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Enerige & Management > Stromnetz - Alliander fordert Regelung für Netzübergabe
Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
Alliander fordert Regelung für Netzübergabe
Auch wenn sie den Kampf um die Konzession verloren haben, rücken viele Alt-Betreiber die Strom- und Gasnetze nicht heraus. So wird der Wille des Gesetzgebers ausgehebelt.
 
Der Vorstandsvorsitzende der Berliner Alliander AG, Ton Doesburg, spricht sich dafür aus, die zügige Übertragung von Energienetzen nach einem Konzessionswechsel rechtlich sicherzustellen. „Für mich sieht es so aus, dass sich die etablierten Netzbetreiber abgesprochen haben, Strom- und Gasnetze einfach nicht herauszurücken, auch wenn sie die Konzession verloren haben“, sagt Doesburg. „Wir haben in den vergangenen Jahren rund um Berlin elf Konzessionen gewonnen. Aber wir haben noch kein einziges Netz erhalten. Eon und die Netzgesellschaft Berlin-Brandenburg (NBB; d. Red.) lassen sich immer neue Vorwände einfallen, warum wir die Netze nicht bekommen.“ Zu den von Alliander gewonnenen Konzessionen gehören unter anderem Hennigsdorf, Brieselang, Dallgow , Mühlenbecker Land und Eberswalde. Durch die Blockade-Haltung der alten Netzbetreiber werde der Wille des deutschen Gesetzgebers ausgehebelt, dass die Kommunen bei der Vergabe ihrer Netzkonzessionen etwas zu sagen haben sollen.

Die Alliander AG ist einer der Bieter für die Strom- und für die Gaskonzession in Berlin. Das Unternehmen mit Sitz in der deutschen Hauptstadt ist eine hundertprozentige Tochter der niederländischen Alliander NV, die mit über 3,3 Millionen Kunden der größte Betreiber von Strom- und Gasnetzen in den Niederlanden ist. Eigentümer sind holländische Provinzen und Kommunen.
Nach Doesburgs Vorstellungen sollte eine „Netzübertragungsverordnung“ des Bundes regeln, dass spätestens 18 Monate nach dem Gewinn einer Konzession der alte Betreiber das Strom- oder Gasnetz an den neuen Betreiber übergeben muss. „Wenn sich bis dahin die Unternehmen nicht über den Kaufpreis haben einigen können, dann stellt ein Gericht den Wert des Unternehmens fest“, schlägt Doesburg als Inhalt der Verordnung vor. „Die Rechtslage ist klar: Das Netz muss übertragen werden - und zwar zum Ertragswert und nicht zum Wiederbeschaffungswert.“

Die Argumente, warum Netzübertragungen von den großen deutschen Konzernen hinausgezögert würden, seien meist nur vorgeschoben, kritisierte der niederländische Manager, der lange Zeit Abgeordneter im niederländischen Senat war. „Die technische Netzentflechtung ist kein Problem. Wenn sich die Ingenieure mit gutem Willen zusammensetzen, ist das in drei Tagen erledigt“, sagt Doesburg. „Das Gleiche gilt für die Übertragung der IT. Entweder wird diese zusammen mit dem Personal übertragen oder gar nicht.“

Doesburg beobachtet bei Eon und NBB unterschiedliche Strategien: „Eon macht die Verzögerung bei der Herausgabe der Netze geschickter. Sie reden sehr, sehr freundlich mit uns und lassen einfach hinterher alles im Sande verlaufen“, sagt der Alliander-Chef. „NBB dagegen verweigert schlicht jeden Kontakt mit uns und antwortet noch nicht einmal auf offizielle Schreiben.“ Im Endergebnis würden aber beide Strategien auf das gleiche Ergebnis hinauslaufen: „Wir bekommen die Netze nicht, obwohl wir die Konzessionen gewonnen haben.“ Doesburg geht davon aus, dass sich die Unternehmen über ihre Strategie abgesprochen haben: „Man könnte vermuten, dass diese Anzeichen auf ein Kartell hindeuten.“

Alliander ist seit 2001 bereits Netzbetreiber im rheinischen Heinsberg. „Wir haben bei unserem Markteintritt in Deutschland analysiert, welche Städte für uns am attraktivsten sind“, sagt Doesburg. „Berlin und Hamburg sind ganz klar unsere strategischen Ziele.“ Er sieht sein Unternehmen unter den Bewerbern als einen der Favoriten. „Durch die Übernahme von einem Dutzend Konzessionen in Deutschland haben wir bewiesen, dass wir leistungsfähig sind“, sagt der Manager. „Ein Ziel war, dass uns die Konkurrenz um die Konzessionen in den großen Städten unterschätzt. Das ist uns gelungen. Als wir auf einmal auftauchten als Einziger, der sich für beide Konzessionen bewarb, waren alle überrascht.“ Neuerdings bekomme Alliander aber Anfragen, ob man in Berlin nicht zu Kooperationen bereit sei.
 

Timm Krägenow
© 2019 Energie & Management GmbH
Montag, 02.12.2013, 09:00 Uhr

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