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Enerige & Management > IT - Alternative Breitband-Anbieter hoffen auf Regulator
Bild: Fotolia.com, Dreaming Andy
IT:
Alternative Breitband-Anbieter hoffen auf Regulator
Der flächendeckende Ausbau mit schnellen Internetzugängen auf Basis von Glasfasern in Deutschland droht im Keim erstickt zu werden. Ein Regulierungsantrag der Deutschen Telekom käme einer Re-Monopolisierung gleich, kritisierten Vertreter der Breitband-Branche auf einer Fachtagung in Darmstadt.
 
„Wir werden uns von unserem Weg nicht abbringen lassen“, zeigte sich Stephan Albers, Geschäftsführer des Bundesverbandes Breitbandkommunikation (Breko) zum Auftakt der Breko Breitbandmesse am 28. April in Darmstadt kämpferisch. Der Verband, der die Interessen von 130 lokalen und regionalen Telekommunikationsunternehmen, Stadtwerken und Kabelnetzbetreibern vertritt, hat sich den Claim „Wir bauen die Netze!“ auf die Fahnen geschrieben. Neben den Ballungszentren wollen die Verbandsmitglieder insbesondere auch den ländlichen Raum mit leistungsfähigen Glasfaseranschlüssen auf Basis einer überwiegend eigenen Infrastruktur versorgen. Diese Pläne kommen nun aber ins Stocken: Derzeit wartet die Breitband-Branche auf einen Konsultationsentwurf der Bundesnetzagentur zum VDSL Vectoring im Nahbereich. Ende Februar hatte die Deutsche Telekom einen entsprechenden Antrag gestellt, mit dem sie sich die Exklusivität für den Einsatz des Vectorings in einem Radius von 550 Metern um die rund 7 900 Vermittlungsstellen in Deutschland sichern möchte. Das VDSL Vectoring ist eine Erweiterung des DSL-Netzes, mit dem insbesondere in ungeschirmten Kabelbündeln die Übertragungsrate deutlich gesteigert werden kann. „Der Antrag muss zurückgewiesen werden, alles andere wäre ein unzulässiger Eingriff in den Infrastrukturwettbewerb“, kritisierte Breko-Präsident Norbert Westfal. Er ist zugleich Geschäftsführer der EWE Tel GmbH und sieht die Gefahr, dass der Telekom-Antrag den alternativen Carriern die Geschäftsgrundlage entziehen würde. „Das kommt einer Re-Monopolisierung gleich“, so Westfal. Auch Albers forderte, dass die Telekom ihren Antrag zurückziehen, oder die Bundesnetzagentur diesen zurückweisen müsse. „Für den flächendeckenden Ausbau bringt der Telekom-Antrag gar nichts“, sagte Albers.

Nach Einschätzung der Branchenexperten könne die VDSL-Technologie lediglich die Bedarfsanforderungen bei privaten Kunden erfüllen, Geschäftskunden benötigen vor dem Hintergrund des digitalen Wandels aber Glasfaseranschlüsse. Prof. Dr. Jürgen Anders, Lehrstuhlinhaber digitale Medien an der Uni Furtwangen forderte, in der Diskussion die Technologieneutralität um den Aspekt der Zukunftssicherheit zu erweitern. „Mit der bisherigen Technologie sind die Breitband-Ausbauziele der Bundesregierung nicht zu erreichen“, sagte Anders. Er unterstrich, dass der kommunale Netzausbau die Unabhängigkeit der Kommunen und den Wettbewerb unter den Betreibern sichert. Beim Vergleich der Technologien müsse berücksichtigt werden, dass der vergleichsweise teure Aufbau von Glasfasernetzen zwar teurer sei. Dieser sei aber letztlich ein Ausbau im Endstadium, während beim VDSL Vectoring lediglich ein erster Schritt umgesetzt werde, dem weitere Technologieschritte folgen müssten, verdeutlichte Anders. Um die steigende Nachfrage nach Breitband-Verbindungen befriedigen zu können, seien die Glasfasernetze das Mittel der Wahl. Dies unterstrich auch der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Rene Obermann, „Wir glauben an die stark steigende Nachfrage im Festnetz“, so Obermann. Er forderte die Netzbetreiber auf, jetzt zu investieren und von den enormen Wachstumschancen zu profitieren. Dabei würden sich High-Speed-Mobilfunk- und Glasfaser-Netze optimal ergänzen. „Die Glasfaser muss komplett ausgebaut werden“, machte Obermann deutlich.

Für die zweitägige Branchentagung des Breitbandverbandes Breko haben sich rund 600 Teilnehmer und 80 Aussteller angemeldet. Neben den aktuellen politischen und regulatorischen Fragestellungen diskutieren sie auch ergänzende Geschäftsmodelle für den flächendeckenden kommunalen Breitband-Ausbau.
 

Kai Eckert
Redakteur
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Mittwoch, 29.04.2015, 10:23 Uhr

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