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Enerige & Management > Wasserstoff - Alliander heizt Wohnhäuser mit Wasserstoff
Quelle: Shutterstock / Alexander Limbach
WASSERSTOFF:
Alliander heizt Wohnhäuser mit Wasserstoff
In einem Pilotprojekt testet das Energienetzunternehmen den Einsatz von Wasserstoff zur Beheizung von Wohngebäuden. Besonders für ältere Häuser könnte die Lösung interessant sein.
 
Häuser, die schwer zu isolieren sind und für die eine elektrische Wärmepumpe nicht infrage kommt und Wohnviertel, die nicht ans Fern- oder Nahwärmenetz angeschlossen werden können: Für Alliander sind verschiedene Szenarien denkbar, in denen Wasserstoff zur Beheizung von Wohngebäuden genutzt werden könnte. Ein großer Vorteil dieser Lösung sei, so das Unternehmen in einer Mitteilung, dass sich die bereits im Boden vorhandenen Gasleitungen für den Transport des Wasserstoffs zu den Haushalten nutzen ließen.

Ob und wie effizient das in der Praxis tatsächlich möglich ist, testet Alliander in Kooperation mit mehreren Partnern nun in der niederländischen Gemeinde Lochem in der Provinz Gelderland, 40 Kilometer westlich von Enschede. Zwölf denkmalgeschützte Gebäude werden dort zunächst bis zum Jahr 2025 über das bestehende Erdgasnetz mit Wasserstoff beheizt.

Die Vorbereitungen dafür waren umfangreich, so Alliander. Zunächst habe der Gasversorger Westfalen Gassen Benelux eine Anlage gebaut, in der Wasserstoff in das bestehende Gasnetz eingeführt werden kann. In dieser sogenannten Einspeiseanlage werde der Druck des Wasserstoffs geregelt und mit einem Geruchsstoff versehen, da Wasserstoff von Natur aus geruchlos ist. Dann wurden die Häuser, wo weit das möglich war, besser isoliert und die vorhandenen Heizkessel durch Wasserstoffkessel von Remeha ersetzt. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben der weltweit erste Hersteller von zertifizierten, 100-prozentigen Wasserstoffkesseln. Darüber hinaus seien in der Straße zusätzliche Gasleitungen verlegt worden, damit die nicht am Pilotprojekt teilnehmenden Häuser weiterhin mit Erdgas versorgt werden können.

Eigens geschulte Monteure

Die Wartung des Wasserstoffnetzes soll durch den Netzbetreiber Liander, der zu Alliander gehört, erfolgen. Hierfür sei bereits Anfang 2022 eine Gruppe von Monteuren in einem eigens dafür errichteten Gebäude zu Demonstrations- und Schulungszwecken, dem „Wasserstoff-Haus“ in Apeldoorn (ebenfalls Provinz Gelderland) speziell zum Thema Wasserstoff geschult worden. Anfang September hätten die Monteure ihre Prüfungen bestanden.

Das Pilotprojekt in Lochem sei auf eine Laufzeit von drei Jahren angelegt, sodass in kalten Winter-Monaten ausreichend Erfahrungen gesammelt werden können, teilte Alliander mit. Diese würden dann mit anderen Netzbetreibern geteilt, die Folgeprojekte mit mehr Einwohnern planen. Auf diese Weise solle das Verständnis dafür wachsen, wie Wasserstoff die Nachhaltigkeit bestehender Häuser, die nur schwer zu isolieren sind, ergänzen könne.

In Deutschland läuft bereits seit Oktober ein Pilotprojekt in Holzwickede bei Dortmund, bei dem drei Gewerbeimmobilien über das bestehende Erdgasnetz mit Wasserstoff versorgt und beheizt werden (wir berichteten).
 

Katia Meyer-Tien
Redakteurin
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Donnerstag, 01.12.2022, 15:14 Uhr

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