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Die Carbon Management Allianz (CMA) diskutierte in einem Webinar wie gesellschaftliche Akzeptanz für den Hochlauf von Carbon Capture and Storage (CCS) in Deutschland möglich ist.
Der geplante Ausbau von Technologien zur Abscheidung und Speicherung von Kohlendioxid steht in Deutschland vor einer zentralen Herausforderung: der gesellschaftlichen Akzeptanz. Darauf weist die Carbon Management Allianz (CMA) hin, ein Netzwerk von Unternehmen und Organisationen, das sich für Strategien zum Umgang mit industriellen CO2-Emissionen einsetzt. In einem Webinar am 11. März diskutierte die Allianz mit Fachleuten aus Industrie und Wissenschaft über die öffentliche Zustimmung beim Hochlauf von Carbon Capture and Storage (CCS) spielt.
Hintergrund ist nach Angaben der CMA die politische Entwicklung der vergangenen Jahre. Spätestens mit der Verabschiedung des Kohlendioxid-Speicherungs- und Transportgesetzes im Jahr 2025 habe sich gezeigt, dass neben Regulierung, Infrastruktur und Wirtschaftlichkeit auch gesellschaftliche Faktoren den Ausbau prägen. Erfahrungen aus früheren CCS-Debatten sowie eine zunehmend polarisierte klimapolitische Diskussion zeigten laut CMA, dass politische Mehrheiten und konkrete Projekte ohne Zustimmung der Öffentlichkeit schwer erreichbar seien.
CCS als Lösung für IndustrieemissionenIn energie- und klimapolitischen Strategien wird CCS inzwischen häufig als Bestandteil von Netto-Null-Pfaden diskutiert. Vor allem in Industriezweigen mit prozessbedingten Emissionen gilt die Technologie als eine Option zur Reduzierung von CO2. In der öffentlichen Wahrnehmung bestehen jedoch weiterhin Vorbehalte gegenüber Transport- und Speicherprojekten. Für Unternehmen stelle sich deshalb die Frage, wie sie Dialogformate und Kommunikationsstrategien entwickeln können, um Akzeptanz systematisch aufzubauen, so die CMA.
Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Forschung und Praxis brachten unterschiedliche Perspektiven ein. Aus wissenschaftlicher Sicht stellte Christine Merk vom Forschungszentrum Global Commons und Klimapolitik am Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW Kiel) eine mehrjährige internationale Studie vor.
Darin wurde im Vergleich zwischen Dänemark, Norwegen, den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland der Informationsstand und die Einstellung der Bevölkerung zu CCS untersucht. Demnach gab es in Deutschland große Zustimmung zum Ausbau erneuerbarer Energieerzeugung aber kaum die Hälfte der Befragten sind für die Abscheidung und Einspeicherung von CO2, weder im eigenen Boden, noch unterseeisch oder im Ausland. Diese Zustimmung ist in den Vergleichsländern deutlich höher. (Siehe Grafik)
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Einstellungen in verschiedenen Ländern zu CCS und Erneuerbaren Energien - Für Vollbild auf die Grafik klicken Quelle: Kiel Institut |
Erfahrungen mit BürgerdialogenÜber Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis berichteten unter anderem Annett Heibel und Ira Roschlau von der Beratungsorganisation Denkraum Ost. Sie stellten Ergebnisse aus Bürgerdialogen vor, die im Zusammenhang mit einem CCS-Vorhaben des Zementwerks von Cemex in Rüdersdorf bei Berlin durchgeführt wurden. Bei dem Projekt mit dem Namen „CO2LLECT“ plant das Unternehmen, jährlich rund 1,3 Millionen Tonnen CO2 aus der Zementproduktion abzuscheiden.
Die Abscheidung soll mit einer Anlage des Industriegaseherstellers Linde erfolgen.
Dabei kommt ein adsorptiv-kryogenes Verfahren zum Einsatz. Anschließend soll das CO2 per Bahn zu einem Sammelpunkt an der Küste transportiert und von dort zu geologischen Speicherstätten in der Nordsee verschifft werden. Das Unternehmen plant eine finale Investitionsentscheidung im Jahr 2027. Die Inbetriebnahme der Anlage ist derzeit für 2030 vorgesehen. In Dialogveranstaltungen mit Bürgerinnen und Bürgern wurden vor allem Fragen zu möglichen Kostenfolgen sowie zu Verkehrs- und Staubbelastungen gestellt.
Dialogformate tragen bei, Gerüchten und Fehlinformationen vorzubeugen, betonte Florian Kleinwächter. Er organisierte Dialogforen für den Baustoffkonzern Holcim. Zu seinen zentralen Empfehlungen zählt eine frühzeitige Information der Öffentlichkeit bereits in der Planungsphase eines Projekts. Veranstaltungen sollten ausreichend lange im Voraus angekündigt und über unterschiedliche Kanäle kommuniziert werden, etwa über lokale Medien, soziale Netzwerke oder Informationsschreiben an Haushalte in der Umgebung.
Ebenso wichtig sei es, Raum für Fragen und Diskussionen zu schaffen und auch kritische Stimmen einzubeziehen. Die CMA sieht in solchen Dialogformaten einen möglichen Baustein, um gesellschaftliche Voraussetzungen für den Ausbau von CCS-Technologien zu schaffen.
Donnerstag, 12.03.2026, 15:13 Uhr
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