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Enerige & Management > Klimaschutz - Agora erinnert zum zehnjährigen Bestehen an Energiewende
Quelle: Fotolia / PhotographyByMK
KLIMASCHUTZ:
Agora erinnert zum zehnjährigen Bestehen an Energiewende
Bei einer Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Denkfabrik forderten verschiedene Vertreter von Agora, trotz des Ukrainekrieges die Energiewende im Fokus zu behalten.
 
 
Deutschland verliere seine Vorreiterrolle im Klimaschutz, befürchtete Dmitri Pescia, Programmleiter Südostasien bei der Diskussionsrunde auf der Festveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Agora Energiewende. Die Feier fand am 12. September in Berlin statt. Wegen der aktuellen Energiekrise durch die Liefereinschränkungen aus Russland im Zuge des Ukrainekrieges drehe sich nur noch alles um fossiles Erdgas. Außerdem seien zuerst die Solarindustrie und nun auch die Windkraft in andere Länder, vor allem in den asiatischen Raum abgewandert, weil Ausbaupfade und Förderung zu unklar waren.

Seine Kollegin Camilla Oliveira, Projektleiterin Lateinamerika, sieht aus ihrer Erfahrung Deutschland trotz der aktuellen Herausforderungen weiter als Motor politischer Prozesse zum Klimaschutz. Es sei durchaus bekannt, dass hier die erneuerbare Stromerzeugung wirtschaftlich für die Welt gemacht wurde. Auch der Kernkraftausstieg werde beachtet.

Klimaneutrale Gase als Zukunft der Industrie

Matthias Deutsch, Programmleiter Wasserstoff, gab zu bedenken, es könnte effektiver für die Klimaneutralität sein, die Produktion von Wasserstoff, Methan oder Ammoniak in Entwicklungsländer zu verlagern. "Es kann mehr für den Klimaschutz bringen, klimaneutrale Gase dort herzustellen, wo sie am preiswertesten zu produzieren sind, anstatt weiter in Europa Industriearbeitsplätze endlos zu subventionieren", sagte Deutsch.

Die Leiterin Industriepolitik bei Agora, Julia Metz, will es dagegen ermöglichen, auch in Europa Industriearbeitsplätze zu erhalten. "Dafür muss die Industriestrategie dem Ziel der Klimaneutralität angepasst werden", formulierte sie als Herausforderung. Michaela Holl, Projektleiterin im Brüsseler Büro der Denkfabrik, wandte sich gegen Vorschläge aus der Wirtschaft, wegen der aktuellen Energiepreiskrise die Bepreisung von Treibhausgasen (ETS) auszusetzen. "Der CO2-Preis macht nur zehn Prozent des Preises aus und finanziert europäische Klimaschutzmaßnahmen", erinnerte sie.

Projekt Ammoniak aus Namibia

Rainer Baake, Ex-Staatssekretär und Sonderbeauftragter des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWK) für die deutsch-namibische Klima- und Energiekooperation, berichtete von seinem Projekt. Damit soll in Namibia mittels Strom aus erneuerbaren Anlagen klimaneutral Ammoniak (NH3) hergestellt und nach Deutschland verschifft werden.

Dies diene auch dem Erhalt von Industriearbeitsplätzen, da Ammoniak Ausgangsstoff der Chemie und Düngemittel sei. "Elf Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs werden zur Ammoniak-Produktion eingesetzt, können wir dies klimaneutral ersetzen, ist das ein Gewinn fürs Klima und unsere Unabhängigkeit von russischem Erdgas", sagte Baake. Auch Namibia profitiere von dem Projekt, für die eigene Wirtschaft und durch die Schaffung nachhaltiger Arbeitsplätze zur Armutsbekämpfung, unterstrich er.

Agora-Geschäftsführer Markus Steigenberger, der von Anfang an dabei ist, erläuterte, dass mit der Erweiterung der Geschäftsfelder um die Themen Verkehr, Industrie und Land- und Forstwirtschaft die Denkfabrik nunmehr alle klimarelevanten Aspekte bearbeite. Inzwischen habe Agora 150 Mitarbeiter in Berlin, Brüssel, Bangkok und Beijing. Klimaschutz müsse alle Wirtschaftsbereiche umfassen, auch wenn erneuerbare Energie die Basis sei, erinnerte er.
 
Die beiden Agora-Geschäftsführer Markus Steigenberger und Frauke Thies bei der Feier zum 10. Jubiläum der Denkfabrik am 12. September 2022.
Quelle: E&M / Susanne Harmsen

Co-Geschäftsführerin Frauke Thies versprach, weiter wissenschaftlich korrekte und zugleich politisch umsetzbare Konzepte zu entwickeln. "Als unabhängiges Institut hat Agora den Luxus, einen Schritt zurückzutreten vom Tagesgeschäft", sagte sie. Eines der aktuellen Themen sei, die Regulation von Carbon Capture and Storage (CCS) in Europa zu entwickeln. CCS bezeichnet das Auffangen und unterirdische Verpressen von CO2.
 

Susanne Harmsen
Redakteurin
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Dienstag, 13.09.2022, 14:48 Uhr

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