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Enerige & Management > Klimaschutz - Amprion diskutiert ein klimaneutrales Energiesystem
Quelle: Fotolia / Coloures-Pic
KLIMASCHUTZ:
Amprion diskutiert ein klimaneutrales Energiesystem
“Systemvisionen 2050” für ein klimaneutrales Energiesystem entwarf der Übertragungsnetzbetreiber Amprion mit vielen Partnern aus Energiebranche und Klimaschutz am 17. Mai in Berlin.
 
Wie kann das klimaneutrale Energiesystem der Zukunft aussehen? Deutschland will schon bis 2045 keine Treibhausgase mehr ausstoßen, doch welche Rolle sollen erneuerbare Erzeugung, mehr Effizienz, Wandel im Wärmebereich und Verkehr dabei spielen? Zu diesen Fragen diskutierten Vertreter von Energiebranche und Umweltschutz am 17. Mai in Berlin. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hatte zur Tagung “Systemvision 2050” eingeladen. Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Brick sagte, viele Partner hätten Entwürfe beigetragen für die neue Vernetzung aller Energiebereiche.

“Wir brauchen ein Zielbild für das künftige System”, sagte Brick, damit auch künftig Energieversorgung sicher und bezahlbar bleibe. Dafür müsse das gesamte Energiesystem integriert betrachtet und betrieben werden. Amprion habe dafür eine neue Schaltzentrale für das Stromnetz in Betrieb genommen und eine Simulation entwickelt, die alle Energiebereiche auch Wärmeversorgung und Verkehr miteinander abstimmt. Er überreichte die Ergebnisse der 14 verschiedenen Systementwürfe an Patrick Graichen.
 
Hans-Jürgen Brick, Vorstandsvorsitzender der Amprion (l.), übergibt die Entwürfe für das Energiesystem 2050 an Staatssekretär Patrick Graichen
Quelle: EMVG/Harmsen
 
Für das Bundeswirtschaftsministerium erläuterte Staatssekretär Graichen die Vorstellungen der Politik zum künftigen Energiesystem. Der Ausbau der erneuerbaren Erzeugung auf 80 % des Stromverbrauchs von 750 Mrd. kWh im Jahr 2030 und der Netze sei im Osterpaket bereits entworfen. Trotz des Krieges in der Ukraine und der Notwendigkeit, kurzfristig fossile Brennstoffe aus neuen Quellen zu beschaffen, werde die Klimaneutralität nicht aus dem Auge verloren, versicherte Graichen. Mehr Strom im Wärme- und Verkehrsbereich und für die Elektrolyse von Wasserstoff würde den Strombedarf bis 2045 auf bis zu 1 Billion kWh treiben, sagte er.

Bundesländer, die nicht genug erneuerbaren Strom bereitstellen, würden künftig nicht mehr attraktiv als Industriestandorte sein, warnte Graichen. Für die Wärme im Ein- und Zweifamilienhausbereich prognostizierte er eine elektrische Zukunft, ebenfalls für den Pkw-Verkehr. Der Netzausbau für Industriestandorte entscheide sich zwischen Strom und Wasserstoff. Der Bedarf des fossilen Erdgasnetzes werde zurückgehen, da erneuerbares Methan nur in geringen Mengen hergestellt werden würde, prognostizierte Graichen.

Integrierter Netzplan muss kommen

Für die komplexen Entwürfe eines integrierten Netzes aller Energiebereiche habe die neue Bundesregierung noch keine Zeit gefunden. Sie bedürften auch des Inputs aller Akteure, lud Graichen ein. “Wir müssen an einigen Stellen Entscheidungen treffen und können an anderer Stelle Freiheiten lassen”, sagte er. Grundlage müsste auch ein neues Marktdesign sein, das kosteneffizient die Allokation von Erzeugung und die Flexibilität auch der Verbraucher verbindet. Dafür bleibe nicht viel Zeit, gab Graichen zu, weil in Kürze über die Standorte für Elektrolyseure und neue Gaskraftwerke entschieden werden muss.

Diskussion über die Rolle von Effizienz und Importen

In der Diskussion erläuterten die Teilnehmer, wie sie jeweils auf ihre Vision des künftigen Energiesystems gekommen sind. Sie habe Probleme damit, weiter auf Energieimporte aus aller Welt zu setzen, sagte Nadine Bethge, stellvertretende Leiterin Energie und Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Natürlich müsse Europa in gegenseitigem Austausch seine Energieversorgung sichern, aber an erster Stelle sollten mehr Effizienz und Energiesparen stehen, appellierte sie. "42 Mio. Elektroautos sind zuviel, mehr öffentlicher Verkehr muss entwickelt werden", rief sie auf. Auch die Wohnfläche könne nicht immer größer pro Person werden, sonst sei die Wärmewende nicht möglich, sagte Bethge.

Auch Hans-Wolf von Koeller, Leiter Energiepolitik der Steag, zeigte sich skeptisch, ob genug Wasserstoff importiert werden könne. In erster Linie solle man auf selbst erzeugten erneuerbaren Strom setzen und möglichst viel Wasserstoff selbst erzeugen. Auch für die Batterien der elektrischen Welt müssten viele Rohstoffe importiert werden. Da schon heute viele Investitionsentscheidungen zu treffen wären, sei es wichtig, schnell den Rahmen zu bekommen.

Das Modell von Amprion habe keine Exporte einkalkuliert, das sei aber Teil eines europäischen Energiesystems. "Wir können nicht unendlich Erzeugungsspitzen erzeugen und Lasttäler", warnte von Koeller. Das mache das Energiesystem entweder instabil oder viel zu teuer. Die Industrie könne zum Teil wegen ihrer Prozesse wie in der Chemie nicht flexibel auf die Erzeugung reagieren, weiß er aus Gesprächen mit der Branche.

Markus Keimling, Teamleiter Energieversorgung der Fraport AG, beklagte, der Flughafen versuche, mehr eigenen PV-Strom zu erzeugen, werde aber durch die Genehmigungsbehörden gehindert.

Die verschiedenen Entwürfe der "Systemvision 2050"   stehen im Internet bereit.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 17.05.2022, 12:43 Uhr

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