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Enerige & Management > Aus Der Aktuellen Zeitungsausgabe - Aus eigenem Antrieb
Quelle: E&M / Jonas Rosenberger
AUS DER AKTUELLEN ZEITUNGSAUSGABE:
Aus eigenem Antrieb
Volkswagen ist ein Beispiel dafür, wie Automobilkonzerne versuchen, mehr und mehr die Kontrolle über die Herstellung der Batteriezellen zu erlangen.
 
Noch wird in Salzgitter geforscht. Ab 2025 will der Automobilkonzern dort mit einer Belegschaft von rund 1.000 Mitarbeitern, davon 250 in Forschung und Entwicklung, eine „Volkswagen-Einheitszelle“ produzieren. Zunächst sollen in den vier Laboren der Volkswagen Group Components die Batteriezellen entwickelt sowie Materialien analysiert und auf ihre Praxistauglichkeit getestet werden. Allein dafür will VW nach eigenen Angaben rund 70 Mio. Euro investieren. Damit wird auch eine Pilotfertigungslinie aufgebaut, in der vielversprechende Innovationen direkt in Kleinserie produziert werden können.

„Mit der Eröffnung der Labore haben wir den nächsten strategischen Meilenstein erreicht. Jetzt treiben wir die Vorbereitungen für unsere eigene Zellfertigung mit aller Kraft voran“, betont Thomas Schmall, Technik-Vorstand der Volkswagen AG und Vorstandsvorsitzender der Volkswagen Group Components, der im Konzern markenübergreifend für die „Technologie-Roadmap Batterie und Laden“ verantwortlich ist.

„Perspektivisch“ sollen aus einer Gigafabrik am Standort Salzgitter Zellen mit einer Speicherkapazität von 40 Mio. kWh kommen. Mit der neuen Einheitszelle will VW nach eigenen Angaben Synergien schaffen und die Batteriekosten um bis zu 50 % senken.
 
Kooperation mit Northvolt in Schweden hat Bestand
 
Der Aufbau der Zellfertigung in Salzgitter war ursprünglich in Kooperation mit dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt geplant. Im März wurde jedoch das Ende der Zusammenarbeit bekannt. Offensichtlich glaubt man bei Volkswagen, im südöstlichen Niedersachsen ohne die Skandinavier schneller voranzukommen. Dennoch investierte der Autobauer in diesem Sommer 620 Mio. US-Dollar (rund 530 Mio. Euro) in einer Finanzierungsrunde, bei der insgesamt 2,35 Mrd. Euro zusammenkamen, in das 2016 gegründete Unternehmen und hält damit seinen bisherigen Anteil von 20 % aufrecht.

Weiterhin Bestand hat die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen im schwedischen Skelleftea etwa 800 Kilometer nördlich von Stockholm, wo der Batteriehersteller eine Gigafabrik errichten und betreiben wird. Dort soll ab 2023 die Fertigung der Zellen für das Premiumsegment des Volkswagen-Konzerns beginnen, während aus Salzgitter das Volumensegment bedient werden soll.

Die Produktion in Skelleftea, die ursprünglich auf die von Volkswagen georderten 40 Mio. kWh ausgelegt war, wird laut einer Mitteilung von Northvolt auf 60 Mio. kWh erhöht. Ein Abnehmer für die zusätzlichen Zellen steht mit Volvo schon bereit. Der schwedische Autokonzern wird Batteriezellen im Umfang von 15 Mio. kWh aus dem Norden des Landes beziehen. Daneben will er gemeinsam mit Northvolt bis 2026 eine eigene Gigafactory mit einem Produktionsvolumen von 50 Mio. kWh bauen, um seine All-Electric-Strategie umzusetzen. Darüber hinaus hat Northvolt auch mit BMW und Scania Lieferverträge geschlossen.

Neben Salzgitter und Skelleftea plant Volkswagen weitere vier Fabriken in Europa. Alle sechs Produktionsstätten sollen bis 2030 einen jährlichen Ausstoß von 240 Mio. kWh Speicherkapazität erreichen. Für den Aufbau der Gigafactories hat VW den Batteriespezialisten Sebastian Wolf verpflichtet. Es gab bislang dazu zwar keine offizielle Mitteilung des Konzerns. Wolfs Linked-In-Profil weist ihn jedoch seit August als Head of Operations Battery Cell aus. Zuvor war er beim chinesischen Zellhersteller Farasis für dessen Aktivitäten in Europa verantwortlich. Farasis selbst plant ein Werk für Batteriezellen in Bitterfeld in Sachsen-Anhalt.
 

Fritz Wilhelm
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Dienstag, 05.10.2021, 09:50 Uhr

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