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Enerige & Management > Wasserstoff - 700 Mio. Euro für eine "Initiative der Superlative"
Bild: iStock, Frank Harms
WASSERSTOFF:
700 Mio. Euro für eine "Initiative der Superlative"
Das Bundesforschungsministerium unterstützt drei neue Wasserstoff-Forschungsprojekte mit 700 Mio. Euro. Über 100 deutsche Unternehmen sind an den Projekten beteiligt. 
 
Den "Startschuss für eine Initiative der Superlative, die große technologische Hürden beim Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft aus dem Weg räumen soll", gab Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) am 13. Januar in Berlin. Wie sie auf einer Online-Pressekonferenz verkündete, nehme das Bundesforschungsministerium (BMBF) dazu drei Schlüsselfragen der Wasserstoffwirtschaft in den Blick: die Serienfertigung von Elektrolyseuren, die direkte Erzeugung von grünem Wasserstoff auf dem Meer aus Windenergie und den sicheren Transport von Wasserstoff.

Die Leitprojekte haben sich im vergangenen Jahr im BMBF-Ideenwettbewerb "Wasserstoffrepublik Deutschland" hervorgetan und werden nun von Konsortien betrieben. In die drei Konsortien hätten sich, so betonte Karliczek, über 230 Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft aus allen 16 Bundesländern eingebracht. 55 % davon kommen aus der Wirtschaft. Dazu zählen neben kleinen Firmen und Start-ups auch Großkonzerne wie RWE, Thyssen-Krupp oder Siemens. Im vorwettbewerblichen Bereich würden Unternehmen, die sonst im direkten Wettbewerb zueinander stehen, zusammenarbeiten, freute sich Karliczek.

Aus dem Zukunftspaket der Bundesregierung sollen die Konsortien in den nächsten fünf Jahren 700 Mio. Euro bekommen. Karliczek sprach von "einem der größten Förderbeträge für eine themenbezogene Forschungsinitiative in den vergangenen Jahren". Zum Größenvergleich: Die Fördersumme entspricht laut Ministerin etwa zweidrittel dessen, was Wirtschafts-, Landwirtschafts- und Forschungsministerium 2019 für das siebte Energieforschungsprogramm bereitgestellt haben. Karliczek zeigte sich sicher: "Wir sind überzeugt davon, dass grüner Wasserstoff eine Schlüsselrolle spielen wird bei der Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie".

Ausgerichtet auf die Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie

"Wir haben vielleicht nicht so viel Wind und Sonne wie andere Länder, aber dafür das Know-how, ein nachhaltiges, ein sicheres und ein zukunftsfähiges Energiesystem der Zukunft zu bauen", ergänzte Stefan Kaufmann (CDU), Innovationsbeauftragter des Bundes für grünen Wasserstoff. Die drei neu geförderten Leitungsprojekte seien ausgerichtet auf die Umsetzung der Nationalen Wasserstoffstrategie. "Sie setzen den Fokus auf die industrie- und innovationspolitisch hochrelevante Herausforderung der Wasserstoffwirtschaft, anstatt sich im Kleinklein von Partikular-Fragestellungen zu verlieren", so Kaufmann.

Zu den Leitprojekten im Einzelnen:

"H2Giga": Mit 112 Einrichtungen aus Wissenschaft und Wirtschaft (darunter Thyssen-Krupp, Siemens und Sunfire) wird das Projekt koordiniert von der Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie. Es ist das größte der drei Forschungsprojekte und widmet sich, so Karliczek, dem "Fundament, auf dem alle nachhaltigen Wasserstoffketten aufbauen": der Serienfertigung großskaliger Elektrolyseure zur Erzeugung grünen Wasserstoffs. "Bislang wurden Elektrolyseure per Hand im Manufakturbetrieb gefertigt. Mit Blick auf die benötigten Stückzahlen und auf die notwendige Kostenreduktion brauchen wir jedoch dringend den Sprung in die automatisierte Serienfertigung". Der Anspruch: Deutsche Elektrolyseur-Hersteller sollen zum "Ausrüster der Welt" werden. 

"H2Mare": Dieses von Siemens Energy geführten Forschungsprojekt nimmt die Produktion von grünem Wasserstoff dort in den Blick, wo er regelmäßiger und in großen Mengen produziert wird: auf hoher See in Offshore-Windanlagen. Das Konsortium arbeitet "weltweit erstmalig" an der Integration von Stromerzeugung und Wasserstoffproduktion in einer Anlage. Die Partner gehen davon aus, dass eine direkte Kopplung von Windkraftanlage und Elektrolyseur die Kosten der Wasserstoffproduktion weiter nach unten drücken kann. Das Konsortium vereint gegenwärtig 33 Partner, darunter RWE und die Salzgitter Mannesmann Forschung GmbH.

"TransHyDe" hat sich der Entwicklung von Transportmöglichkeiten für Wasserstoff sowohl auf internationaler als auch auf nationaler Ebene verschrieben. Ziel der Partner ist es, Systemkompetenz für die Auswahl von Transportoptionen aufzubauen. Im Mittelpunkt steht die Frage, welche Transportlösung für welche Anwendung, Menge und Distanz die kostengünstigste ist. Neben Transportsystemen (Schiff, Pipeline, Lkw) untersucht das Projekt auch die Form, in der Wasserstoff transportiert wird − weniger als Flüssigkeit als vielmehr in einer gebundenen Form als chemisches Derivat. Auch die Ertüchtigung von Erdgasnetzen für den Wasserstoff-Transport ist ein Thema. Projektkoordinator der 89 Partner sind RWE Renewables, das Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion und das Fraunhofer-Institut für Energieinfrastruktur. Zu den Industriepartnern zählen etwa Ontras Gastransport und Open Grid Europe.
 

Davina Spohn
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