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Enerige & Management > Bilanz - 50Hertz auf Rekordkurs
Bild: Fotolia.com, Rynio Productions
BILANZ:
50Hertz auf Rekordkurs
Abschlusszahlen für das Geschäftsjahr 2015 des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz offenbaren gute Fortschritte, aber auch erhebliche Defizite der Energiewende.
 
Der für den Norden und den Osten Deutschlands zuständige Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz Transmission GmbH hat das Geschäftsjahr 2015 mit einem Investitionsrekord in Höhe von 902 Mio. Euro abgeschlossen. Nie zuvor hat das Unternehmen mehr in seine Netzanlagen investiert – im Jahr 2014 waren es erst 572 Mio. Euro, also 36 Prozent weniger.

Die Zahlen zeigten, dass es vorangehe mit der Energiewende und mit dem dafür unabdingbaren Netzausbau, sagte bei der 50Hertz-Bilanzpressekonferenz am 14. März Boris Schucht, Sprecher der Geschäftsführung des Unternehmens. Der Netzausbau sei zwar teuer, noch teurer werde es aber, die Leitungen nicht zu bauen. Für das laufende Jahr stellte Schucht 850 Mio. Euro Investitionen in das Netz in Aussicht.

Den Nordosten Deutschlands lobte der Unternehmenschef als Vorreiter beim Ausbau und bei der Integration der erneuerbaren Energien in das Netz. „Wir stehen als 50Hertz für die Integration“, bekräftigte er. Als Indiz für den Erfolg dieser Bemühungen wertete der Geschäftsführer, dass im letzten Jahr rein rechnerisch bereits 49 Prozent des im 50Hertz-Gebiet verbrauchten Stroms aus Wind-, Solar- und Biomasseanlagen stammten. Im Jahr 2014 lag der rechnerische Ökostromanteil am Stromverbrauch erst bei 42 Prozent.
 
Boris Schucht fordert einen stabilen Regulierungsrahmen
Bild: 50Hertz

Von den 902 Mio. Euro Investitionen des nordostdeutschen Netzbetreibers im Jahr 2015 entfielen etwa 302 Mio. Euro auf Leitungen an Land und rund 600 Mio. Euro auf Leitungen in der Ostsee zum Anschluss von Windparks. Onshore stellte das Unternehmen insgesamt 115 km neue Freileitungen fertig, weitere 165 km befanden sich im Bau und 449 km im Genehmigungsverfahren.

Als eines der wichtigsten Netzausbau-Projekte nannte Schucht die vorzeitige Inbetriebnahme der Südwest-Kuppelleitung (380 kV) von Sachsen-Anhalt nach Bayern, mit der Engpässe im Nord-Süd-Stromtransport beseitigt und die Netzstabilität im Norden Bayerns nach der Abschaltung des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld verbessert worden seien.

Im Offshore-Bereich hat 50Hertz im letzten Jahr unter anderem in den Netzanschluss für den Windpark Baltic 2 nordwestlich von Rügen und in den Baustart für die Leitung Ostwind 1, die weitere Windparks nordöstlich von Rügen anbindet, investiert.

Hohe Kosten für das Engpassmanagement

Defizite der Energiewende zeigt ein weiterer Rekordwert aus dem 50Hertz-Gebiet: Die Kosten für das Engpassmanagement, die deswegen entstehen, weil der Netzausbau nicht mit dem Ausbau der regenerativen Stromerzeugung Schritt hält, schnellten im letzten Jahr von 91 Mio. Euro (2014) auf 346 Mio. Euro empor. Die Ausgaben fallen an, weil der Netzbetreiber konventionelle Kraftwerke herauf- oder herunterfahren und erneuerbare Erzeugungsanlagen abregeln lassen muss, um das Netz stabil zu halten.

Als einen wesentlichen Grund für das rapide Wachstum dieser sogenannten Redispatch-Ausgaben in Nordostdeutschland nannte Schucht die fehlende Aufrüstung der 115 km langen Uckermarkleitung nördlich von Berlin auf 380 kV. Das Bundesverwaltungsgericht hatte den Ausbau im Januar wegen Mängeln beim Naturschutz gestoppt. Schucht befürchtet, dass sich die Fertigstellung der Leitung deshalb um weitere vier bis fünf Jahre verzögert. Genehmigungsverfahren und der Bau von wichtigen Transportleitungen müssten generell „deutlich schneller werden“, fordert der Manager.

Einheitliche Netzentgelte für gerechtere Lastenverteilung

Die Redispatch-Kosten trieben auch den 50Hertz-Umsatz aus dem Netzgeschäft deutlich nach oben. Er lag im vergangenen Jahr bei knapp 1,5 Mrd. Euro im Vergleich zu gut 1 Mrd. Euro im Jahr 2014. Das ausschüttungsrelevante Ergebnis ging von 166 Mio. Euro 2014 auf 46 Mio. Euro zurück. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs von 893 (2014) auf 955 im vergangenen Jahr.

50Hertz plane, von 2016 bis 2020 insgesamt etwa 3,45 Mrd. Euro zu investieren, stellte Schucht in Aussicht. Dafür fordert er verlässliche Regulierungsbedingungen. Der regulatorische Rahmen sei bislang noch nicht stabil genug, so der Unternehmenschef. Er sei sich im Klaren darüber, dass die Eigenkapitalverzinsung für die nächsten Regulierungsperiode nicht auf dem heutigen Niveau bleiben könne, deshalb sei mehr denn je erforderlich, dass die vom Regulierer zugestandene Verzinsung tatsächlich erreicht werde. Bisher sei die tatsächliche Verzinsung Schwankungen unterworfen. Das schaffe Unsicherheit bei Investoren. Weil der Netzausbau zu zwei Dritteln über den Kapitalmarkt finanziert werden müsse, wie Finanzgeschäftsführer Marco Nix erläuterte, seien aber stabile Rahmenbedingungen unabdingbar.

Beim Thema Netzgebühren erneuerte Schucht die Forderung des Unternehmens nach einem bundesweit einheitlichen Netzentgelt für die Übertragungsebene. Damit könnten Energiewendekosten gerechter verteilt und finanzielle Benachteiligungen von Regionen mit viel erneuerbarer Erzeugung abgebaut werden.
 

Peter Focht
Redakteur
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Montag, 14.03.2016, 17:33 Uhr

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