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Enerige & Management > Klimaschutz - Agora sieht großen Nachholbedarf für Emissionsminderung
Quelle: Shutterstock / Lightspring
KLIMASCHUTZ:
Agora sieht großen Nachholbedarf für Emissionsminderung
Die Bundesrepublik entfernt sich weiter von ihren selbst gesteckten Klimazielen, bemängelt die Denkfabrik Agora Energiewende. Auf den neuen Klimaschutzminister komme viel Arbeit zu.
 
Nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende riskiert Deutschland, sein Klimaschutzziel für das Jahr 2030 zu verfehlen. „Einerseits ist 2021 das Jahr, in dem sich Deutschland die ambitioniertesten Klimaziele in der Geschichte der Bundesrepublik gesetzt hat“, erklärte Simon Müller, Deutschland-Direktor bei Agora und einer der Studienautoren. „Andererseits wächst die Umsetzungslücke weiter, die die neue Bundesregierung jetzt dringend mit wirksamen Klimaschutzmaßnahmen schließen muss“, forderte er.

Laut der Analyse „Die Energiewende in Deutschland: Stand der Dinge 2021“ betrug der Ausstoß klimaschädlicher Gase nach vorläufigen Agora-Berechnungen im vergangenen Jahr 772 Mio. Tonnen Treibhausgase. Das bedeute einen deutlichen Anstieg von 33 Millionen Tonnen im Vergleich zu 2020, als die deutsche Wirtschaft einerseits aufgrund der Corona-Krise schwächelte und andererseits wegen günstiger Wetterverhältnisse besonders viel Strom aus Windenergie erzeugte. Hinzu kamen besonders kalte Monate zum Jahresbeginn 2021.

Große Lücke auch ohne Sondereffekte

Aber auch jenseits solcher Einmaleffekte entferne sich Deutschland vom Pfad der CO2-Einsparungen, die pro Jahr durchschnittlich nötig wären, um das Klimaziel der Bundesregierung für 2030 zu erreichen, bemängeln die Agora-Experten. Bis dahin soll der Ausstoß an Treibhausgasen laut Klimaschutzgesetz um 65 % niedriger sein als im Jahr 1990. Je länger sich der derzeitige Trend fortsetze, desto mehr Anstrengungen seien später nötig. „Durch den Emissionsanstieg 2021 müssen wir ab jetzt jedes Jahr im Schnitt 37 Mio. Tonnen CO2 einsparen, um das 2030er Ziel einzuhalten“, erläuterte Müller.

Ein wichtiger Grund für die gestiegenen CO2-Emissionen seien laut der Studie auch die relativen Preise verschiedener Energieträger. Der Anteil erneuerbarer Energien sei noch vergleichsweise niedrig, hinzu kämen dramatisch gestiegene Gaspreise. Die im Gegenzug steigende Attraktivität klimaschädlicher Kohle als Energieträger könne auch der CO2-Preis nicht ausgleichen, bei dem Unternehmen Rechte zum Ausstoß klimaschädlicher Gase kaufen müssen.

Schnell mehr erneuerbare Energie nötig

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch lag laut Agora im vergangenen Jahr bei 42,3 %, das sind 3,3 % weniger als im Jahr davor. SPD, Grüne und FDP haben sich im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, den Anteil auf 80 % im Jahr 2030 zu steigern. Dazu brauche es „einen massiven und schnellen Ausbau von Wind- und Solaranlagen“, erklärte Müller. Das aktuelle Tempo reiche dafür nicht aus. So seien 2021 Windräder und Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von nur 6.700 MW neu gebaut worden, wodurch zuletzt insgesamt 137.000 MW Leistung installiert waren.

Bei den speziellen Zielen für die verschiedenen Wirtschaftssektoren hätten laut Agora Industrie, Stromsektor und Landwirtschaft ihre Ziele für 2021 erreicht. Gebäudesektor und Verkehr verfehlten sie allerdings erneut. Die Analysen von Agora Energiewende beruhen unter anderem auf Zahlen der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, aber auch eigenen Berechnungen. Die Zahlen sind noch vorläufig. Eigene vorläufige Zahlen zum CO2-Ausstoß für 2021 werde die Bundesregierung noch vorstellen. Endgültige Daten gibt es erst mit ungefähr zwei Jahren Verzug.

Forderungen an die Politik

Noch für das laufende Jahr forderte die Denkfabrik von der Politik eine „Ausbauoffensive für Solarenergie“, wie Müller sagte. Zudem müssten genug Flächen für die Windkraft gesichert werden und der Aus- und Umbau der Energienetze geplant werden.

Bundesklimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hatte vor kurzem zusätzliche Anstrengungen beim Klimaschutz angekündigt. „Wir werden unsere Ziele vermutlich auch für 2022 noch verfehlen, sogar für 2023 wird es schwer genug“, hatte er der Wochenzeitung Die Zeit gesagt. Mit Blick auf die Reduktion von klimaschädlichen Treibhausgasen erklärte er: „Wir fangen mit einem drastischen Rückstand an.“
 

dpa/Susanne Harmsen
© 2022 Energie & Management GmbH
Donnerstag, 06.01.2022, 15:44 Uhr

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