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Bild: Fotolia.com, Gina Sanders
STROMNETZ:
Absage an vereinheitlichte Netzentgelte
Das Bundeswirtschaftsministerium strebt eine Vereinheitlichung der Netzentgelte an. Bei Amprion hält man das für den falschen Weg, die steigenden Kosten in den Griff zu bekommen.
 
Eine Studie von EWI Energy Research & Szenarios hat die Auswirkungen einer Vereinheitlichung der Übertragungsnetzentgelte untersucht. Die im Auftrag des Netzbetreibers Amprion durchgeführte Analyse hat für das Jahr 2017 für Teile der Letztverbraucher einen Anstieg der Entgelte auf der Höchstspannungsebene um 72 % ermittelt. Andere Kunden könnten mit einem Rückgang der Netzentgelte um 28 % rechnen. Auf der Niederspannungsebene liegt die Spanne bei -3 % bis 6 %. Für Industrieunternehmen ergeben sich dadurch Entlastungen bis 4,8 Mio. Euro und Mehrbelastungen bis 5,1 Mio. Euro. Für Haushalte verläuft der Korridor zwischen -9 und 11 Euro.

Die Autoren betonen, dass eine Vereinheitlichung zwar die Kosten gleichmäßiger zwischen den Letztverbrauchern und auch zwischen den Netzgebieten gleichmäßiger verteile. Für Letztverbraucher auf hohen Spannungsebenen, also die Industrie, fielen jedoch die Umverteilungseffekte aufgrund der Kostenwälzung deutlich höher aus, als für Haushalte in der Niederspannung. Denn wenn die Kosten der Netzebene der Entnahme von Letztverbrauchern zuzurechnen sind, müssen sie auch von diesen getragen werden. Ansonsten werden sie anteilig auf die nachgelagerten Netzebenen verteilt.

Die gegenwärtige Netzentgeltsystematik hat sich nach Überzeugung von Hans-Jürgen Brick, Geschäftsführer des Übertragungsnetzbetreibers Amprion, überlebt. Nicht transparent, nicht flexibel und damit auch nicht effizient, so sein Urteil. Das Ziel des Gesetzgebers, die Netzentgelte zu modernisieren, begrüßt er deshalb. „Doch der Weg der Vereinheitlichung, den das Bundeswirtschaftsministerium einschlagen will, ist falsch.“ Eine Vereinheitlichung der Netzentgelte belaste einseitig die west- und süddeutsche Wirtschaft, kritisiert Brick. Zwar werde die Industrie in den Netzgebieten im Norden und Osten Deutschlands rechnerisch entlastet. Allerdings gebe es dort kaum direkt an das Übertragungsnetz angeschlossene Kunden.

Strukturelle Probleme, wie etwa ein steigender Bedarf an Redispatch-Maßnahmen oder vermehrtes Einspeisemanagement, würden bei einer Vereinheitlichung der Netzentgelte nicht gelöst, gibt Joachim Bertsch, Leiter der Studie bei EWI Energy Research & Szenarios zu bedenken. Daher bestehe noch Forschungsbedarf, um die Wechselwirkung zwischen Anreiz- und Verteilungeffekten genauer zu analysieren.

Vor diesem Hintergrund mahnt Amprion-Geschäftsführer Brick: „Statt nun Flickwerk zu betreiben und einzelne Regionen über Gebühr zu belasten, müssen wir vielmehr dafür sorgen, dass das Netzentgeltsystem künftig transparenter, flexibler und effizienter wird.“ Dafür sollte man sich seiner Ansicht nach mehr Zeit als bis zu den nächsten Wahlen nehmen. Letztlich gehe mit einer Vereinheitlichung auch der Anreiz verloren, unternehmerisch zu planen und zu handeln. Er sieht es zwar als unstrittig an, dass die Kosten der Energiewende von der gesamten Gesellschaft zu gleichen Teilen zu tragen seien. „Aber die Netzentgelte umfassen mehr als die Energiewendekosten“, so Bricks Einwand.

Die Verfasser der Studie weisen darauf hin, dass beispielsweise die Historie der Investitionen eines jeden Netzbetreibers, lokale Widerstände gegen den Netzausbau oder ein lokal ungünstiger Ausbau von Erzeugungskapazitäten die Netzkosten nach oben treiben könnten. Deshalb fordern sie: „Die Kostenallokation und die alleinige Belastung der Letztverbraucher mit den damit verbundenen Verteilungswirkungen sind letztlich normativ im gesellschaftlichen und politischen Diskurs zu entscheiden.“

Die Studie steht auf der Seite des EWI zum Download   zur Verfügung.
 

Fritz Wilhelm
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Montag, 28.11.2016, 16:09 Uhr

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