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Enerige & Management > Regenerative - Allzeithoch bei Marktwerten für Ökostrom
Quelle: Fotolia / Simon Kraus
REGENERATIVE:
Allzeithoch bei Marktwerten für Ökostrom
Erstmals, seit es sie gibt, sind die Marktwerte für deutschen Wind- und Solarstrom zweistellig in Cent pro kWh gewesen. Auch die Steigerung innerhalb eines Monats war ein Allzeitrekord.
 
Die Marktwerte für deutschen Wind- und Solarstrom sind im September auf Monatsbasis um mehr als die Hälfte auf erstmals zweistellige Ziffern in Cent pro kWh oder dreistellige Zahlen in Euro pro MWh hochgeschnellt. Dies geht aus Zahlen hervor, die die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) am 8. Oktober veröffentlicht haben.

Demnach kletterte der Marktwert von Windkraft an Land gegenüber August um 62 Prozent auf 11,754 Cent pro kWh oder 117,54 Euro pro MWh. Bei Offshore-Wind ergab sich im September ein Plus von 63 Prozent auf 12,25 Cent pro kWh. Solarstrom (Photovoltaik, PV) stieg wertmäßig um 53 Prozent auf 11,715 Cent pro kWh an.

Sowohl die absoluten September-Werte als auch die monatliche Steigerungsrate, prozentual und absolut, stellen einen Allzeitrekord seit 2012 dar, seit es "Marktwerte" gibt. Vor Juni 2021 waren diese regulatorisch und für die Integration der Erneuerbaren in den Energiemarkt wichtigen Rechengrößen nie über 6 Cent gestiegen

Aber was besagen hohe Marktwerte?
  • Erstens, dass der von den ÜNB auf der Börse Epex Spot zwangsvermarktete Ökostrom im September tatsächlich im Schnitt 117,15 bis 122,50 Euro pro MWh wert war. Die Sorge, dass Wind- und Solarstrom den Großhandelspreis verderben und gar negative Preise heraufbeschwören, ist damit fast perdu. Denn die Marktwerte sind die durchschnittlichen Vermarktungserlöse für geförderten Wind- und Solarstrom, jeweils für jede bedeutende Quelle einzeln: Wind onshore, offshore und PV. Das heißt, Erneuerbaren-Anlagen erlösten im September weit mehr Geld, als sie kosteten. Die EEG-Vermarktungserlöse sind von der allgemeinen Rallye im Stromgroßhandel mit nach oben gezogen worden.
  • Zweitens: Hohe Marktwerte heißen: niedrige bis null Marktprämie. Denn die Marktwerte werden monatlich von dem sogenannten "Anzulegenden Wert" (AW) abgezogen, um die "Marktprämie" auszurechnen. Die bekommen jene Anlagenbetreiber, die in der Direktvermarktung plus Marktprämie sind. Der Anzulegende Wert ist das gewichtete Durchschnittsergebnis der jeweils letzten technologiespezifischen Ausschreibung.
    Beispiel: Die Wind-onshore-Ausschreibung im Mai - die Ergebnisse für September sind noch nicht veröffentlicht - ergab gemittelt 5,91 Cent für Neuprojekte oberhalb von 750 kW Anschlussleistung. Zieht man davon 11,754 Cent Marktwert ab, kommt für September eine negative Zahl heraus. Laut Gesetz heißt das: Es gibt für Windkraft an Land in der Marktprämie im September eben keine Marktprämie. Dass diese Windparks gar nicht an den Ausschreibungen teilgenommen haben, sondern längst in Betrieb sind, spielt keine Rolle.
  • Drittens: Hohe Marktwerte, die hohe Ökostrom-Vermarktungserlöse widerspiegeln, entlasten die Stromrechnungen der Haushalte und Kleingewerbetreibenden über das EEG-Konto gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz. In jenen Monaten, in denen sie die Marktprämie übersteigen oder gar die Fixvergütungssätze, dreht sich das EEG-Konto ins Plus. Seit diesem Januar ist es in den schwarzen Zahlen, und das Guthaben hat - außer im Juni und im Juli - jeden Monat bis einschließlich August zugenommen. Für September ist dies erst recht zu erwarten. Erneuerbaren-Branchenkreise gehen schon davon aus, dass sich damit die EEG-Umlage ohne Weiteres von derzeit netto 6,5 auf 3 bis 4,5 Cent pro kWh senken lässt.
 

Georg Eble
Redakteur
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Montag, 11.10.2021, 16:08 Uhr

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