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Bild: Daimler
STROMSPEICHER:
Aus alten Autobatterien werden Speicher
Neue Wege bei der Speicherung von Ökostrom beschreitet ein Gemeinschaftsunternehmen um den Automobilkonzern Daimler AG.
 
Zusammen mit der Getec-Gruppe und dem Dienstleistungsunternehmen The Mobility House nutzt Daimler künftig gebrauchte Batterien aus Elektroautos zur stationären Energiespeicherung. „Diese Zweitnutzung hilft nicht nur die Klimabilanz unserer E-Autos zu verbessern, sondern ist ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Energiewende“, betonte Konzernchef Dieter Zetsche am 3. November beim Spatenstich für den Batteriespeicher auf dem Werksgelände des Recyclingunternehmens Remondis in Lünen vor den Toren von Dortmund. Anfang nächsten Jahres soll der Speicher, der auf eine Kapazität von 13 MWh ausgelegt ist, in Betrieb gehen. „Diese Kapazität reicht aus, alle Einwohner Lünens eine Stunde lang mit Strom zu versorgen“, erklärte Zetsche. In der Stadt am östlichen Rand des Ruhrgebiets leben etwa 85 000 Einwohner.
 
In dem sogenannten Second-Use-Speicher, dem derzeit weltweit größten seiner Art, werden im ersten Schritt vor allem rund 650 Lithium-Ionen-Module eingesetzt, die aus der E-Smart-Testflotte stammen. Auf einer Art Hochregallager in einer eigens gebauten Halle werden die Akkus gelagert und zusammengeschaltet. „Genau diese Zweitnutzung macht den eigentlichen wirtschaftlichen Kick aus“, erläuterte Karl Gerhold, Chef der Getec-Gruppe, in Lünen, „mit neuen Batterien lägen die Kosten spezifisch doppelt so hoch.“ Für das kommende Jahr plant Getec deshalb nach seinen Worten zwei weitere Speicher-Projekte.
 
Zusammen mit Mobility House wird Getec den Speicher betreiben. „Den Strom wollen wir vor allem an den Regelenergiemärkten vermarkten“, so Gerhold. Er sieht in diesen Speichern mit gebrauchten Auto-Batterien einen neues Geschäftsfeld mit Perspektive: „Die Zahl der Elektroautos wird sicherlich, wenn auch nicht so schnell wie politisch gewünscht, steigen, sodass für eine weitere Nutzung der Betriebsakkus das Volumen größer wird.“ In der Regel tauschen die Autohersteller die Batterien aus, wenn sie etwa zu 20 Prozent entladen sind. „Dann können wir sie weitere zehn Jahren nutzen“, so Gerhold. Erst danach ist das Recycling der Batterien vorgesehen, ein Grund, warum die Remondis-Gruppe als weiterer Partner in das Projekt mit eingestiegen ist. „Bei uns im Haus laufen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, wie sich diese Batterien künftig am besten wiederverwerten lassen“, ließ Klemens Rethmann, Chef der Remondis-Gruppe, durchblicken.
 
Für Daimler-Chef Zetsche rundet diese geplante Wiederverwertung der Batterien das positive Bild der Elektromobilität an. Angesicht der steigenden Nachfrage rechnet er mit weiter sinkenden Preisen für Speichersysteme: „Für das kommende Jahr gehen wir von einem Rückgang in Höhe von 20 Prozent aus.“ Mit dem Second-Use-Speicher sind Daimler, Getec, The Mobility House und Remondis nicht allein auf weiter Flur unterwegs. Für das kommende Jahr hat auch BMW zusammen mit Bosch und Vattenfall ein Speicher-Projekt mit Altbatterien in Hamburg angekündigt. Mit einer Leistung von 2 MWh ist das Projekt aber um einiges kleiner als das in Lünen.
 

Ralf Köpke
© 2018 Energie & Management GmbH
Mittwoch, 04.11.2015, 10:16 Uhr

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