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Enerige & Management > Unternehmen - Atomkraftwerke bleiben bei Eon
Bild: Eon
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Atomkraftwerke bleiben bei Eon
Betrieb und Rückbau der Kernkraftwerke bleiben bei Eon und gehen nicht auf das neue Unternehmen Uniper über. Zudem rechnet der Konzern im dritten Quartal mit Wertberichtigungen in Milliardenhöhe.
 
Uniper wird die Atomkraftwerke nun doch nicht übernehmen. Einem entsprechenden Vorstandsbeschluss habe der Aufsichtsrat des Unternehmens am 9. September einstimmig zugestimmt. Der Konzern betreibt bundesweit drei aktive Kernkraftwerke und hält Minderheitsbeteiligungen an drei weiteren. Der Anteil der deutschen Kernenergie am heutigen Erzeugungsportfolio liegt bei rund 8 %, hieß es von Eon. „Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor. Denn wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten“, sagte Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen.
 
Auf der Hauptversammlung am 7. Mai hatte Teyssen noch angekündigt, dass die Kraftwerkssparte auf Uniper übergehe. Damit wären auch die Rückstellungen für die deutschen Meiler in Höhe von rund 14,5 Mrd. Euro auf das neue Unternehmen übergegangen. Teyssen verwies nun auf die aktuelle Diskussion um die Gesetzesinitiative für ein Haftungsgesetz. Insbesondere das Risiko einer gesetzlich verankerten Entkopplung zwischen Haftung und unternehmerischem Einfluss sei nicht tragbar. Zugleich wies der Vorstandschef Vorbehalte zurück, dass sich der Konzern seiner Verantwortung für die Kernenergie entledigen wolle. Teyssen: „Die Kernenergie war nie ein wesentlicher Treiber für die Entwicklung der Konzernstrategie und der daraus folgenden Aufspaltung des Unternehmens.“ Aufgrund des politisch beschlossenen Ausstiegs bis 2022 stelle die Kernenergie in Deutschland ohnehin seit Jahren kein strategisches Geschäftsfeld mehr dar.

Atomkraftwerkssparte nennt sich wieder PreussenElektra

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hält eine Ausweitung der Haftungsregelungen für notwendig und hat Anfang September einen Referentenentwurf für das Gesetz „zur Nachhaftung für Rückbau- und Entsorgungskosten im Kernenergiebereich“ vorgelegt. Dieser soll noch im September vom Kabinett verabschiedet werden. Demnach sollen „herrschende Unternehmen“ (das heißt: die Muttergesellschaften) „für sämtliche gegenwärtigen und zukünftigen öffentlich-rechtlichen Zahlungsverpflichtungen eines Betreibers“ haften, die die Stilllegung und den Rückbau sowie die Beseitigung der radioaktiven Abfälle betreffen, wenn der Betreiber diese Zahlungsverpflichtungen nicht erfüllt.
 
Das Geschäft mit der Kernenergie bleibt zwar bei Eon, wird aber künftig unter dem Namen „PreussenElektra“ in Hannover gesteuert. Damit lebt ein früherer Unternehmensname wieder auf: Unter der Marke PreussenElektra hatte die Eon-Vorläuferin Veba Kernkraftwerke gebaut und betrieben. PreussenElektra werde die drei noch aktiven Kernkraftwerke "solide und verantwortungsvoll bis zum Ende der Laufzeit betreiben und unseren Verpflichtungen für Rückbau und Entsorgung uneingeschränkt nachkommen", sagte Teyssen. Rund 2 300 Eon-Mitarbeiter werden demnach nicht zu Uniper wechseln.

Der Konzern wird sich nach eigenen Angaben ab dem kommenden Jahr von Essen aus mit weltweit rund 43 000 Mitarbeitern wie geplant auf erneuerbare Energien, Netze und Kundenlösungen konzentrieren. Uniper mit Sitz in Düsseldorf werden zum 1. Januar 2016 die Geschäfte in den Bereichen europäische und internationale Stromerzeugung sowie der globale Energiehandel mit knapp 14 000 Mitarbeitern zugeordnet.
 
Die Situation bei der konventionellen Stromerzeugung werde schwierig bleiben. Darauf wies Eon-Finanzchef Michael Sen hin. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich der Ölpreis fast halbiert, der Kohlepreis sei stark verfallen und auch im Stromhandel würden Tiefststände markieren. Das habe erhebliche Auswirkungen auf konventionelle Geschäftsfelder. Deshalb ergebe sich für „das laufende Quartal ein voraussichtlicher Wertberichtigungsbedarf im höheren einstelligen Milliarden-Euro-Bereich.“ Hierbei handelt es sich laut Eon zu einem nicht unerheblichen Teil um Abschreibungen von Firmenwerten. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Verlust von 3,2 Mrd. Euro verbucht. Dies ist der höchste Fehlbetrag seit der Unternehmensgründung vor 15 Jahren. Damals schlossen sich die beiden Mischkonzerne Veba und Viag mit ihren Energietöchtern PreussenElektra und Bayernwerk zur Eon-Gruppe zusammen.
 

Heidi Roider
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Donnerstag, 10.09.2015, 10:47 Uhr

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