• Noch viel Luft nach oben
  • Schleswig-Holstein genehmigt 100 abschaltbare Blinklichter
  • "Die größten Kritiker sind unsere Beschäftigten"
  • Provisorische Lösungen nach der Hochwasserkatastrophe
  • Bund gibt Rekordmittel für energetische Gebäudesanierung
  • Zahl der Beschäftigten für den Umweltschutz
  • Strom, Erdgas und CO2 überwiegend fester
  • Europäische Gaspreise mit deutlichem Plus
  • VDE-Initiative bringt Normungs- und KI-Experten zusammen
  • Solar- und Windparks auf Bergbauflächen geplant
Enerige & Management > Österreich - Alpenrepublik muss grünen Wasserstoff importieren
Bild: Fotolia.com, YuI
ÖSTERREICH:
Alpenrepublik muss grünen Wasserstoff importieren
Langfristig braucht Österreich 1 Mio. Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr. Mit der landeseigenen Ökostromproduktion ist das nicht darstellbar, hieß es bei einer Tagung in Wien.
 
Nach Berechnungen des Stromkonzerns Verbund wird Österreich 2050 rund 1 Mio. Tonnen grünen Wasserstoff benötigen. Mittels Erzeugung im eigenen Land ist diese Menge indessen schwerlich aufzubringen. Das betonte Rudolf Zauner, beim Verbund für das Thema Green Hydrogen zuständig, bei einer Podiumsdiskussion am 16. Juni, zu der der Fachverband Gas-Wärme (FGW) als gesetzliche Vertretung der österreichischen Gaswirtschaft eingeladen hatte.

Zauner erläuterte, mithilfe eines Wasserkraftwerks mit 1.000 MW Leistung ließen sich pro Jahr etwa 180.000 Tonnen grüner Wasserstoff erzeugen. Um 1 Mio. Tonnen davon bereitzustellen, benötige man folglich Wasserkraftwerke mit rund 5.500 MW. Das Problem: Die gesamte Kraftwerkskette des Verbunds an der Donau hat eine Leistung von lediglich rund 2.500 MW. „Das heißt, wir müssten die Donau-Kraftwerkskette klonen. Es dürfte klar sein, dass das nicht funktionieren wird“, konstatierte Zauner.

Folglich müsse der Wasserstoff importiert werden. Letzten Endes handle es sich bei der Frage der Importe um ein gesamteuropäisches Problem. Zu dessen Lösung sei daher eine „europäische Wasserstoffinfrastruktur“ nötig. Und gerade das gut ausgebaute österreichische Netz an Erdgasfernleitungen könne dabei eine wesentliche Rolle spielen. Nicht zuletzt dies gilt als Hintergrund dafür, dass der Verbund vom Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV 51 % des Fernleitungsbetreibers Gas Connect Austria (GCA) übernahm – ein Thema, das Zauner allerdings nicht ansprach.

KWK auf Wasserstoff umstellen

Der Obmann des FGW und stellvertretende Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, Peter Weinelt, erläuterte, sein Unternehmen halte das Thema grüner Wasserstoff für äußerst wichtig und habe daher eine eigene Firma zu dessen Bearbeitung gegründet, die Wiener Wasserstoff GmbH. Unter anderem befassten sich die Wiener Stadtwerke mit der Errichtung von Elektrolyseanlagen und der Einführung von Wasserstoffbussen in den städtischen Verkehrsbetrieben.

Ferner würden die Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK) der Wien Energie, die dem Stadtwerkekonzern untersteht, schrittweise auf den Betrieb mit Wasserstoff umgestellt. Dies sei nicht nur für die Dekarbonisierung der Stromversorgung der Stadt Wien von maßgeblicher Bedeutung, sondern auch für deren Fernwärmeversorgung. Einen Zeitplan für die Umstellung der auch für die gesamtösterreichische Stromversorgung wichtigen Wiener KWK-Anlagen nannte Weinelt bei der Podiumsdiskussion nicht.

Speicher als Wettbewerbsvorteil

Der FGW wiederum bemüht sich laut Weinelt, der österreichischen Politik das Thema Energiespeicherung nahezubringen. Österreichs unterirdische Erdgasspeicher seien grundsätzlich in der Lage, genug grünen Wasserstoff aufzunehmen, um mit seiner Hilfe den gesamten jährlichen Strombedarf des Landes zu decken. Das Zusammenwirken der Gasspeicher, der Pumpspeicherkraftwerke in den Alpen sowie der überregionalen Strom- und Gasleitungen gebe Österreich infolge der sicheren Energieversorgung „einen erheblichen internationalen Wettbewerbsvorteil, den wir nutzen sollten“.

Auch sei bekanntlich geplant, die Ökostromproduktion in Österreich bis 2030 um etwa 50 % beziehungsweise 27 Mrd. kWh pro Jahr zu erhöhen. Dadurch könne sich in den Sommermonaten eine zeitweilige Überproduktion ergeben, die dem Doppelten der Jahreshöchstlast entspreche. Für den Winter müsse dagegen mit Fehlmengen in ähnlicher Größe gerechnet werden.

Bewältigen lasse sich dieses Problem nur, indem mit überschüssigem Ökostrom grüner Wasserstoff erzeugt und in die Gasspeicher eingespeist wird. „Wir werden daher gut beraten sein, in den Wasserstoff zu gehen, ob wir ihn nun in reiner oder in methanisierter Form nutzen“, konstatierte Weinelt.
 

Klaus Fischer
© 2021 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 17.06.2021, 10:49 Uhr

Mehr zum Thema