war das Diskussionspapier der Bundesregierung, das vorsieht, dass ab 2024 für den Betrieb jeder neu eingebauten Heizung ein Anteil von mindestens 65 % erneuerbarer Energien gelten soll. Derzeit vermisse der B.KWK in dem Papier aber „Lösungen unter Einbezug der Kraft-Wärme-Kopplung, etwa in Kombination mit Wärmepumpen und Solaranlagen“, sagte Stahl.

Der Bundestagsabgeordnete Konrad Stockmeier (FDP) betonte, dass das 65-%-Ziel realisierbar ausgestaltet werden muss. Dazu gehöre für ihn und seine Partei sehr wohl Technologieoffenheit und dafür werde er sich einsetzen. Auch MdB-Kollege Lenkert ist der Meinung, dieses Ziel können insbesondere im Bestand nur erreicht werden, wenn auch die KWK mit Brennstoffen wie Biomethan und Wasserstoff nicht ausgeschlossen wird. 

Zum Biomethan – einem dritten Schwerpunktthema des Abends – sagte Bundestagsabgeordneter Mark Helfrich (CDU), dass es derzeit sehr viele Stellschrauben gebe, an die man ran müsse, wenn man das Potenzial von Biomethan heben will. Helfrich verwies hier als Lösungsansatz auf die Novellierung des Energiesicherungsgesetzes (EnSiG), wo Verbesserungen für die Bioenergie vorgesehen sind.

B.KWK-Präsident Stahl appellierte zum Abschluss an die Politik, unbedingt neue Anreize für den Bau neuer KWK-Anlagen zu schaffen, die den Ausbau der erneuerbaren Energien flankieren, entscheidend zur Versorgungssicherheit beitragen und die Dekarbonisierung mit vorantreiben. Für mehr KWK-Anlagen sei wesentlich, die „Ausschreibungsmengen deutlich zu erhöhen und seitens der Bundesregierung einen stabilen Rechtsrahmen zu schaffen“.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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