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Enerige & Management > Windkraft Onshore - Alte Windturbinen bei Direktvermarktern beliebt
Bild: Fotolia/Felix brönnimann
WINDKRAFT ONSHORE:
Alte Windturbinen bei Direktvermarktern beliebt
Auch Statkraft Markets bietet den Windmüllern Lösungen an, deren Anlagen ab Anfang 2021 nach 20 Jahren aus der EEG-Vergütung fallen.
 
Für die Hamburger Windmesse im September, der weltweit größte Branchentreff der Windkraftbranche, zeichnet sich neben dem politischen Gerangel um die Sonderausschreibungen mit dem Weiterbetrieb der Altanlagen ein weiteres Topthema an. Für diese sogenannten Ü20-Anlagen, die ab Anfang 2021 nach teilweise mehr als 20-jähriger Förderung keine Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz erhalten und sich danach weitestgehend über die Börsenstromerlöse finanzieren müssen, bieten immer mehr Unternehmen Lösungen an. Nun auch Statkraft Markets.

Denn es eröffnet sich ein durchaus nennenswerter Markt: Nach derzeitigem Stand werden bis Mitte der 2020er Jahre etwa 16 000 MW Windkraftleistung aus der EEG-Vergütung fallen, das sind rund ein Drittel der heute installierten Kapazität. Wie viele von diesen Anlagen, die technisch gesehen durchaus noch mehrere Jahre lang weiterbetrieben werden können, hängt allein von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab.

Dass auch Statkraft Markets, der hierzulande größte Direktvermarkter von Strom aus EEG-Anlagen die Post-EEG-Windturbinen ins Visier genommen hat, überrascht nicht wirklich. Aktuell hat die Deutschland-Dependance des norwegischen Energiekonzerns nach eigenen Angaben rund 9 000 MW Windkraftleistung in der Direktvermarktung. „Wir führen bereits seit Wochen Gespräche mit potentiellen Kunden“, bestätigte Andreas Bader, Leiter Vertrieb und Produktentwicklung, gegenüber E&M. Vom eigenen Kundenstamm fällt rund 15 Prozent des derzeitigen Windkraftportfolios mit Beginn des Jahres 2021 aus der EEG-Vergütung. „Die Resonanz bei diesen Gesprächen war durchweg positiv“, so Bader.

Einzelheiten, mit welcher Vergütung die Windmüller von Post-EEG-Anlagen bei einer künftigen Zusammenarbeit rechnen können, will Bader indes nicht sagen. „Der Preis wird jeweils individuell berechnet und hängt stark von der jeweiligen Anlage ab und davon, welche Risiken der Windkraftanlagenbetreiber selbst übernehmen will“, sagt der Statkraft-Manager. Zu den Risiken zählt Bader unter anderem technische Risiken, die Ertrags- und Einspeiseprognose oder die Kosten für die Ausgleichsenergie. „Die Preisfindung ist unter dem Strich schwieriger als bei der reinen Direktvermarktung.“

Für die sich abzeichnende Post-EEG-Phase in der Windbranche kommen immer mehr Angebote auf den Markt: Bereits auf der letztjährigen Husumer Windmesse hatte die EWE AG interessierten Windmüllern ein finanzielles Angebot vorgelegt: Bei einer Kooperation ist für die Altanlagenbetreiber eine Grundvergütung von 2,2 Ct/kWh vorgesehen. Sollte der Börsenpreis höher liegen, werden die zusätzlichen Einnahmen im Verhältnis 70:30 zwischen Betreiber und EWE geteilt. Jüngst legte MVV Trading mit einem Fixpreismodell nach, das eine Vergütung von etwa 3,3 Ct/kWh vorsieht.

Einen anderen Weg gehen die Stadtwerke München, die mit ihrem neu gegründeten Tochterunternehmen Hanse Windkraft alte Windparks aufkaufen und auf eigenes Risiko weiterbetreiben will. Diesen Weg will Andreas Bader für Statkraft Markets nicht gänzlich ausschließen, betont aber: „Unser Fokus liegt auf der Stromvermarktung.“ Für den Stromhandelsexperten lohnt es sich, den Wert dieser Altanlagen zu erhalten: „Wir haben auf jeden Fall die Expertise und die Erfahrung, unseren Kunden zu ermöglichen, ihre Ü20-Anlagen ohne staatliche Förderung wirtschaftlich zu betreiben.“
 

Ralf Köpke
© 2019 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 12.07.2018, 15:57 Uhr

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