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Steigende Ölpreise könnten die Nachfrage nach Elektroautos in Europa beschleunigen. Eine Studie von Allianz Trade verweist zugleich auf Defizite bei Ladepunkten und Stromnetzen.
Die aktuelle Energiekrise könnte die Elektromobilität in Europa schneller vorantreiben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade mit Hauptsitz in Paris. Nach Einschätzung von Allianz Trade gewinnen Elektroautos durch die gestiegenen Ölpreise weiter an wirtschaftlicher Attraktivität im Vergleich zu Verbrenner-Fahrzeugen.
Im ersten Quartal 2026 erreichte der Marktanteil batterieelektrischer Fahrzeuge laut der Untersuchung neue Höchststände. So lag in der Europäischen Union der Anteil bei 19
Prozent, in Deutschland bei 23
Prozent und in Frankreich bei 28
Prozent. Allianz Trade bewertet die Entwicklung als Hinweis darauf, dass steigende Kraftstoffpreise den Wandel im Verkehrssektor beschleunigen könnten.
Guillaume Dejean, Analyst bei Allianz Trade, sieht vor allem wirtschaftliche Gründe für diesen Trend. „Jede Ölpreiskrise ist ein Turbo für die Elektromobilität – nicht aus Ideologie, sondern aus rein wirtschaftlichem Denken“, sagte er laut einer Mitteilung des Unternehmens. Elektroautos verursachten derzeit fünf- bis siebenmal niedrigere Energiekosten als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Ohne Netzausbau, Industriepolitik und langfristige Planungssicherheit werde der Effekt jedoch nicht dauerhaft sein, so Dejean weiter.
Besonders in Deutschland steige laut Studie der finanzielle Druck auf Autofahrer. Kraftstoffpreise von mehr als zwei Euro pro Liter träfen auf höhere Kosten für Reparaturen, Wartung und Ersatzteile. Diese Ausgaben seien seit 2021 europaweit um 20 bis 37
Prozent gestiegen. Laut Allianz Trade wenden Haushalte in Deutschland inzwischen 7 bis 8
Prozent ihres verfügbaren Einkommens für die Autonutzung auf. Bei einkommensschwächeren Gruppen liege der Anteil teilweise bei mehr als 11
Prozent.
Batteriepreise sinken weiterNach Einschätzung der Studienautoren nähert sich die Elektromobilität zudem einem wirtschaftlichen Wendepunkt. Die Preise für Lithium-Ionen-Batterien seien seit 2010 um 93
Prozent gefallen und könnten bis 2030 auf 60 bis 70
US-Dollar (umgerechnet 51 bis 59 Euro) pro kWh sinken. Auf diesem Niveau würden Elektrofahrzeuge in vielen Segmenten günstiger als Verbrenner, auch ohne staatliche Förderung, heißt es in der Studie.
Hazem Krichene, Senior-Klimaökonom bei Allianz Research, der volkswirtschaftlichen Analyse-Einheit von Allianz Trade, bewertet diese Entwicklung. Er sieht sie als entscheidend für den weiteren Markthochlauf der Elektromobilität. Förderprogramme könnten den Hochlauf zwar beschleunigen, aber keine wettbewerbsfähige Technologie ersetzen, meint er.
Gleichzeitig verweisen die Studienautoren auf strukturelle Probleme beim Ausbau der Infrastruktur. Europa verfüge derzeit über rund 1,1
Millionen Ladepunkte. Damit liege die EU deutlich unter dem Ziel der Europäischen Kommission von 3,5
Millionen Ladepunkten bis 2030. Nur 16
Prozent der bestehenden Anlagen seien Schnellladepunkte.
Konkurrenzkampf mit KI um NetzkapazitätenNach Darstellung der Studie könnten nicht nur fehlende Ladepunkte, sondern auch die Stromnetze zum Engpass werden. Allianz Research verweist dabei auf den steigenden Strombedarf von Rechenzentren für Anwendungen mit künstlicher Intelligenz. Dieser Verbrauch könnte bis 2030 in der Europäischen Union um fast 65
Prozent steigen und damit zunehmend mit der Elektromobilität um Netzkapazitäten konkurrieren.
Für die europäische Automobilindustrie verschärft sich laut Allianz Trade zugleich der Wettbewerbsdruck. Chinesische Hersteller hätten ihren Marktanteil in Europa inzwischen auf rund 7
Prozent erhöht und verstärkten den Preiswettbewerb. Zudem bleibe die Branche anfällig für Lieferkettenprobleme, insbesondere bei Halbleitern. Moderne Elektrofahrzeuge benötigten zwei- bis dreimal mehr elektronische Komponenten als ältere Verbrennermodelle.
Die 13-seitige Studie
„Automotive: Will the Middle East crisis supercharge EV momentum?“ ist über die Internetseite von Allianz Trade abrufbar.
Freitag, 8.05.2026, 15:34 Uhr
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