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Enerige & Management > Tiefe Geothermie - Aus ein paar Dutzend Anlagen müssen Tausende werden
Quelle: E&M
TIEFE GEOTHERMIE:
Aus ein paar Dutzend Anlagen müssen Tausende werden
Mehr als ein Viertel des jährlichen Wärmebedarfes könnte die Tiefe Geothermie abdecken. Wie Industrie und Kommunen das Potenzial nutzen können, hat eine Studie zusammengestellt.
 
Eine gemeinsame Roadmap   von Forschenden aus der Fraunhofer-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft zeigt auf, dass Tiefe Geothermie mehr als ein Viertel des jährlichen deutschen Wärmebedarfes − das entspricht mehr als 300 TWh oder 70.000 MW − abdecken könnte, und gibt Handlungsempfehlungen, um dieses Ziel zu erreichen. Die Roadmap wurde am 2. Februar virtuell vorgestellt. Das geothermische Potenzial ist immens. Zum Vergleich: Im Jahre 2020 lieferten bundesweit 42 Geothermie-Anlagen 359 MW installierte Wärmeleistung und 45 MW elektrische Leistung.

Beim Heizen wird größtenteils immer noch Gas und Öl genutzt. Die Regierungskoalition möchte dies ändern und strebt an, die Hälfte der kommunalen Wärme bis 2030 aus klimaneutralen Quellen zu gewinnen. „Die Klimaneutralität des Wärmemarktes zu erreichen, ist eine riesige Herausforderung“, erklärte Professor Rolf Bracke, Leiter des Fraunhofer IEG, und Mit-Herausgeber der aktuellen Geothermie-Roadmap bei der Vorstellung. Ohne die Geothermie wird das Ziel aber wohl nicht zu erreichen sein, so die Meinung der Expertinnen und Experten bei der virtuellen Konferenz.

Tiefe Geothermie sei eine Ressource, so Bracke, die Deutschland nicht nur unabhängiger machen würde von Energieimporten. Auch der Strukturwandel könnte so als Chance genutzt werden. Denn um das Potenzial zu heben, brauche es eine Vielzahl neuer Geothermie-Anlagen. Dass dafür nötige Know-how und Fachpersonal könnte künftig teils aus Branchen wie dem Bergbau kommen. Bis 2040 könnten so bis zu 100.000 Menschen in der Erdwärme-Branche arbeiten, derzeit sind es rund 20.000 Beschäftigte im Geothermie-Sektor.

Vor allem in der kommunalen Versorgung via Fernwärme sowie in der Industrie sind die Möglichkeiten groß. Geothermie sei in der Industrie vor allem für Niedertemperatur-Nutzungen unter 200 Grad Celsius gut geeignet. Während laut den Forschenden Wasserstoff und Biomasse zukünftig in erster Linie den Hochtemperatur-Bedarf der energieintensiven Grundstoffindustrie decken sollte.

Die Vorteile der Geothermie liegen dabei in der Grundlastfähigkeit und dem geringen Platzbedarf auch unter beengten innerstädtischen Verhältnissen. Jedoch sind die Anfangsinvestitionen hoch sowie die Risiken. Zum Aufbau dieser geothermalen Erzeugungsinfrastruktur für Wärme kämen auf öffentliche Haushalte und private Unternehmen in den kommenden zehn Jahren Investitionen in Höhe von bis 2,5 Mrd. Euro je Gigawatt installierter Leistung zu. Damit lassen sich wettbewerbsfähige Wärmegestehungskosten von unter 30 Euro/MWh erzielen.

Die Forschenden haben Empfehlungen erarbeitet, wie das Potenzial der Geothermie im Sinne der klimaneutralen Wärmeversorgung gehoben werden kann.

Fünf wesentliche sind:
  • Die Politik muss klare Ausbauziele festlegen und diese durch entsprechende Gesetzgebung flankieren.
  • Im Wärmemarkt sind kleine und mittlere Unternehmen wie Stadtwerke aktiv, die wirtschaftliche Risiken wie die Exploration von Tiefer Geothermie nur begrenzt tragen können. Daher braucht es Finanzinstrumente zum interkommunalen Risikoausgleich wie staatliche Versicherungen oder revolvierende Fonds, die sich an Projekten finanziell beteiligen. Zudem sollte der Bund die Bundesförderung effiziente Wärmenetze auf über 1 Mrd. Euro aufstocken.
  • Aus den ein paar Dutzend tiefengeothermischen Anlagen in Deutschland müssen Tausende werden. Dazu braucht es Investitionen der Wirtschaft in die Schlüsseltechnologien, um großindustrielle Maßstäbe zu erreichen. Die Schlüsseltechnologien sind Bohrverfahren, Reservoire-Management, Bohrlochwasserpumpen, Hochtemperatur-Wärmepumpen, Großwärmespeicher, transkommunale Verbundwärmenetze und sektorübergreifende Systemintegration.
  • Die wachsende Geothermie-Branche benötigt keine Energieimporte, sondern führt zu heimischer Wertschöpfung und schafft regionale Arbeitsplätze. Das Arbeitsmarktpotenzial liegt laut der Studie bei 5 bis 10 Personen je MW. Hier kann der Strukturwandel, etwa im Bergbau, genutzt werden.
  • Die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen benötigt gesellschaftliche Akzeptanz. Es ist daher erforderlich, mit Bürgerenergiemodellen, kommunalen Kommunikationsstrategien und transparenten Projekten alle lokalen Interessengruppen mit auf den Weg zur regionalen Wärmewende zu nehmen.
Roadmap Tiefe Geothermie für Deutschland
An der Studie beteiligt sind das Fraunhofer-Institut für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG), das Helmholtz-Zentrum Potsdam Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ), das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik (UMSICHT) sowie das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP).

Die „Roadmap Tiefe Geothermie für Deutschland“   kann als PDF über die Webseite der IEG heruntergeladen werden.
 

Heidi Roider
Redakteurin und Chefin vom Dienst
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