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Bild: Fotolia.com, XtravaganT
KWK:
Auf Wachstumskurs
Nach drei Jahren hat sich die Onergys GmbH mit ihrem Onlineshop, über den gängige Ersatzteile für KWK-Anlagen bestellt werden können, national und international etabliert.
 
Zum gleichen Schritt haben sich noch nicht so viele Kommunen in Nordrhein-Westfalen entschlossen: Im Oktober 2013 hat der Stadtrat von Geldern beschlossen, dass die 33 000-Einwohner-Gemeinde am Niederrhein bis zum Jahr 2050 schrittweise klimaneutral werden soll.

Stephan Waerdt hätte nichts dagegen, wenn auf dem Weg dahin vor Ort einige Blockheizkraftwerke auf Biomethan-Basis zum Einsatz kämen. Denn so könnten sich der Maschinenbauingenieur und die Mitarbeiter aus seinem Team auf das in dieser Region gängige Verkehrsmittel, nämlich das Rad, schwingen, um Ersatzteile für die Power-Maschinen vorbeizubringen.

Seit Ende 2013 betreibt Waerdt in seiner Heimatstadt Geldern mit Onergys (Online Energy Services) die bundesweit erste Web-Plattform für Blockheizkraftwerke und dezentrale Energietechnik. „Der Schritt, für Geschäfte rund um die BHKW-Technik das Internet zu nutzen, war einfach überfällig“, sagt er rückblickend. Bei Onergys liegt der Fokus weniger auf dem Verkauf von komplett neuen oder gebrauchten BHKW, vielmehr geht es um Ersatz- und Verschleißteile. Mit Dichtungen, Filtern, Zündkerzen und -kabeln, Turboladern oder Zylinderköpfen gibt es da bekanntlich so einiges.
In den hierzulande überschaubaren BHKW-Kreisen ist Waerdt kein Unbekannter: Nach mehrjährigen Stationen bei "G.A.S. Energietechnik" und Pro2 Anlagentechnik managte er in den Jahren 2009 bis 2013 als Geschäftsführer die Deutsche KWK-Holding, unter deren Dach die Firmen Pro2 und Seva Energie operierten. Bis Sommer dieses Jahres gehörte Waerdt neben seiner Tätigkeit für Onergys auch für mehr als zwei Jahre interimsmäßig dem Vorstand von Schnell Motoren AG an, die nach einer Sanierung in Eigenverwaltung Mitte Oktober einen neuen Investor aus Tschechien gefunden haben.
 
Profitieren mit ihrem Onlineshop von einem Umbruch im KWK-Servicegeschäft: Geschäftsführer Stephan Waerdt und Prokurist Jens Bodem von Onergys
Bild: Onergys GmbH
 

Dank seiner Branchenkenntnis hatte sich Waerdt vor gut dreieinhalb Jahren dafür entschieden, mit einem Start-up-Unternehmen einen neuen Weg zu gehen. „Viele Hersteller sind in den vergangenen Jahren schnell gewachsen und haben sich nicht ausreichend um das Servicegeschäft mit Ersatz- und Verschleißteilen gekümmert“, umreißt Waerdt seine Existenzgrundlage. Mit dem Versprechen, Ersatzteile günstig, zuverlässig und rund um die Uhr mit einem 24/7-Service zu liefern, ist Onergys an den Start gegangen – ein Versprechen, das bis heute nicht gebrochen wurde.

Zugriffszahlen und Shop-Aufträge gehen deutlich nach oben

Das kann Jens Bodem, Prokurist und in dem fünfköpfigen Team zuständig für das Tagesgeschäft, mit den Zugriffszahlen untermauern. Die Onergys-Seite wurde in diesem Jahr bis Mitte Oktober bereits mehr als 55 000 Mal aufgerufen, ein Plus von über 71 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Daraus ergaben sich 847 Shop-Aufträge, was einen Zuwachs von mehr als 87 Prozent bedeutete. „Wir haben nach wie vor eine Reihe von Kunden, die sich vorab in unserem Shop über unser Angebot und die Preise informieren, dann aber per Fax oder Telefon bestellen“, erzählt Bodem, der mit Waerdt bereits bei Pro2 zusammengearbeitet hat. Die Geschäfte laufen gut, für dieses Jahr wird ein Umsatz von gut 4 Mio. Euro erwartet. Das Umsatzwachstum liegt bei über 30 Prozent, was für schwarze Zahlen in der diesjährigen Bilanz sorgen wird.

