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Enerige & Management > Erdgasfahrzeuge - Alternative zum Diesel
Bild: Bild: ADAC
ERDGASFAHRZEUGE:
Alternative zum Diesel
Die Shell AG will mit LNG den Diesel im Straßengüterverkehr ersetzen. Es gibt allerdings auch Kritik an der Technologie.
 
Der Gütertransport auf der Straße hat einen erheblichen Anteil an den steigenden CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Obwohl die spezifischen Emissionen pro Tonnenkilometer durch bessere Motoren, Abgastechnik und Kraftstoffqualität gesunken sind, haben dem Umweltbundesamt zufolge die Gesamtemissionen des Straßengüterverkehrs zwischen 1995 und 2020 um 22 % zugenommen. Da eine Optimierung der Diesel-Technologie immer schwieriger und teurer wird, diskutiert man intensiver über Alternativen.

Eine davon ist Wasserstoff, eine andere LNG (Liquified Natural Gas). Wasserstoff sei eher eine Technologie für morgen, sagte Jochen Momberger. Dagegen sei LNG eine schon heute verfügbare Technologie, um den Betrieb schwerer LKW umweltfreundlicher zu machen, so der Business-Development-Manager von Shell im Rahmen der Online-Konferenz GVS Connect 2021.

LNG besteht hauptsächlich aus Methan. Aufgrund der hohen Energiedichte – die Verflüssigung des Gases bei minus 162 Grad Celsius verringert das Volumen um das 600-fache – sei LNG bestens geeignet, um einen LKW zu bewegen, erklärte Momberger. Der Energiegehalt von 0,72 Kilogramm LNG entspreche dem von 1 Liter Diesel. Gleichzeitig lasse sich durch den Einsatz von verflüssigtem Erdgas – wenn es verbrannt wird – eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um rund 22 % erreichen.

Angesichts der rund 200.000 Sattelzugmaschinen hierzulande und einer Laufleistung von mehr als einer Million Kilometern gibt es also ein beträchtliches Potenzial für Emissionsminderungen. Allerdings hängt, wie bei der Elektromobilität, die Attraktivität der Kraftstoffalternative LNG von den Tankmöglichkeiten ab. „Man braucht ein paneuropäisches Netz von Tankstellen, damit sich die Technologie im Fernverkehr durchsetzen kann“, betonte Momberger.

Shell plant 35 bis 40 LNG-Tankstellen in Deutschland

Shell hat von Spanien bis Polen einen Korridor mit LNG-Tankstellen gezogen. „Mit der Shell-Tankkarte kann man mittlerweile an 60 Stationen in Europa tanken“, versicherte der für die Entwicklung des LNG-Geschäfts im Verkehr hierzulande Verantwortliche. In Deutschland sind aktuell neun Stationen in Betrieb. Bis Ende dieses Jahres sollen es 22 sein. „Die Baugenehmigungen liegen schon vor“, so Momberger. Insgesamt plant der Konzern im Inland ein Netz von 35 bis 40 Stationen, die alle an den Hauptverkehrsrouten liegen werden. Dies werde zunächst einmal für eine gute Versorgung im internationalen Fernverkehr ausreichen. Die Internetseite der Deutschen Energie-Agentur (Dena) listet aktuell knapp 50 öffentliche LNG-Tankstellen, die in Deutschland in Betrieb sind, auf.

Die Versorgungskette mit LNG sei stabil, versicherte Momberger, die Technologie erprobt, die Motoren sparsamer als die Dieselantriebe und vor allem leiser. Ein solcher LKW klinge eher wie ein Golf als wie ein schwerer Sattelzug. Zwar seien dessen Anschaffungskosten höher als die eines Dieselfahrzeugs. Doch der geringere Verbrauch, die niedrigeren Kraftstoffpreise und nicht zuletzt die Mautbefreiung führen in der Vollkostenbetrachtung zu einer höheren Wirtschaftlichkeit des LNG-LKW, erklärte er, ohne seine Kalkulation jedoch im Detail zu erläutern.

Im Hinblick auf die Umweltvorteile ist das Öko-Institut in einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamts von 2020, im Gegensatz zu den Verantwortlichen von Shell, weit weniger überzeugt. Auf der Internetseite der Behörde ist sogar von „Ernüchterung“ die Rede. Grundsätzlich seien Gasmotoren im Wirkungsgrad schwächer als Selbstzünder. Außerdem entweiche beim Umgang mit LNG sowohl am Fahrzeug als auch in der Kraftstoffbereitstellung Methan. Auch geringe Mengen schlagen sich deutlich in der Gesamtbilanz nieder, da Methan rund 25 Mal klimaschädlicher als CO2 ist. Die Gesamtbilanz der LNG-Lkw verschlechtere sich weiter, falls zunehmend Fracking-Erdgas zum Einsatz komme.

Momberger ist durchaus klar, dass angesichts der klimapolitischen Herausforderungen noch größere Anstrengungen notwendig sind. Deshalb sei auch eine CO2-Reduktion von 22 % noch nicht ausreichend. Shell werde daher Biomethan ins Gasnetz einbringen. In Köln-Godorf will das Unternehmen eine Methanverflüssigungsanlage mit einer Jahreskapazität von 100.000 Tonnen bauen, an der dann – bilanziell gesehen – die entsprechende Menge an grünem LNG wieder entnommen wird. Anfang 2023 soll die Anlage in Betrieb gehen. Der Transport an die Tankstellen wird dann mit eigenen LNG-betriebenen Tankfahrzeugen erfolgen.
 

Fritz Wilhelm
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Donnerstag, 04.02.2021, 17:06 Uhr

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