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Enerige & Management > Windkraft Offshore - Ausbauziele Offshore bis 2030 kosten 150 Mrd. Euro
Quelle: Fotolia / zentilia
WINDKRAFT OFFSHORE:
Ausbauziele Offshore bis 2030 kosten 150 Mrd. Euro
Die Branche fordert etliche Veränderungen im Windkraft-auf-See-Gesetz, damit der von der Bundesregierung geplante Offshore-Ausbau auf 30.000 MW Leistung bis 2030 gelingen kann.
 
Mit dem aktuellen Windkraft-auf-See-Gesetz (WindSeeG-E-2022) werde der Strom für die Industrie bis zu 20 Euro/MWh teurer, warnt der Bundesverband Offshorewind (BWO). Auf seinem Kongress „Zukunft Offshore“ in Berlin forderte Verbandsgeschäftsführer Stefan Thimm deshalb Änderungen am gerade erarbeiteten Gesetzentwurf.

Demnach sollten die Gebotskomponenten in den Auktionen für die Flächen gedeckelt, Monopolbildung vermieden, Pönalen bei unverschuldeten Verzögerungen ausgesetzt werden und Rechtssicherheit für die Planfeststellung einziehen.

Gesetz ist noch im Entstehen

Für das Bundeswirtschaftsministerium hatte der parlamentarische Staatssekretär Patrick Graichen bekräftigt, wie wichtig die klimafreundliche Stromerzeugung durch Windkraft auf See sei. Man wolle mit dem Ausbau von Offshore-Windkraft auch gleich die Wasserstofferzeugung aus dem Strom mitplanen, sagte er. Zudem bemühe sich die Bundesregierung um mehr Abstimmung mit den Meeresnachbarn, um die industrielle Infrastruktur an Leitungen, Fundamenten und Konvertern so effektiv wie möglich zu errichten.

Er gestand ein, dass für die noch nicht vom Bund vorgeplanten Flächen unklar sei, wie die Ausschreibungen gestaltet werden sollen. „Neuerdings will die Branche keine Differenzverträge mehr“, sagte Graichen. Dennoch müsse der Bund für seine werthaltigen Flächen ein Entgelt erhalten. Auktionen seien ebenso möglich wie Direktlieferverträge für den Strom (PPA) mit industriellen Abnehmern. Das müsse in den nächsten zwei Monaten im Gesetzgebungsverfahren geklärt werden.

Konkurrenz um Flächen und Materialien

„Die Branche ist bereit für den Aufbruch“, versicherte Thimm für den BWO. Er rechnet mit Investitionen von 150 Mrd. Euro bis 2030, um die vorgesehenen Anlagen zu errichten mit dann insgesamt 30.000 MW Leistung. Heute sind auf See Windturbinen mit insgesamt 7.800 MW in Betrieb. „Das wird ein enormer Konjunkturbooster“, sagte Thimm. Es werde aber auch eine große Konkurrenz auf dem Weltmarkt geben, sowohl um Rohstoffe wie Materialien und auch Flächenkonkurrenz in Nord- und Ostsee. Außerdem müssten die erneuerbaren Energieanlagen auch in ein neues Energiesystem integriert werden. Aktuell seien die Netze nicht bereit für mehr Windstrom.

„Der Gesetzentwurf des Wind-auf-See-Gesetzes ist ein Fortschritt, enthält aber keinen brauchbaren Investitionsrahmen für die Branche“, kritisierte Thimm. Das gefährde die Versorgungssicherheit vor allem der deutschen Industrie und die Bezahlbarkeit des Stroms. Der BWO ist deshalb dagegen, „dummes Geld“ in den Gebotswerten für Flächen an den Staat zu zahlen. Das würde am Ende nur den Strompreis erhöhen. Stattdessen wolle man das Geld lieber in Speicher oder Elektrolyseure zu investieren. So könne der mögliche Windstrom auch wirklich genutzt werden, auch wenn kein Platz im Netz sei.

Nachbesserungswünsche der Branche am Gesetzentwurf

Auch die vorgesehenen Pönalen im Gesetzentwurf bei Verzögerungen in der Fertigstellung der Windparks seien eine Behinderung. Wenn äußere Einflüsse wie Witterung oder Lieferengpässe die Ursache seien, müsse von den Strafzahlungen oder gar dem Verfall des Zuschlags abgesehen werden. Dies sagte die Leiterin des Referats Windenergie auf See im Bundeswirtschaftsministerium, Astrid Wirnhier, zu. "Solche Ausnahmen von den Strafzahlungen sieht das Gesetz bereits vor", versicherte sie.

Um Monopole zu verhindern, bei denen am Ende ein Anbieter den Löwenanteil aller ausgeschriebenen Flächen bebauen darf, schlägt der BWO vor, die Zuschlagsmenge auf maximal die Hälfte der Ausschreibung zu begrenzen oder 2.000 MW. „Das beugt auch dem Risiko vor, dass am Ende gar nichts gebaut wird, weil ein Anbieter sich übernommen hat“, begründete Thimm. Zudem brauche die Branche eine Fachkräfteoffensive, um genug Arbeitskräfte für die geplanten Investitionen zu haben, schloss er.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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