Diese Entwicklung wie auch der positive Start in den ersten Geschäftsjahren basieren auf den Überlegungen, sich nicht nur auf den deutschen BHKW-Markt zu konzentrieren. „60 Prozent unseres Umsatzes erwirtschaften wir im Ausland“, sagt Bodem, „abgesehen von Neuseeland haben wir bereits in fast alle bekannteren größeren Länder weltweit Pakete verschickt.“ Zur Zufriedenheit der Kunden: Retouren gibt „es praktisch keine“, sagt Bodem, „hin und wieder verklickt sich ein Kunde bei der Bestellung, das kommt aber höchst selten vor“.

Um zu zeigen, dass der Bekanntheitsgrad im Ausland deutlich gestiegen ist, erzählt Bodem immer wieder gerne folgende Anekdote: „Um ein paar Ersatzteile zu bekommen, ist ein Kunde aus Japan eigens zu uns ins Lager nach Geldern gekommen. Seinem mehrtägigen Aufwand für Flug, Übernachtung und Mietwagen stand ein Warenwert von lediglich 2 500 Euro gegenüber.“

Zusätzlich zu den Exportaktivitäten versucht Onergys auch den heimischen Markt auszubauen. Mit dem Geschäft für die erdgasbefeuerten KWK-Anlagen und den annähernd 18 000 Motoren in Biogasanlagen sei das Marktvolumen groß genug, sagt Waerdt, „damit können wir und auch die Hersteller von den After-Sales-Aktivitäten im deutschen Markt durchaus leben.“

Weitere Ideen im Köcher

Der Wert des mit mehr als 1 500 verschiedenen Artikeln gut gefüllten Ersatzteillagers liegt im mittleren sechsstelligen Euro-Bereich, sagt der Geschäftsführer. Was so manchen etablierten Motorenhersteller durchaus ärgert. „Da wir deren Vertriebsstrukturen unterlaufen, bekommen wir von einigen Unternehmen keine Original-Ersatzteile mehr geliefert“, berichtet Waerdt, „deshalb müssen wir einige dieser Komponenten im Ausland einkaufen und verstärkt auf Alternativteile gehen.“
Ein Dorn im Auge sind Motorenherstellern insbesondere die von Onergys vertriebenen eigenen Produktreihen beispielsweise für Zündkerzen, Öl- oder Luftfilter. „Da gibt es schon Preisdifferenzen von 25 Prozent und mehr“, erklärt Waerdt. So ist bei Onergys eine Zündkerze für einen gängigen Motorentyp für gut 280 Euro zu haben, der entsprechende Hersteller verlangt 430 Euro. Bei einer Zwölf-Zylinder-Maschine, bei der die Zündkerzen zwei- bis dreimal im Jahr gewechselt werden müssen, lässt sich so einiges sparen.

Mit dem Onlineshop profitiert das Unternehmen von einem Umbruch im Servicegeschäft von KWK-Anlagen. Größere Betreiber beschäftigen oft eigenes Personal. Zudem gibt es eine Reihe von regional tätigen, herstellerunabhängigen Serviceanbietern. „Angesichts des Kostendrucks zählt bei allen nur der Preis und alle brauchen schnell verfügbare Ersatzteile“, sagt Waerdt.

Um sein Geschäft auf breitere Füße zu stellen, denkt der Niederrheiner über den Aufbau eigener Ländergesellschaften in Frankreich und Italien nach. Außerdem besteht die Überlegung, als neuer Vertragspartner des bekannten Filterherstellers Mann den Web-Service auch auf andere Motoren, die beispielsweise auf Booten eingesetzt werden, auszuweiten. „Ideen haben wir einige“, so Waerdt. Und vielleicht klappt es eines Tages, per Fahrrad Ersatzteile für ein in Geldern laufendes Blockheizkraftwerk auszuliefern.
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 03.11.2016, 16:15 Uhr

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