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Enerige & Management > Interview - "An den heutigen Strukturen festzuhalten, würde uns viel Geld kosten"
Bild: Fotolia, BillionPhotos.com
INTERVIEW:
"An den heutigen Strukturen festzuhalten, würde uns viel Geld kosten"
Im Gespräch mit E&M gibt EWE-Chef Stefan Dohler über die Pläne des Konzerns zur Klimaneutralität und zum Ausbau der erneuerbaren Energien Auskunft.
 
Die Energie- und Klimapolitik der Bundesregierung würde Stefan Dohler mit der Schulnote 3 bewerten. Gut und ambitioniert sei sie zwar gestartet. „Kurzfristig hat sie aber zu wenig auf die Straße gebracht, was langfristig zu den gewünschten Erfolgen führen würde“, sagte der EWE-Vorstandsvorsitzende im Gespräch mit E&M.

Bis Ende dieses Jahrzehnts werde der Stromverbrauch vor allem im Rahmen der Wärmeversorgung und der Elektrifizierung des Verkehrs deutlich stärker zunehmen, als das Bundeswirtschaftsministerium bislang eingeräumt habe. Deshalb seien weitaus ambitioniertere Ausbauziele bei den erneuerbaren Energien notwendig. Die Konzepte, die in Berlin erdacht werden, scheitern dann allerdings in der Praxis am mangelhaften Zusammenspiel von Bund und Ländern, betont Dohler und gibt ein Beispiel: „Es kann doch nicht sein, dass EWE und auch andere Investoren fünf bis sieben Jahre auf die Genehmigung eines Windparks warten müssen.“
 
EWE-Vorstandschef Stefan Dohler
Bild: EWE

EWE hat angekündigt, bis 2035 die Aktivitäten, die der Konzern selbst beeinflussen kann, klimaneutral zu stellen. Vertriebsseitig sollen mehr klimaneutrale Produkte ins Angebot kommen, die dann, so hofft Dohler, bei den Kunden auch eine entsprechende Resonanz hervorrufen. Bei Produkte und Dienstleistungen, die der Konzern einkauft, sollen zumindest massive Emissionseinsparungen erreicht werden. Hier spricht der EWE-Chef von einer Reduktion um 50 %.

Die Entscheidung für den Klimaschutz ist eindeutig

Dass sich diese Bemühungen in steigenden Preisen für die Kunden niederschlagen, hält Dohler für eine „Mär“ und erklärt. „Wir sehen, dass die Erzeugung grüner Energien zunehmend preiswerter wird. Parallel gibt es auch marktwirtschaftliche Möglichkeiten, diesen Ökostrom zu verbraucherfreundlichen Preisen anzubieten.“ Das Energiewendeprojekt „Enera“ habe gezeigt, dass das Zusammenspiel von Grünstromerzeugung und Netzeinspeisung an vielen Stellen noch optimierungsfähig ist. Allerdings, so räumt er ein, werde es kein Zurück mehr zu vermeintlich billigem Kohlestrom geben. „Allein die steigenden Preise im Emissionshandel werden dafür sorgen, dass regenerativ erzeugter Strom für die Verbraucher preiswerter wird“, ist Dohler sicher und hofft dabei, dass die Politik noch für eine Entlastung der Ökostrompreise von „unnötigen“ Umlagen.

EWE müsse zwar Geld verdienen. Das Unternehmen kann es sich nach Dohlers Überzeugung jedoch nicht leisten, als Energieversorger ohne ambitioniertes Klimaziel aufzutreten. „An den heutigen Strukturen festzuhalten, würde uns viel Geld kosten, beispielsweise bei den Gesprächen mit Banken, wenn es um die Finanzierung neuer Projekte geht“, betont er. Deshalb sei die Entscheidung für den Klimaschutz eindeutig. Wie schnell er aber realisiert werde, hänge letztlich auch von der Politik und den Kunden ab.

Mit der Wasserstoffstrategie der Bundesregierung „als ersten Aufschlag“ ist Dohler durchaus einverstanden. Wichtig sei allerdings, dass endlich die Phase der Reallabore beendet werde und die Skalierung der Wasserstofferzeugung beginne. Dazu will EWE, das seinen Sitz in Oldenburg hat, mit eigenen Projekten beitragen und auch das eigene Gasnetz für den Wasserstofftransport nutzen. Damit werde die Region zu einem wichtigen Hub für die Wasserstoffwirtschaft.

Das vollständige Interview mit Stefan Dohler, der auch zu einem neuen Joint Venture Stellung nahm, gibt es in der neuen Print-Ausgabe von E&M.
 

Fritz Wilhelm
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Freitag, 26.02.2021, 17:08 Uhr

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