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Enerige & Management > Stromnetz - Amprion warnt vor steigenden Netzkosten durch Erneuerbaren-Ziel
Bild: Tom Bayer, Fotolia
STROMNETZ:
Amprion warnt vor steigenden Netzkosten durch Erneuerbaren-Ziel
Beim Übertragungsnetzbetreiber Amprion sieht man angesichts des Erneuerbaren-Ziels für 2030 erhöhten Netzausbaubedarf und warnt vor weiter steigenden Redispatch-Kosten.
 
Der Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers Amprion Hans-Jürgen Brick verwies auf einer Veranstaltung des BDI auf die bereits im vergangenen Jahr aufgelaufenen Netzengpass-Bewirtschaftungskosten der ÜNB von bundesweit insgesamt 1,5 Mrd. Euro. Bei einem Erneuerbaren-Anteil von 65 %, wie er im Koalitionsvertrag von Union und SPD festgelegt ist, fürchtet der Amprion-Geschäftsführer einen weiteren enormen Anstieg. „Der ungezügelte Zubau verheißt für die Zukunft mit Blick auf die Kosten nichts Gutes“, sagte Brick in Berlin.

Zudem hält er es für möglich, dass wegen des Ökostrom-Ausbaus zusätzlich zu den geplanten drei Stromautobahnen, die Windstrom aus dem Norden des Landes in den Süden transportieren sollen, noch weitere zwei Nord-Süd-Trassen benötigt würden. „Ich weiß nicht, wer von Ihnen glaubt, dass diese zwei Trassen noch kommen“, so Brick.

Für gesicherte Leistung sorgen

Wichtig ist für ihn angesichts der Netzengpässe der Aufbau „bezahlter gesicherter Leistung“. Der Amprion-Geschäftsführer verwies darauf, dass bereits 2020 national nicht mehr ausreichend gesicherte Leistung zur Verfügung stehe: „Die Unterdeckung beträgt etwa ein Gigawatt.“ Er warnt davor, sich zum Ausgleich auf Importe aus den Nachbarländern zu verlassen, denn diese hätten, wie etwa Frankreich, selbst oft Probleme, ihre Versorgung zu sichern.

Zwar ist laut Brick der beginnende Kohleausstieg bereits Planungsprämisse für den Netzentwicklungsplan: Darin werde der Wegfall von 50 % der Kohlekapazitäten bis 2030 unterstellt. Den Amprion-Manager treibt aber die Sorge um, „dass es vielen nicht schnell genug gehen kann und das setzt unser Netz noch weiter unter Stress.“ Brick fordert, „den Ausbaupfad für die erneuerbaren Energien und das Netz zusammen zu betrachten“.

Sektorkopplung als Lösung

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Andreas Rimkus, der als Elektromeister bei den Stadtwerken Düsseldorf „selber Netze baut“, wie er betont, zeigt sich angesichts der Netzprobleme weniger pessimistisch. „Ich glaube, die Zukunft liegt in der Sektorkopplung“, sagt er. Dabei sieht er noch eine Perspektive für die fossile Verbrennung in hocheffizienten KWK-Anlagen. Auch Brick räumt ein: „Natürlich muss man auch als Netzbetreiber Überlegungen zum Thema Sektorkopplung anstellen.“

Dabei spiele die Gas-Infrastruktur eine wichtige Rolle. Auch Rimkus sieht Gas als „Puffermedium“, wobei er für die Nutzung des Überschussstroms insbesondere auf Power-to-Gas (PtG) setzt, denn man solle den Strom „hochkalorisch halten und nicht breit treten wie Quark“.
 

Angelika Nikionok-Ehrlich
Redakteurin
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Dienstag, 05.06.2018, 10:01 Uhr

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