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Enerige & Management > Politik - Altmaier korrigiert Stromziel nach oben
Quelle: Screenshot E&M
POLITIK:
Altmaier korrigiert Stromziel nach oben
Das Bundeswirtschaftsministerium geht von einer höheren Strommenge für 2030 aus als bisher angenommen. Es sollen nun 655 Mrd. kWh sein.
 
Wie viel Strom verbraucht Deutschland im Jahr 2030? An dieser Frage haben sich in jüngster Zeit erhebliche Debatten entzündet. Eine entsprechende Abschätzung ist wichtig, um den zusätzlichen Bedarf an Erneuerbare-Energien-Anlagen hierzulande zu prognostizieren. Für die Umstellung auf E-Autos, elektrische Wärmepumpen und die (grüne) Wasserstoffproduktion ist zusätzlicher Ökostrom nötig ist. Kritiker warfen in der Vergangenheit daher Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vor, die benötigte Menge an Ökostrom zu verkennen. Der ließ nun nachrechnen.

Auf der Grundlage einer Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos aus dem vergangenen Jahr plante die Bundesregierung bislang mit einem Bruttostromverbrauch von 591 Mrd. kWh im Jahr 2030. Zum Vergleich: 2020 lag der Stromverbrauch bei 545,3 Mrd. kWh. Wie Altmaier in einer Pressekonferenz sagte, hätten sich im vergangenen Jahr einige Parameter verändert. So habe die EU-Kommission angekündigt, ihr Klimaziel auf 55 % weniger Treibhausgase bis 2030 zu erhöhen. Auch habe die Bundesregierung unter anderem wegen des Urteils des Bundesverfassungsgerichts das Klimaschutzgesetz verschärft.

„Vor dem Hintergrund habe ich im Juni eine Neuberechnung beauftragt“, sagte Altmaier. Das Prognos-Institut habe nun eine erste Einschätzung bekannt gegeben, die Studie mit den genauen Zahlen werde im Herbst übermittelt. Bis 2030 geht Prognos von einer Bandbreite beim Strombedarf von 645 Mrd. bis 665 Mrd. kWh aus. „Der Mittelwert liegt bei 655 Milliarden Kilowattstunden.“

"Realistischere Prognose längst überfällig"

Grundlage waren dabei 14 Mio. Elektroautos und 6 Mio. elektrisch betriebene Wärmepumpen im Jahr 2030. „Und natürlich gehen wir auch davon aus, dass die Prognosen für den grünen Wasserstoff nach oben korrigiert werden.“ Altmaier stellt sich dabei eine installierte Kapazität von 5.000 MW an Wasserstoffelektrolyseuren vor und geht davon aus, dass hierzulande 2030 etwa 19 Mrd. kWh Wasserstoff hergestellt werden. „Das ist ungefähr ein Drittel mehr als die 14 Mrd. kWh, die in der Nationalen Wasserstoffstrategie bereits geplant sind.“

Der Energieverband BDEW begrüßte in einer Mitteilung die Ankündigung des Wirtschaftsministers, kritisierte aber das Tempo: „Eine realistischere Prognose des Strombedarfs ist längst überfällig. Es ist schon seit Langem klar, dass mehr Strom benötigt wird. Die Bundesregierung hätte ihre Prognose schon viel früher anpassen können.“ Der BDEW bleibt zudem bei seiner Prognose von 700 Mrd. kWh, die er Ende Juni vorgestellt hat.

Auch andere Energieverbände und Institute sehen den Stromverbrauch 2030 deutlich höher als bislang vom Bundeswirtschaftsministerium prognostiziert. Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) rechnete in einem im April vorgestellten Szenario mit 740 Mrd. kWh Strombedarf.

Die Politikberatung Agora Energiewende kam im Oktober 2020 noch auf einen Bruttostromverbrauch von 643 Mrd. kWh.

 

Stefan Sagmeister
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